
Bewertung: 4 / 5
Curry Barkers Horrorfilm Obsession - Du sollst mich lieben sorgt in den USA bereits seit einigen Wochen für Furore, konnte er doch das ausgesprochen seltene Kunststück vollbringen, sein Box Office-Einspiel sowohl am zweiten als auch am dritten Wochenende zu steigern. Ob diese historisch gute Mundpropaganda berechtigt ist, erfahrt ihr in unserer Kritik.
Obsession - Du sollst mich lieben Kritik
Da seine Flamme Nikki (Inde Navarrette) ihn nur als guten Freund ansieht, nutzt der hoffnungslose Romantiker Bear (Michael Johnston) ein „One-Wish-Willow”, um sie für sich zu gewinnen. Dieser magische Gegenstand erfüllt Wünsche, wenn man ihn zerbricht. Zunächst scheint Bear genau das zu bekommen, was er schon immer wollte. Doch schnell muss er feststellen, dass manche Wünsche einen finsteren, unheimlichen Tribut fordern.
Trailer zu Obsession - Du sollst mich lieben
Den Weg von ersten Schritten im Comedy-Bereich zum Horror-Regisseur haben in den letzten Jahren schon Leute wie Jordan Peele (Get Out) oder Zach Cregger (Weapons) erfolgreich gemeistert. Curry Barker, der sich als Hälfte des Comedy-Duos "That’s A Bad Idea" seit einigen Jahren eine Fangemeinde auf YouTube aufgebaut hat, tritt nun mit seinem Kino-Debüt in ihre Fußstapfen. Dabei vergisst er seine Wurzeln keineswegs, denn Obsession - Du sollst mich lieben ist überraschend lustig geraten.
Die tonale Meisterschaft, die der erst 26jährige, der hier als Regisseur, Autor und Cutter in Personalunion auftritt, bei den Übergängen von komischen Szenen zu Horrormomenten zeigt, ist beachtlich und weckt Erinnerungen an Sam Raimis Klassiker Tanz der Teufel 2. So macht gerade diese emotionale Achterbahnfahrt, der man als Zuschauer ausgesetzt wird, einen großen Reiz aus.
Am ehesten bemerkt man die geringe Erfahrung noch bei den klassischen Schockmomenten, bei denen sich Barker größtenteils auf die altbekannten Genre-Tricks wie lauten Musikeinsatz verlässt, wobei man diesen immerhin nicht die Effektivität absprechen kann. Deutlich interessanter sind da die inszenatorischen Ideen, die dem Werk eine sozialkritische Komponente verleihen. Die Entscheidung, Nikkis Gesicht häufig im Schatten oder verdeckt zu zeigen, verstärkt natürlich zum einen die atmosphärische Wirkung, doch scheint sie ebenso deutlich die Objektifizierung und Dehumanisierung von Frauen zu versinnbildlichen.
Die im Kern recht simple Geschichte erweist sich daher am Ende auch als vielschichtiger als vermutet, da der Zuschauer damit konfrontiert wird, die Rollenverteilung von Täter und Opfer zu hinterfragen. Das Verhandeln von Geschlechterdynamiken geschieht dabei zum Glück nicht so plump wie bei manch anderem Genre-Vertreter der letzten Jahre, sondern subtil genug, dass der Film in dieser Hinsicht fast als Rorschachtest angelegt sein könnte.
Ein Lob verdient Obsession - Du sollst mich lieben zudem dafür, dass man ihm die Tatsache, dass es sich um eine unabhängig finanzierte Low-Budget-Produktion handelt, nicht ansieht, denn sämtliche technische Aspekte sind auf einem ansprechenden Niveau. Auch die Darsteller machen ihren Job durchweg gut, wobei man Inde Navarrette herausstellen muss, die den größten Raum zu Glänzen erhält und diese Gelegenheit auch für eine herausragende Tour-de-Force-Performance nutzt.
Fazit
Obsession - Du sollst mich lieben überzeugt als bemerkenswertes Kinodebüt von Curry Barker, der Horror und Comedy mit erstaunlicher Sicherheit miteinander verbindet. Zwar greift der Film bei seinen Schockmomenten gelegentlich auf bekannte Genre-Muster zurück, doch werden diese Schwächen durch kreative Inszenierung, starke technische Umsetzung und eine vielschichtigere Handlung als zunächst erwartet ausgeglichen. Besonders die subtile Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und die exzellente Leistung von Inde Navarrette verleihen dem Werk zusätzliche Tiefe. So ist Obsession – Du sollst mich lieben ein atmosphärischer, intelligenter und unterhaltsamer Horrorfilm, der das Potenzial seines jungen Regisseurs eindrucksvoll unter Beweis stellt.


