
Bewertung: 4 / 5
Du sitzt da. Du hörst die ersten Takte, eine Melodie. Und sofort erinnerst du dich. Bist drinnen, spürst es. Momente, Kindheit, Jugend, alles rinnt in Sekunden an dir vorbei. Michael vereint nahezu alles, was ein stimmungsvolles Biopic ausmacht auf dem Weg zur Gänsehaut: und das Wichtigste, eine markante Stimme, die die Welt geprägt hat.
Der Film entführt uns nach Indiana, wo ein kleiner Junge (Juliano Valdi; später Jafaar Jackson) Mitte der Sechziger durch den unbedingten Aufstiegswillen seines Vaters (Colman Domingo) mit seinen Brüdern auf Erfolg gedrillt wird. Die Jackson 5 machen Furore und ermöglichen der Welt, die Geburt eines Stars mitzuerleben, der einzigartig war. Der langfristig am enormen Leistungsdruck früher Jahre zugrunde ging, und dessen entscheidende Stationen seines Aufstiegs in Szene gesetzt werden.
Trailer zu Michael
Zuerst einmal, bemerkenswert ist die Besetzung mit Jaafar Jackson. Als Sohn von Jermaine Jackson und Neffe von Michael Jackson bringt er eine besondere Nähe zur dargestellten Figur mit. Seine Performance in Michael wirkt nicht wie eine reine Imitation, sondern wie eine glaubwürdige und respektvolle Verkörperung. Körpersprache, Ausstrahlung und Bühnenpräsenz tragen wesentlich zur Wirkung des Films bei - und die familiäre Nähe ist durchweg spürbar.
Doch wer über Michael Jackson redet, muss auch über seinen Vater Joseph reden, markant und einschüchternd verkörpert von Colman Domingo. Der Drill, den die Jackson-Zöglinge daheim erdulden mussten, ist weltbekannt, und überschreitet weit "normale" Erziehungsmethoden früher Tage, nicht erst aus heutiger Sicht. Daneben erleben wir seine Brüder, die mit Michael Hits wie "ABC" oder "I’ll Be There" hatten und in den Siebzigern zu einem Phänomen wurden. Der unbedingte Wille seines Vaters und die Konzentration auf die Band lässt nachvollziehen, warum es Michael Ende der 1970er so wichtig war, sich freizuschwimmen.
Damit spannt der Film einen Bogen von den frühen Anfängen Michael Jacksons bis in die Ära des Albums "Bad". Es wird sichtbar, wie sich aus einem außergewöhnlichen Talent ein globales Phänomen entwickelte, das unsere Popkultur nachhaltig prägte. Dabei wirkt das Ende in der Bad-Ära nachvollziehbar, aber auch kalkuliert. Einerseits markiert diese Phase den kommerziellen und künstlerischen Höhepunkt von Michael Jackson und ist ein publikumswirksames Finale.
Andererseits vermeidet Michael damit bewusst die deutlich schwierigeren und widersprüchlicheren Kapitel der späteren Jahre, in denen Medienhype, gesundheitliche Veränderungen, Privatleben und Kontroversen untrennbar mit seiner Geschichte verbunden sind. Das Ergebnis ist ein wirkungsvolles Ende, das die Legende erneut in den Olymp hebt, jedoch nicht die gesamte Biografie andeutet.
Auch innerhalb der Familie scheint der Film nicht auf einhellige Zustimmung zu stoßen. Während Sohne Prince Jackson das Projekt offenbar unterstützt und als Executive Producer beteiligt ist, werden Paris Jackson kritischere Töne zugeschrieben. Gleichzeitig fällt auf, dass Janet Jackson im Film nicht präsent ist. Dass mit Jermaine Jacksons Sohn Jaafar Jackson zugleich ein direkter Familienangehöriger die Hauptrolle übernimmt, unterstreicht andererseits, wie eng das Projekt mit Teilen der Familie verbunden ist.
Michael ist ein emotionales und musikalisch eindrucksvolles Biopic, das die außergewöhnliche Karriere von Michael Jackson in Szene setzt. Der Film verbindet persönliche Momente, künstlerische Entwicklung und große Bühnenenergie zu einem Werk, das vor allem Fans aber auch ein breiteres Publikum anspricht. Besonders mitreißend ist die musikalische Ebene des Films. Sobald bekannte Melodien und ikonische Songs erklingen, entsteht jene Energie, die Michael Jacksons Werk bis heute auszeichnet. Der Film erinnert daran, welche emotionale Kraft seine Musik besitzt und warum sein Einfluss generationenübergreifend fortbesteht. Der King of Pop war eine Ausnahmeerscheinung – und sein Vermächtnis wird immer bleiben.


