
Bewertung: 2.5 / 5
Für Leute, die schon immer einen Affen als Haustier halten wollten, gibt es jetzt einen neuen Horrorfilm: Primate zeigt auf, warum das auch abseits vom Tierschutz keine gute Idee sein könnte. Aus filmkritischer Perspektive stellt sich jedoch eher die Frage, ob ein bisschen Tollwut und ein paar blutige Kills ausreichen, um den neuen Film von Johannes Roberts (47 Meters Down, Resident Evil - Welcome to Raccoon City) sehenswert zu machen.
Primate Kritik
Direkt zu Beginn des Films sehen wir, wie ein Schimpanse einen Tierarzt tötet. Dann folgt ein Zeitsprung 36 Stunden in die Vergangenheit: Lucy kehrt nach nach ihrem ersten Studienjahr am College zur ihrer Familie, die in Hawaii lebt, zurück. Sie reist gemeinsam mit ihren Freunden Kate und Nick, muss allerdings feststellen, dass Kate eine weitere Freundin eingeladen hat. Lucy kann Hannah, den ungebetenen Gast, vom ersten Moment nicht leiden. Bei ihr zuhause trifft Lucy auf ihren tauben Vater Adam sowie ihre Schwester Erin. Ebenfalls Teil der Familie ist der Schimpanse Ben, der noch für viel Ärger sorgen wird.
Denn während Adam außer Haus ist, sorgt Bens Tollwut für Blutvergießen. Die jungen Erwachsenen hatten eigentlich vor, gelassen zu feiern. Doch nachdem der Tierarzt getötet wird, werden Nick und Hannah ebenfalls angegriffen und so flüchten alle ins Wasser, wo ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, bis Lucys gebissene Schwester Erin ebenfalls krank wird.
Primate versucht sich gar nicht erst an komplizierten Erklärungen, warum der Affe das tut, was er tut. Mit der Tollwut ist eine ebenso einfache wie logische Antwort gefunden, die den Film nicht unnötig unglaubwürdig macht. Immerhin ist die Auflösung der Geschehnisse der Punkt, an dem die meisten Horrorfilme scheitern. Auch davon abgesehen, gibt es keine tieferen Bedeutungen, etwa in Bezug auf Tierschutz. Das kann man zwar kritisieren, schlimmer aber wäre es, wenn eine tiefere Ebene künstlich erzeugt würde und eigentlich gar nicht vorhanden ist.
Es handelt sich also um leicht verdauliches Popcornkino. Naja fast, denn statt komplexer Handlungsstränge sehen wir lange, blutige und ziemlich explizite Tode. An drei oder vier Stellen im Film gibt es Szenen, die nicht leicht anzuschauen sind. Allerdings ist das auch nahezu der einzige Horror. Es gibt zwar beispielsweise Momente, in denen Figuren sich vor Ben verstecken, die sind allerdings so vorhersehbar, dass sie kaum jemanden erschrecken dürften. Sonst wird viel geschrien, gejammert und verstörend geschaut - wirklich frisch fühlt sich das nicht an.
Dabei gäbe es interessante Ansätze. Etwa, als die jungen Erwachsenen im Pool sind. Das Spielen mit der räumlichen Enge ist zeitweise interessant. Der Affe klettert und springt an Stellen, um seine Beute trotzdem zu fassen. Denn der tollwütige Affe hat natürlich Angst vor Wasser. Auch der Versuch, das auf dem Boden vor dem Pool liegende Handy zu schnappen, um Hilfe zu kontaktieren, eröffnet Möglichkeiten. Daraus macht Johannes Roberts aber nicht genug.
Stattdessen spielt immer wieder Musik, die spannend und gruselig wirken soll, während schicke Bilder uns die aussichtslose Lage zeigen. Das ist zwar ganz schick anzusehen, der Handlung hilft das aber nicht. Auch die Darsteller stechen nicht besonders hervor. Johnny Sequoyah, die Lucy spielt, hinterlässt am ehesten einen bleibenden Eindruck, bekommt, wie der Rest des Casts, aber einfach zu wenig zu tun.
Aus vielen Möglichkeiten, den Charakteren Tiefe zu geben, wird nämlich nichts gemacht. Die Taubheit des Vaters und wie er trotzdem mit dem tollwütigen Ben zurecht kommt, wäre spannend, wenn Adam nicht den ganzen Film über außer Haus wäre. Der Konflikt zwischen Lucy und Hannah spielt überhaupt keine sichtbare Rolle, ebenso wie die Tatsache, dass beide Nick gut finden. Die angeblich beste Freundin Kate bleibt vollkommen blass, ähnlich ist bei Erin. Die ist zwar kurz böse auf ihre Schwester, da sie Erin alleine gelassen hat, aber selbst solche simplen Konflikte werden noch vor Beginn der Tollwut vergessen.
Fazit
Mit 90 Minuten Laufzeit ist Primate ein zeitweise unterhaltsamer Film. Mehr als drei, vier gute Kills und kurze Spannungsmomente, aus denen nicht viel gemacht wird, solltet ihr aber nicht erwarten. Die Charaktere haben keine Persönlichkeit und irgendetwas ansatzweise Komplexes sucht man vergebens. Für Fans von expliziten Szenen und Tierhorrorfilmen ist der Film sicherlich ein kurzweiliges Vergnügen. Wer das aber ohnehin eher unspannend findet, kann Primate aber auch getrost ignorieren. Ein eigenes Urteil könnt ihr ab dem 29. Januar fällen. Denn dann startet FFB in den deutschen Kinos.


