
Bewertung: 3.5 / 5
Mit Mortal Kombat 2 bekommen Fans der Videospielreihe die bisher wohl mit Abstand beste Verfilmung des Stoffes. Keine langen Reden, keine überdramatisierte Handlung, sondern blutige Action und Fatalities im Kombat. Die Wahl von Karl Urban mag sicher auch in Zukunft noch weiter für Diskussionen sorgen, der Film und seine Figuren schaffen es aber einen Spaßfaktor zu erzeugen, wie wir es lange nicht in einem Actionfilm gesehen haben und trotz einiger Schwächen hoffen wir sehr, dass dieser Film den Weg für einen dritten Teil ebnet. Richtig tolles Popcornkino!
Mortal Kombat Kritik
Die Story setzt nach den Ereignissen des ersten Films an. Earthrealm steht kurz vor dem eigentlichen Mortal-Kombat-Turnier, Shao Kahn sammelt seine Streitkräfte und diesmal geht es tatsächlich um etwas. Würden die Streiter der Erde im Kombat unterliegen, würde die Welt, so wie wir sie kennen, aufhören zu existieren. Der offene Wettbewerb hat somit begonnen. Also versammeln Liu Kang, Sonya Blade, Jax und Scorpion erneut und treffen auf neue Feinde wie Kitana, Jade und Baraka! Doch zum Glück haben sie noch ein Ass im Ärmel, denn der ins Alter gekommene Actionstar Johnny Cage könnte das Zünglein an der Waage des Kombat sein.
Trailer zu Mortal Kombat 2
Mit dem ersten Mortal Kombat von 2021 gelang Warner Bros. etwas Überraschendes: Der Film war zwar erzählerisch alles andere als ein Meisterwerk, traf aber erstaunlich gut den blutigen Kern der Spiele. Fatalities, Knochenbrüche, Fanservice und herrlich übertriebene Prügeleien, genau dafür wollten die Fans schließlich Tickets kaufen. Jetzt folgt mit Mortal Kombat 2 die Fortsetzung, die vieles größer, lauter und brutaler machen will. Und ja: Genau das bekommt man auch. Vor allem bekommen wir endlich Johnny Cage (Karl Urban). Und allein deshalb dürfte der Film für viele Fans schon interessanter sein als sein Vorgänger. Und genau hier liegt die größte Stärke des Films.
Denn sobald Karl Urban als abgehalfterter Actionstar Johnny Cage auftaucht, bekommt der Film endlich Persönlichkeit. Diese Version der Figur ist älter, kaputter und weniger geschniegelt als aus den Spielen. War der spielerische Cage zu Beginn vor allem eine JCVD-Variante, funktioniert dieser "ältere" Cage überraschend gut als neue Interpretation. Urban spielt Cage nicht als arroganten Schönling, sondern eher als ausgebrannten B-Movie-Star mit zu großem Ego und permanentem Spruch auf den Lippen. Das hat stellenweise fast etwas von einem abgewrackten 90er-Actionhelden, der versehentlich in einen Fantasykrieg geraten ist. Und genau deshalb funktioniert es. Gleichzeitig findet ein Wechsel in der Hauptrolle statt, weg von dem neu erfundenen Cole Young aus dem Vorgänger, den keiner wirklich mochte, hin zu den bekannten Helden
Überhaupt merkt man dem Film an, dass Regisseur Simon McQuoid diesmal deutlich mehr verstanden hat, was die Fans eigentlich sehen wollen. Das Turnier bekommt Gewicht, die Kämpfe wirken abwechslungsreicher und vor allem endlich ikonischer. Da werden Fatalities nicht nur eingebaut, sondern regelrecht zelebriert. Knochen splittern, Köpfe rollen und die Kamera hält gnadenlos drauf. Genau so muss ein Mortal Kombat-Film aussehen. Besonders die Kämpfe mit Baraka und Shao Kahn liefern genau diese herrlich überzogene Videospiel-Energie, die viele moderne Blockbuster verloren haben. Hier ist nichts geerdet oder realistisch. Hier explodieren Leute durch Arenawände und werfen sich gegenseitig durch Tempelruinen, während Blutfontänen durchs Bild schießen. Der Film weiß glücklicherweise jederzeit, was er sein will: ein kompromissloses FSK-18-Fest.
Dazu kommt, dass die Fortsetzung optisch deutlich stärker wirkt als Teil eins. Die Outworld sieht endlich nach einer echten Fantasy-Hölle aus und nicht mehr nur wie ein etwas teureres Set mit Nebelmaschine. Gerade die Designs von Kitana, Jade und Shao Kahn treffen angenehm die Balance zwischen Game-Look und Live-Action-Anpassung. Aber natürlich bleibt Mortal Kombat 2 auch weiterhin ein Film mit sehr begrenztem Interesse an echter Tiefe. Dies hat aber bereits dem Vorgänger keinen Abbruch getan. Die Handlung dient oft nur als dünne Verbindung zwischen den nächsten Prügeleien. Manche Figuren verschwinden minutenlang komplett aus dem Film, andere werden eingeführt, nur um kurz darauf wieder spektakulär zerlegt zu werden. Gerade wer hier ein ausgefeiltes Fantasy-Epos erwartet, dürfte relativ schnell die Augen verdrehen. Teilweise springt der Film beinahe hektisch von Arena zu Arena, von Cameo zu Cameo und von Fatality zu Fatality. Und trotzdem funktioniert das Ganze erstaunlich oft.
Weil der Film seinen kompletten Wahnsinn mit einer solchen Überzeugung verkauft, dass man irgendwann einfach mitgeht. Genau darin erinnert Mortal Kombat 2 stellenweise an die besseren Momente der alten Spiele: maximal albern, maximal brutal und dabei vollkommen schmerzfrei im Umgang mit Logik, aber die Spannung ist dennoch immer da. Interessant ist außerdem, dass der Film mutiger mit seinen Figuren umgeht als erwartet. Einige Entscheidungen dürften Fans durchaus überraschen. Gerade im letzten Drittel geht der Film deutlich kompromissloser vor als man es von modernen Franchise-Produktionen gewohnt ist.
Natürlich wird es trotzdem Diskussionen geben. Vor allem die Besetzung von Johnny Cage bleibt Geschmackssache. Während viele Fans Karl Urban inzwischen feiern, halten andere ihn weiterhin für zu alt oder zu wenig "cagig" für die Rolle. Aber ehrlich gesagt: Gerade dieses leicht müde, kaputte Element macht seine Version interessant. Wir waren auch erst skeptisch, so sehr wir Urban mögen, denken aber inzwischen, ein perfekter Schönling wäre vermutlich deutlich langweiliger geworden.
Am Ende ist Mortal Kombat 2 wohl der Film geworden, den viele nach dem ersten Teil eigentlich erwartet hatten. Größer, brutaler, mit mehr Fanservice und deutlich näher an der eigentlichen DNA der Spiele. Dass es so weit kam, ist aber dennoch dem ersten Teil zu verdanken, der trotz seiner Schwächen vieles richtig gemacht hatte. Mortal Kombat 2 ist kein intelligenter Actionfilm und meilenweit von wirklicher erzählerischer Klasse entfernt. Aber wenn jemand sehen will, wie Johnny Cage dumme Sprüche klopft, während Menschen in zwei Hälften gerissen werden, dann liefert dieser Film exakt das.


