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Sentimental Value

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Seinen Platz im Leben finden

Sentimental Value Kritik

Sentimental Value Kritik
3 Kommentare - 06.04.2026 von TiiN
In dieser Userkritik verrät euch TiiN, wie gut "Sentimental Value" ist.
Sentimental Value

Bewertung: 4 / 5

Sentimental Value ist ein Sozialdrama des norwegischen Filmemachers Joachim Trier. Nach seiner Kinoauswertung Anfang Dezember ist der Film nun endlich auch für das Heimkino verfügbar. Diese Kritik ist spoilerfrei.

Gustav Borg ist ein gefeierter Regisseur, doch seine großen Zeiten liegen lange zurück. Inzwischen ist der Mann 70 Jahre alt und beginnt, auf sein Leben zurückzublicken. Das Verhältnis zu seinen beiden Töchtern war immer schwierig, insbesondere nachdem sich seine Frau im eigenen Haus das Leben genommen hat. Gustav lebte immer für die Arbeit; sie stand im Mittelpunkt. So möchte er in seinem Spätherbst einen letzten Film drehen und bittet dabei seine Tochter Nora, mitzuwirken.

Joachim Trier hat sich mit Der schlimmste Mensch der Welt vor einigen Jahren international einen Namen gemacht. Aber auch zuvor überzeugte der Skandinavier das Publikum mit Filmen wie Oslo, 31. August oder Thelma. Mit Sentimental Value knüpft er gewissermaßen an Der schlimmste Mensch der Welt an. Wirkte die kurze Inhaltsangabe zunächst so, als würde die Figur des Gustav Borg im Fokus stehen, sind es vielmehr seine beiden Töchter Nora und Agnes, die die Geschichte prägen.

Während die jüngere Agnes eine kleine Familie gegründet hat und im Leben angekommen zu sein scheint, ist Nora eine sehr erfolgreiche Theaterschauspielerin, die jedoch unter ausgeprägtem Lampenfieber leidet. Die alleinstehende Frau führt eine Affäre mit einem Kollegen. Sie fragt sich, wo ihr Platz im Leben ist.

Sentimental Value greift ähnliche Themen wie Der schlimmste Mensch der Welt auf. Während sich im vorherigen Film die Hauptfigur durch das Leben kämpft, sehen wir hier zerrüttete Familienverhältnisse kombiniert mit unklaren Perspektiven. Bei beiden Filmen geht es um die Fragen, was man im Leben sein möchte und welche Menschen man an seiner Seite hat.

Joachim Triers neues Werk verwendet einen Kniff, an dem sich Here vor zwei Jahren bereits versucht hat: Was wäre, wenn ein Haus die Geschichte mehrerer Generationen erzählen könnte? Was in Here teilweise dahinplätscherte, zeigt Trier unaufgeregt und elegant mit wenigen Einstellungen. Der Film verliert sich jedoch nicht in dieser Thematik. Sie wird sogar für einen kurzen Gag genutzt.

Das Haus bleibt, auch wenn es fast immer präsent ist, eine Nebenrolle. Im Fokus stehen Gustav und seine beiden Töchter, dargestellt von Stellan Skarsgård, Renate Reinsve (Nora) und Inga Ibsdotter Lilleaas (Agnes). Wie entfremdet Gustav von seiner Familie ist, zeigt sich unter anderem daran, dass er seinem Enkel zum neunten Geburtstag einige Filme auf DVD schenkt – darunter Irreversibel und Die Klavierspielerin. Starke Werke des europäischen Kinos, aber definitiv nichts für einen Neunjährigen. Abgesehen davon, dass die Familie keinen DVD Spieler mehr hat.

Das ist nicht das einzige Mal, dass Joachim Trier seine Geschichte mit unserer realen Welt verknüpft. So wird etwa Gustavs geplanter Film von Netflix produziert. Auf einer Pressekonferenz werden aktuelle Themen angesprochen, etwa ob der Film auch ins Kino kommt oder ausschließlich im Streaming verfügbar sein wird. Das ist elegant geschrieben und zeigt wunderbar, wie Sentimental Value (selbst ein Kinofilm und keine Streamingproduktion) weiß, in welcher Zeit er sich befindet.

