
Bewertung: 4 / 5
20 Jahre ist es her, als der Teufel das letzte Mal Prada trug. Jetzt kehren wir mit Meryl Streep als Miranda Priestly und Anne Hathaway als Andy Sachs in eine veränderte Modewelt zurück, in der klassische Printmagazine längst nicht mehr den Einfluss haben, alleine Trends zu setzen. Mit Der Teufel trägt Prada 2 bleibt Regisseur David Frankel der Linie des Vorgängers treu und präsentiert eine bissige Komödie, die die aktuellen Probleme und Umwelzungen in den Welten des Journalismus und der Mode thematisiert. Leider geraten die ikonischen Outfits dabei in den Hintergrund, doch schafft es die Fortsetzung auch nur so, mehr als eine bloße Nacherzählung des ersten Teils zu sein.
Der Teufel trägt Prada 2 Kritik
Nach ihrer Zeit beim Modemagazin Runway, ein Job, für den Millionen Frauen sterben würden, arbeitet Andy Sachs als normale Journalistin. Während einer Preisverleihung, bei der sie gewinnt, werden sie und ihre Kollegen per Textnachricht gefeuert. Sie entschließt sich zu einer Brandrede, die sich verbreitet. Das Hauptthema in den sozialen Medien scheint derweil aber Miranda Priestly zu sein. Unter ihrer Leitung ist Runway einem fadenscheinigen Modeunternehmen auf den Leim gegangen. Die gesamte Integrität und Glaubwürdigkeit des Magazins steht auf dem Spiel - ausgerechnet dann, als Miranda befördert werden soll.
Trailer zu Der Teufel trägt Prada 2
In dieser Ausgangslage kehrt Andy als Feauture-Redakterin zu Runway zurück und soll dem Magazin zu altem Glanz verhelfen - in einer Welt, in der Printmedien aussterben und vom Internet und den sozialen Medien verdrängt werden. Nigel (Stanley Tucci) hilft Andy, wie schon in Der Teufel trägt Prada, bei der Eingewöhnung, während Emily Charlton (Emily Blunt) als Leiterin eines Dior-Stores zurückkehrt. Wird Runway überleben?
Eine Verneigung vor seriösem Journalismus
Den Vorwurf, Der Teufel trägt Prada 2 habe nichts zu erzählen, müssen sich Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna und Regisseur David Frankel nicht gefallen lassen. Im Gegenteil. Bisweilen wirkt es so, als wolle der Film zu viel über unberechenbare Milliardäre, Tradtionen, seriösen Journalismus, Kostenoptimierungen und der Medienwelt im Allgemeinen sagen. Das geht so weit, dass die Mode ehrlich gesagt keine große Rolle mehr spielt. Klar, Runway ist ein Modemagazin und es gibt etliche Szenen, in den Frauen schick gekleidet herumlaufen. Doch passiert das nur nebenebei.
So ist auch die Kritik, die Fortsetzung erzähle den gleichen Film nochmal, nicht vollends nachvollziehbar. Es stimmt, dass die Struktur im Grunde dieselbe ist, wie beim ersten Der Teufel trägt Prada. Die beiden Filme beginnen auch gleich (nur hat Andy mittlerweile eine elektrische Zahnbürste). Erst gibt es ein Problem, das wird gelöst, dann gibt es das größere Problem, zwischendurch lockern immer wieder mit Musik unterlegte Zusammenschnitte die Handlung auf und am Ende kommt das große Happy End. So lässt sich aber eben auch jede andere Komödie zusammenfassen, was normalerweise kein Kritikpunkt ist.
Denn es kommt darauf an, was in dieser Grundstruktur eine Rolle spielt. Der Teufel trägt Prada 2 ist wie Andys Brandrede eine Verneigung vorm klassischen Journalismus, der abseits jeder Optimierungszwänge gute und lesenswerte Geschichten erschaffen möchte. Allerdings ist das nicht mehr so profitabel wie früher. Andy nimmt als neue Feature-Redakteurin Stellung zu den Geschehnissen rund um das fadenscheinige Modeunternehmen. Sie erhält Lob, die Kulturjournalisten feiern es. Und doch bringt Miranda es mit einer Frage auf den Punkt: "Wer hat den Artikel eigentlich gelesen?"
Gute Ideen und unnötige Nebenhandlungen
Andy erkennt das Problem und arbeitet daran. Der Film löst das Problem später etwas naiv, doch ist das ständige Optimieren auch die Realität in den Redaktionen. Ein Artikel kann noch so gut sein, doch ohne Leser, die ihn lesen, ist er nichts wert. Dazu gesellt sich in Der Teufel trägt Prada 2 ein neuer Chef, der - anders als sein Vorgänger - nicht mehr bereit ist, so viel Geld in Runway zu stecken. Die Folgen der Einsparungen werden humorvoll erzählt, auch wenn es in der wirklichen Welt meistens weniger zu lachen gibt. Am Ende hat ein Milliardär Interesse an der Runway, doch ist er unberechenbar und eine klare Anspielung an Gerüchte, Jeff Bezos wolle die Vogue kaufen.
