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Sie glauben an Engel, Herr Drowak?

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Überzeugt das surreale Regiedebüt von Nicolas Steiner?

Sie glauben an Engel, Herr Drowak? Kritik

Sie glauben an Engel, Herr Drowak? Kritik
0 Kommentare - 27.01.2026 von Moviejones (MJ-SceneTalk)
Wir haben uns "Sie glauben an Engel, Herr Drowak?" für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
Sie glauben an Engel, Herr Drowak?

Bewertung: 2 / 5

Der Surrealismus hält wieder Einzug in die deutsche Filmlandschaft, und das allein sollte man erst einmal feiern. Die Zeiten der immer gleichen Komödien von Til Schweiger oder Elyas M’Barek scheinen langsam vorüber zu sein, und man darf sich wieder auf mutigere Filme freuen. Doch so löblich es ist, dass hierzulande wieder stärker mit filmischer Kunst experimentiert wird, so traurig ist es zugleich, dass aus Sie glauben an Engel, Herr Drowak? letztlich nichts wirklich Gelungenes geworden ist.

Doch worum geht es hier eigentlich? Denn die wenigsten von euch dürften von diesem Film bislang gehört haben.

Im Kern geht es um die Studentin Lena, die beim Amt als Schreibtrainerin anfängt und direkt zu einem schlecht gelaunten, einsamen Mann namens Hugo Drowak geschickt wird. Er ist der einzige Mensch, der sich überhaupt für das Schreibtraining angemeldet hat – und zugleich ein ausgesprochen harter Fall. Hugo ist vereinsamt, stinkt wie die Pest, trinkt ausschließlich Alkohol und beleidigt alles und jeden. Doch Lena gelingt es, zu dem ständig saufenden Misanthropen eine Verbindung aufzubauen und ihn nach und nach wieder zum Schreiben zu motivieren. Denn seine Texte, seine Poesie und seine Lyrik sind herausragend. Leider wird Hugo von inneren Dämonen zerfressen, die ihn immer weiter in den Wahnsinn treiben.

Sie glauben an Engel, Herr Drowak ist das Spielfilm-Regiedebüt des Dokumentarfilmers Nicolas Steiner, der vor allem für seine Dokumentation Above and Below bekannt ist, für die er zwei Deutsche Filmpreise gewann (Beste Kamera & Beste Dokumentation), sowie für die Netflix-Dokuserie Dig Deeper - Das Verschwinden der Birgit Meier. Mit seinem ersten richtigen Spielfilm versucht Steiner direkt, in die Vollen zu gehen, und nimmt sich gleich eine Vielzahl an Themen vor: Verlust, unerwiderte Liebe, Angststörungen und psychische Erkrankungen im Allgemeinen, Alkoholismus, Suizid und vieles mehr.

Allein diese thematische Ballung erinnert stark an Das Licht von 2025. Auch Tom Tykwers Film wollte scheinbar jedes große Thema gleichzeitig verhandeln und zerdrückte dabei viele gute Ansätze unter seiner eigenen Überfrachtung. Ähnlich verhält es sich hier. Doch nicht nur die Masse an gewichtigen Themen wird dem Film zum Verhängnis, sondern auch der exzessive Surrealismus, der dem Ganzen endgültig einen Strich durch die Rechnung macht.

Denn Sie glauben an Engel, Herr Drowak ist zu etwa 80 Prozent in Schwarz-Weiß gedreht, arbeitet mit extremen Kameraeinstellungen und liefert damit fast schon zu viel für das Auge. Es wirkt, als hätte Nicolas Steiner sich mehrere Filme von Yorgos Lanthimos angesehen und sich gedacht: Das kann ich auch – nur noch durchgeknallter. Fischaugenoptik, abgedrehte Kamerafahrten, schräge Winkel und verschwimmende Bilder dominieren das Geschehen. Der Film will pure Kunst sein, wirkt dabei aber oft so, als ginge es mehr um visuelle Selbstverliebtheit als um die Geschichte, die er eigentlich erzählen möchte. Denn diese ist im Kern recht simpel: Eine überambitionierte Helferin freundet sich mit einem schwierigen, kaputten Mann an. Das ist nichts Neues – nur die Inszenierung will hier krampfhaft außergewöhnlich sein.

Je länger der Film läuft, desto schriller werden die Einfälle. Irgendwann wird die Schwarz-Weiß-Ästhetik mit Farbe kombiniert, Albtraumszenen prasseln auf das Publikum ein, und man wird mit einem völlig entfesselten Lars Eidinger konfrontiert – der ausnahmsweise einmal nicht nackt zu sehen ist. Ja, wir sind genauso verwundert wie ihr. Schauspielerisch funktioniert das größtenteils auch: Eidinger spielt komplett überdreht, Luna Wedler und Karl Markovics liefern solide Leistungen ab, und selbst der französische Schauspieler Dominique Pinon, bekannt aus Die fabelhafte Welt der Amélie, darf mitmischen. Doch all das wirkt überladen, ziellos und gewollt künstlich.

Das Ergebnis ist einer der vielleicht artifiziellsten deutschen Filme der jüngeren Vergangenheit – und das ist hier keineswegs als Kompliment gemeint.

FAZIT

Nicolas Steiner verhebt sich an seiner Geschichte, an seinen Themen und an seiner visuellen Verspieltheit. Spätestens nach der Hälfte ermüdet der Film zunehmend. Die letzten 60 Minuten wollen einfach nicht enden, ziehen sich quälend in die Länge, und irgendwann fragt man sich nur noch, warum sich Sie glauben an Engel, Herr Drowak plötzlich in eine Art Hundreds of Beavers, nur eben mit Ratten, verwandelt. Und nein, das ist keine Übertreibung.

Dieser Film weiß zu keinem Zeitpunkt, was er eigentlich sein will – und nervt damit gewaltig. Ein Film, den niemand braucht. Ein Film, der zu viel will und dadurch am Ende nichts wirklich auf die Reihe bekommt. Eine herbe Enttäuschung.

Sie glauben an Engel, Herr Drowak? Bewertung
Bewertung des Films
410

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