Stellan Skarsgård verkörpert den alten Filmemacher, Vater und Großvater großartig. Sein Ausdruck und seine Präsenz sind in jeder Szene greifbar. Renate Reinsve steht dem in nichts nach; sie knüpft an ihr großartiges Spiel aus Der schlimmste Mensch der Welt an. Weiterhin ist die US-Schauspielerin Elle Fanning (Predator - Badlands) im Cast zu finden. Ihre Rolle ist überschaubar, dient jedoch nicht bloß als Marketinginstrument, sondern ergibt im Kontext des Films durchaus Sinn.

Das Drehbuch schrieb Joachim Trier erneut gemeinsam mit Eskil Vogt (The Innocents), ein mehr als erfolgreiches Gespann seiner bisherigen Arbeiten.

Bei dem diesjährigen Europäischen Filmpreis erhielt Sentimental Value fünf Auszeichnungen und räumte damit fast alle Hauptkategorien ab. Einen Oscar gab es für den besten internationalen Film sowie einen Golden Globe für Stellan Skarsgård als bester Nebendarsteller. Darüber hinaus erhielt der Film den großen Jurypreis auf den Filmfestspielen von Cannes.

Thematisch greift Sentimental Value einige Schwerpunkte aus Joachim Triers vorherigem Werk erneut auf, schafft es jedoch, diese in einem anderen Kontext auf neue Weise zu vermitteln. Entstanden ist eine intensive, aber ruhig erzählte Familiengeschichte, mit der sich viele zumindest teilweise identifizieren können. Dabei findet der Film starke Anknüpfungspunkte an seine Gegenwart. Zudem überzeugen Stellan Skarsgård und Renate Reinsve auf ganzer Linie. Schlussendlich haben wir hier einen der besten Filme des Jahres 2025.

Sentimental Value Bewertung
Bewertung des Films
810

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3 Kommentare
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TiiN : : Goldkerlchen 2021
11.04.2026 20:29 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 10.494 | Reviews: 185 | Hüte: 715

@luhp92

Ging mir ähnlich, schon bei "Der schlimmste Mensch der Welt". Ist vermutlich einfach das Alter ^^

Dass solche Filme bei den Oscars selten abräumen ist aber irgendwie schon verständlich. Auch wenn die Oscars global angesehen werden ist es doch immer noch ein amerikanischer Filmpreis. Da sind Nominierungen für europäische Schauspieler in europäischen Produktionen schon viel wert.


MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
11.04.2026 18:33 Uhr | Editiert am 11.04.2026 - 18:34 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 19.042 | Reviews: 188 | Hüte: 694

@TiiN

Gestern gesehen. Joachim Triers Filme vor "Der schlimmste Mensch der Welt" und "Sentimental Value" habe ich alle noch nicht gesehen, die beiden Werke würde ich beide aber schon als (gleich) stark betrachten.

"Sentimental Value" bewegt sich bei mir zwischen der Top 6 und Top 15 des Jahres.

Sein behutsames Drama über die zerrüttete und dysfunktionale Familie, Einsamkeit und Depression hat mich hier sehr mitgenommen und habe mich in der älteren Tochter auch selbst etwas wiedergefunden. Abseits davon handelt es sich um fantastisches Schauspielerkino.

Sehr schade, dass für die Schauspieler nichts bei den Oscars abgesprungen ist und beim Casting keine Nominierung drin war.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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TiiN : : Goldkerlchen 2021
06.04.2026 09:29 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 10.494 | Reviews: 185 | Hüte: 715

Nachdem es mich leider nicht ins Kino gezogen hatte und der Film gefühlt relativ schnell aus den Lichtspielhäusern verschwunden ist, konnte ich ihn nun endlich nachholen.

Der wird in meiner 2025-Topliste sicherlich sehr weit oben zu finden sein.

Ob es Joachim Triers stärkster ist? Weiß ich nicht, ist aber für meinen Geschmack jedenfalls diskutabel.


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