
Bewertung: 4 / 5
Es ist mal wieder Zeit für so ein Video. Wir reden schon wieder über Politik, Weltbilder und Ideologien, die sich von dem eines „normal“ denkenden Menschen völlig unterscheiden.
In der deutschen Dokumentation „Soldaten des Lichts“ von den Regisseuren Julian Vogel und Johannes Büttner verfolgen wir einen Influencer namens David Ekwe Ebobisse, der unter dem Pseudonym „Mister Raw“ im Internet Verschwörungstheorien und radikale Esoterik verbreitet. Inhalte, die sich klar dem Reichsbürger- und Querdenker-Spektrum zuordnen lassen. Die Dokumentation zeigt schonungslos die Doppelzüngigkeit dieser Menschen: Sie glauben ihre eigenen Lügen, lassen andere daran glauben und ziehen ihnen dabei gnadenlos das Geld aus der Tasche. Neben „Mister Raw“ kommen auch der selbsternannte „König“ des sogenannten „Königreichs Deutschland“, Peter Fitzek, sowie ein Mann namens Timo M. vor. Letzterer rückt im Laufe des Films immer stärker in den Fokus, weil seine extreme Hingabe an Mister Raw zu ernsthaften und gefährlichen gesundheitlichen Problemen führt.
„Soldaten des Lichts“ wurde vom ZDF produziert und ist aktuell in der Mediathek verfügbar – und ja, ihr solltet euch diese Doku unbedingt ansehen. So nah war man dem Querdenker-Spektrum und den faschistischen Strukturen der Reichsbürger-Szene bisher kaum. Die beiden Regisseure schaffen dabei etwas Erstaunliches: Sie zeigen einfach, sie kommentieren kaum. Es gibt kein Voice-over, keinen klassischen psychologischen Erkläransatz. Was wir sehen, sind pure Beobachtungen – und die sind entlarvender, als jeder Kommentar es je sein könnte.
Der Film offenbart gnadenlos, was in dieser Szene alles schiefläuft und was manche Menschen auch heute noch glauben. Und das ist wirklich alles dabei: Theorien darüber, dass Supermarkt-Essen einen „verdunkelt“, die Flacherde, Menschen, die angeblich von Reptiloiden übernommen wurden, oder der komplett wahnhafte QAnon-Mythos, dass Kindern von der Regierung Adrenochrom entzogen wird. All diese bekannten Verschwörungsmythen tauchen hier auf – und die Menschen glauben sie wirklich.
Noch bedrohlicher ist allerdings, wie diese Inhalte verbreitet werden. Mit ausgewählten Worten, vermeintlicher Intelligenz und manipulativer Rhetorik fräst sich dieser Müll in die Köpfe von Menschen, die offenbar leichter beeinflussbar sind – wie eben Timo M.. Man sieht im Film, wie er körperlich immer weiter abbaut, während ihm gleichzeitig eingeredet wird, wie gesund er doch aussehe. Er nimmt drastisch ab, seine Verfassung verschlechtert sich sichtbar – und niemand greift ein.
Besonders schockierend ist die Szene mit Timo bei seinen Eltern. Eine Szene, die einem noch lange nach dem Abspann im Kopf bleibt. Großartig ist, dass der Film komplett auf klassische Doku-Mittel verzichtet und die Menschen sich selbst entlarven lässt. Und doch bleibt am Ende eine ganz zentrale Frage: Wie zum Teufel soll man diesen Menschen eigentlich noch helfen?
Denn Mister Raw hat dem Film nach Sichtung selbst grünes Licht für die Veröffentlichung gegeben. Das bedeutet: Er sieht in all dem Gezeigten nichts Problematisches, nichts Verwerfliches. Wie erreicht man Menschen, die so tief in ihrem eigenen Weltbild feststecken?
„Soldaten des Lichts“ ist eine schockierende Dokumentation, die fassungslos macht. Man sieht, wie Menschen systematisch ausgebeutet werden, weil sie an den Unsinn glauben, der ihnen eingetrichtert wird – und wie damit Villen, Luxusleben und Machtfantasien finanziert werden. Geld spielt hier eine zentrale Rolle. Sei es der selbsternannte „König“, der sich ständig selbst beweihräuchert, während er gleichzeitig behauptet, all das ja gar nicht an die große Glocke hängen zu wollen. Oder ein anderer Kandidat gegen Ende des Films, der offen darüber spricht, wie viel Geld er mit anderen Menschen verdient hat – genug für einen Sportwagen. Diese Szene, diese verblendeten Menschen, die an solchen Mist glauben, sind gefährlich, verstrahlt und im Kern einfach unglaublich traurig. Und wie offen und direkt der Film zeigt, was das mit einem macht, ist beeindruckend.
FAZIT
Ein Blick in eine Welt, die problematischer kaum sein könnte – so etwas bekommt man selten zu sehen. Das ist stark, verstörend, bedrückend und kaum zu fassen.


