Bewertung: 2.5 / 5
Seit 1984 galt dieser Film des Rape-and-Revenge-Genres in Deutschland als indiziert, bis er 2023 nach einer Neuprüfung mit einer FSK-16-Freigabe neu eingestuft wurde. Es handelt sich um den dritten Film des Independent-Regisseurs Abel Ferrara, der bereits mit dem Film Der Bohrmaschinenkiller aus dem Jahr 1979 Aufmerksamkeit erregte. Wie schon in seinem vorherigen Werk ist auch dieser Film von expliziten Sex- und Gewaltszenen geprägt, was bei Kritikern auf viel negative Resonanz stieß.
Thana ist stumm und arbeitet gemeinsam mit anderen jungen Frauen in einer Bekleidungswerkstatt. Auf dem Heimweg wird sie am selben Abend zweimal vergewaltigt. Es gelingt ihr, ihren zweiten Angreifer in ihrer Wohnung zu töten und die Leiche verschwinden zu lassen. Dabei gelangt sie an dessen .45er-Magnum-Handfeuerwaffe und beginnt, Männer zu ermorden, die versuchen, sich ihr zu nähern und dabei sexuell aggressiv auftreten.
Der Film bewegt sich auf vielen Ebenen in die richtige Richtung, was in Ferraras vorherigen Werken nicht immer gelang. Trotz seines geringen Budgets von rund 72.000 Dollar wirkt der Film hochwertig und durchdacht. Die Kameraarbeit von James Lemmo ist professionell und setzt Maßstäbe, die heute selbst in Hollywood-Produktionen häufig vermisst werden.
Besonders positiv hervorzuheben ist die schauspielerische Leistung von Zoë Tamerlis Lund, die Thana verkörpert. Da sie kein einziges Wort spricht, muss sie ihre Rolle ausschließlich über Gestik und Mimik transportieren, was ihr für ihr erstes schauspielerisches Engagement bemerkenswert gut gelingt. Die Namensgebung Thana, abgeleitet vom griechischen Gott des Todes Thanatos, lässt den Zuschauer spätestens nach ihrem ersten Mord aufhorchen. Die Entwicklung vom unschuldigen Opfer zur eiskalten Killerin verläuft jedoch sehr sprunghaft und schnell. Viele Fragen, etwa warum sie in bestimmten Momenten handelt oder wie sie ihre Opfer auswählt, bleiben über die gesamte Laufzeit von 80 Minuten unbeantwortet.
Die übrigen Darsteller bleiben blass, was auch dem starken Fokus auf die Hauptfigur geschuldet ist. Sie dienen hauptsächlich dazu, die Handlung in eine bestimmte Richtung zu lenken, handeln jedoch in vielen Momenten wenig nachvollziehbar.
Fazit
Trotz handlungsbedingter Schwächen bleibt Die Frau mit der 45er Magnum ein Film, der mit seinem Budget von lediglich 72.000 Dollar handwerklich souverän überzeugt, insbesondere durch die Glanzleistung von Zoë Tamerlis Lund als Thana. Liebhaber von Rachefilmen, die rohe Brutalität einer stringenten Handlung vorziehen, sollten diesem Werk Beachtung schenken. Für alle anderen mag der Film zwar kurzzeitig unterhalten, dürfte jedoch schnell wieder aus den Gedanken verschwinden.


