
Bewertung: 3.5 / 5
„ - Bringt er Vergeltung?“ - „Er bringt alles!“
Christopher Nolan bringt vielleicht nicht alles, aber er bringt vieles. Seine Odyssee ist episches Kino in Reinform. Alles ist GROSS. Die Schauplätze, die Ausstattung, die Laufzeit, sogar die Kamera. Gedreht auf 70-mm-Film im IMAX-Format reicht dieses größte aller Filmaufzeichnungs- und Projektionsverfahren geradeso für dieses größte aller großen Epen der Literaturgeschichte.
Trailer zu Die Odyssee
Dabei bleibt Nolan seinem typischen Erzählstil treu. Die Odyssee ist kein linear aufgebauter Abenteuerfilm nach Schema F, sondern ein wie von Penelope gewebtes Konstrukt aus Rückblenden, Gegenwartsszenarien und eingestreuten Traumabewältigungen, mit viel Spielraum für Interpretationen. Am Ende deutet sich der Niedergang des vierten Zeitalters der Heroen- und Halbgötter an, wobei der Untergang Trojas als Sinnbild zu verstehen ist.
Der Film ist dabei nicht nur GROSS, sondern auch ECHT. Typisch Nolan wurde so viel wie nur möglich „in Kamera“ gedreht. Echte Sets, echte Kostüme, echte Schiffe und echte Monster. Na ja, fast zumindest. Bei der Gestaltung der fantastischen Elemente der Story bediente sich Nolan und sein Team an alte Tricks der Filmgeschichte, gepaart mit mechanischen Elementen und einem möglichst begrenzten Einsatz von CGI, um die Kreaturen und Zaubereien dieser uralten Gesänge möglichst überzeugend ins Bild zu setzen.
Es gibt aber auch negative Aspekte an dem Werk, wodurch er für mich den Berg als Status Meisterwerk nicht vollends erklimmt.
Der Cast spielt zwar in größten Teilen hervorragend, aber warum jede noch so kleine Rolle mit einem A-Lister der Hollywood-Garde besetzt werden muss, erschließt sich mir nicht. Für so manche Rolle würde es sicher passendere Schauspieler geben, die zwar nicht weltbekannt sind, aber gerade deswegen nicht von der verkörperten Rolle, zwecks Bekanntheitsgrads, ablenken würden.
Zudem sitzt das Tempo an manchen Stellen des Films nicht perfekt. Szenen die man ruhig straffen hätte können, um "den Flow" aufrecht zu halten, verweilen zum Teil unnötig lange an einem Setting und andere Pieces, wie so manch wichtige Station der Irrfahrt werden regelrecht hastig abgefrühstückt.
Alles in allem aber ein Streifen für den das Kino gemacht wurde. Für Kinofans also ein Muss. Echte Action und echtes Handwerk erzeugen eine Wucht auf der Leinwand, die man heutzutage mit all den CGI- Trashfilmen von der Stange kaum noch erlebt. Somit bleibt Nolan einer der letzten echten Götter des Filmolymps.