Etwas schade ist es, dass diese Themen nicht noch tiefer behandelt werden und so zum Teil nur an der Oberfläche kratzen. In den 113 Minuten Laufzeit hätte man so etwa die neue Liebesgeschichte mit Andy und einem austauschbaren Architekten (Kenneth Brennagh) ersetzen können. Allgemein sind die neuen Charaktere alle eher blass, sie bekommen jedoch auch nicht viel zu tun. Als Gegenspieler machen sich B. J. Novak und Justin Theroux aber ganz gut, sie wirken jedenfalls nicht sympathisch und das ist in dem Fall ein gutes Zeichen.
In Erinnerung bleibt auch Simone Ashley, die als Mirandas neue erste Assistentin ähnlich kalt und durchgeplant wie ihre Chefin wirkt. Die etlichen Gastauftritte machen ebenso viel Spaß, ob nun eine mit Miranda zerstrittene Lady Gaga oder eine beim Essen gestörte Donnatella Versace.
Meryl Streep und Emily Blunt glänzen in ihren Rollen
Die eigentlichen Stars bleiben jedoch die Darsteller des Originalquartetts aus dem ersten Teil. Meryl Streep hat keinen Funken an ihrer Arroganz, ihrem Stil oder ihrer Genialität verloren. Stattdessen gewinnt sie sogar noch etwas Verletzlichkkeit hinzu und hinterfragt ihre bisherigen Taten. Ein ganz großer Moment wird leider schon im Trailer genommen, als sie alleine in der menschenleeren Via dei Condotti steht. Die emotionalste Szene spielt aber zwischen ihr und Stanley Tucci, dessen Nigel im ersten Teil immer hinter ihr stand und wenig zurückbekam.
Anne Hathaway darf sich ebenfalls über späte Charakterentwicklung freuen, nachdem sie zuerst nur die selben Fehler wie im ersten Teil macht. Nichtsdestotrotz tut sie beides gut, der unglaubwürdigen Liebesgeschichte fügt sie aber nichts Wichtiges hinzu. Dafür tut sie sich mit Emily Blunt als Emily Charlton zusammen, die in ihrer herzlosen und abgedrehten Rolle nochmal voll aufgeht.
In allen Szenen wird, wie es für Legacy Sequels üblich ist, viel mit Nostalgie gespielt. Ob nun Mirandas ikonisches "Das war’s" oder die erneute Verwendung von Andys blauem Strickpullover, in Der Teufel trägt Prada 2 bekommen Fans schöne Momente. Zum Glück lauern aber nicht an jeder Ecke irgendwelche Anspielungen, die irgendwann lächerlich werden.
Lady Gaga hilft auch der Musik
In Der Teufel trägt Prada 2 dreht sich viel um Journalismus an sich, die Mode und der Humor wird aber nicht ganz aus den Augen verloren. Es mag weniger ikonische Outfits geben und Farben und Stoffe werden nicht mehr tiefgehend analysiert, dennoch werden uns etliche Laufsteg-Zusammenschnitte präsentiert. Teilweise greift Kameramann Florian Ballhaus dafür auf schöne Kamerafahrten zurück. In anderen Szenen, etwa als Miranda und Andy zum Ende des Films aus einem Auto steigen, helfen seine Einstellungen mehr Gewicht zu verleihen. Lediglich der Schnitt ist manchmal etwas zu chaotisch und schnell, wenngleich das zur schnellen Modewelt passen mag.
Gefallen hat uns außerdem die Musik, die wird in den richigen Momenten genutzt und das Thema aus dem ersten Teil findet in Abwandlungen ebenfalls Verwendung. Passend zu Lady Gagas Auftritt erhalten wir auch einen gemeinsamen Song mit Doechii, der perfekt zum Film passt.
Fazit
Der Teufel trägt Prada 2 ist nicht bloß ein lebloses Legacy-Sequel, das nichts zu erzählen hat und sich voll auf den Nostalgiefaktor verlässt. Die Fortsetzung zum ikonischen Der Teufel trägt Prada erzählt eine neue Geschichte über den modernen Journalismus und seine Probleme. Dafür ist Runway die Kulisse und die Figuren eignen sich, weil wir sie noch aus einer Zeit kennen, als Printmedien richtig groß waren. Doch würde der Film im Grunde auch ohne den Teufel und die Mode funktionieren. Mit viel Witz, Tempo und ein wenig Nostalgie blüht Meryl Streep in ihrer legendären Rolle als Miranda aber nochmal auf und alleine das lohnt sich schon. Eine gute Geschichte, starke Figuren mit Entwicklung und schöne Bilder sind nicht der Standard bei Fortsetzungen, sondern eher die Ausnahme. Wir können den Film daher empfehlen.


