
Bewertung: 3.5 / 5
Drei Jahre nach ihrem Überraschungserfolg Promising Young Woman, der mit dem Oscar für das Beste Originaldrehbuch ausgezeichnet wurde, meldet sich die Schauspielerin und Regisseurin Emerald Fennell mit ihrem zweiten Film zurück. Die Uraufführung fand Ende August 2023 im Rahmen des Telluride Film Festivals statt und wurde kurz darauf von der Presse als anstößig sowie als Skandalfilm bezeichnet.
Inhalt
Der Student Oliver Quick (Barry Keoghan) kämpft darum, sich in Oxford einzufinden. Dabei wird der junge Mann in die Welt des charmanten Aristokraten Felix Catton (Jacob Elordi) hineingezogen, der ihn für einen unvergesslichen Sommer nach Saltburn, dem weitläufigen Anwesen seiner exzentrischen Familie, einlädt.
Trailer zu Saltburn
Ab dem Zeitpunkt von Olivers Ankunft in Saltburn ist es schwierig zu erahnen, worum es in diesem Film genau geht. Ist es eine Liebesgeschichte? Ein Familiendrama? Oder eine Coming-of-Age-Erzählung? Von allem scheint etwas enthalten zu sein, und doch zu wenig, um es klar einem Genre zuordnen zu können. Ein zentraler Bestandteil des Films ist ein gezielter Angriff auf den Kapitalismus des 21. Jahrhunderts, auf die Oberflächlichkeit der wohlhabenden Gesellschaftsschicht sowie auf die Frage, wie weit ein Mensch bereit ist zu gehen, um dazuzugehören.
Besonders positiv hervorzuheben ist das Zusammenspiel der Figuren Oliver und Felix, die bereits zu Beginn eine intensive Chemie aufbauen, die im Verlauf des Films jedoch nie vollständig entschlüsselt wird. Auch Alison Oliver als Schwester Venetia sowie Rosamund Pike als Elsbeth Catton, die Mutter von Felix, können überzeugen. Der Film spielt überwiegend auf dem Anwesen Saltburn, das von Kameramann Linus Sandgren eindrucksvoll in Szene gesetzt wird. Die gesamte Bildgestaltung ist stimmig auf den Film abgestimmt: Sowohl das Szenenbild als auch die Lichtsetzung wechseln zwischen hellen und dunklen Einstellungen und erzeugen dadurch immer wieder starke visuelle Momente.
Die Handlung ist über weite Strecken schwer vorhersehbar, bis der erste große Twist aufgelöst wird. Ab diesem Moment lässt sich erahnen, in welche Richtung sich der Film insgesamt entwickelt. Der zweite große Twist mag zwar einige Zuschauer überraschen, doch viele werden dieses Prinzip bereits aus anderen Filmen kennen. Zudem werden manche Figuren und Szenen zu überspitzt und bewusst explizit dargestellt. Carey Mulligan etwa erhält einen viel zu kurzen Auftritt, um ihre schauspielerische Klasse entfalten zu können. In den bewusst provokanten Szenen, die wenig zur eigentlichen Handlung beitragen, entsteht der Eindruck, als wolle Fennell gezielt durch diese Momente mediale Aufmerksamkeit für ihren Film erzeugen.
Fazit
Zusammenfassend ist Emerald Fennell ein Film gelungen, der in einzelnen Momenten – etwa beim ersten großen Twist – sehr gut funktioniert, sich insgesamt jedoch zu sehr in einem konstruierten Ende und dem Wunsch verliert, wohlhabende Figuren möglichst überspitzt und klischeehaft darzustellen. Dadurch wirken Charaktere, die eigentlich von Bedeutung sind, zu stark gezeichnet und teilweise grotesk. Zuschauer, die gesellschaftskritische Filme schätzen, sollten Saltburndennoch eine Chance geben.


