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Michael

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Wenn das Biopic zur Greatest-Hits-Show wird

Michael Kritik

Michael Kritik
0 Kommentare - 04.05.2026 von John-Dorian
In dieser Userkritik verrät euch John-Dorian, wie gut "Michael" ist.
Michael

Bewertung: 2.5 / 5

Ich habe gestern Abend „Michael“ im Kino gesehen und möchte hier kurz meine Gedanken zum Film schildern. Vorab: Ich war bis in meine späte Jugend wirklich fanatischer Michael-Jackson-Fan, trage aus dieser Zeit sogar ein MJ-Tattoo auf dem Oberarm und habe im Laufe der Jahre vermutlich so ziemlich alles an Material gesehen, was es zu sehen gab. Wie viel davon heute noch wirklich tief hängengeblieben ist, sei dahingestellt, aber ich wollte diesen Hintergrund dennoch erwähnen, weil er natürlich Einfluss darauf hat, wie ich den Film sehe.

Zum Inhalt muss man vermutlich nicht viel sagen: Der Film behandelt die Jahre von der Gründung der Jackson Five bis zur Bad-Ära. Ursprünglich gedrehtes Material sollte wohl noch die Vorwürfe aus dem Jahr 1993 als zentrales Thema behandeln. Meine ursprüngliche Sorge, dass der Film durch die Nachdrehs und Drehbuchänderungen „zerstückelt“ wirken könnte, hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Im Nachhinein könnte sich das sogar positiv ausgewirkt haben, denn der Film rast schon jetzt von Song zu Song, ohne sich groß Zeit zu lassen. Wenn man da noch sechs weitere Jahre hineingepresst hätte, ist kaum vorstellbar, wie das Pacing hätte funktionieren sollen.

Trailer zu Michael

Und genau hier liegt meines Erachtens auch eine der größten Schwächen des Films. Es werden die größten Hits abgeklappert, ohne wirklich in die Tiefe zu gehen. Unterfüttert wird das Ganze mit dem Konflikt mit Joseph Jackson – und das ist dann im Grunde der Film. Ja, dieser Konflikt funktioniert in stark komprimierter Form auf der Leinwand, aber im Prinzip muss man sich nur das einstündige Oprah-Interview anschauen und kommt mit mehr Michael-Jackson-Wissen heraus als nach 127 Minuten Kinobesuch. Wenn der Fokus ausschließlich auf der Musik liegen soll, mag das funktionieren. Mein Anspruch an ein Biopic ist aber ein anderer.

Die Hautkrankheit Vitiligo? Wird einmal kurz erwähnt und gezeigt – und das war’s. Was das mit ihm gemacht hat oder wie sehr ihn das belastet haben könnte? Dafür bleibt keine Zeit. Warum beim Tanzen die weißen Socken, warum die Tapes an den Fingern? Zigmal in Interviews erläutert und durchaus interessant, aber im Film ist es einfach irgendwann da. Genauso wie sein Kleidungsstil mit den uniformähnlichen Outfits. Im Oprah-Interview erwähnte er außerdem, dass er extrem selbstkritisch sei und selten zufrieden mit etwas, weil er so ein starker Perfektionist war. Er erzählte, dass er nach dem Motown-25-Auftritt, bei dem er zu „Billie Jean“ erstmals den Moonwalk präsentierte, backstage geweint habe, weil er so unzufrieden mit sich gewesen sei – bis ihm ein Junge sagte, wie gut er gewesen war. Im Film ist davon allerdings nichts zu sehen und er ist Selbstbewusst wie eh und je. Übrigens: Auch in „This Is It“ sieht man diesen Anspruch sehr deutlich: Bei den Proben ist es ihm sehr wichtig, dass die Fans die Songs so zu hören bekommen, wie sie sie von den Alben kennen. Das ist kein nebensächliches Detail, sondern ein wichtiger Teil seines Selbstverständnisses als Künstler.

Es gäbe noch einige weitere Beispiele, mit denen man ein deutlich tieferes Bild von Michael Jackson hätte zeichnen können, statt nur durch die Erfolge zu hetzen und am Ende teilweise ein verzerrtes Bild stehen zu lassen. Denn erstens war es seine Mutter, die ihn zur Victory Tour überredete, und zweitens führten die Verbrennungen beim Dreh des Pepsi-Werbespots dazu, dass Michael medikamentenabhängig wurde. Das begleitete ihn bis zu seinem Tod, und ich finde, das hätte nach dem Krankenhausaufenthalt durchaus thematisiert werden können. Sein Leben war groß und ausschweifend, aber eben auch dramatisch. Da muss man nicht zwingend auf ein wunderschön glattgebügeltes Ende hinarbeiten.

Produziert wurde der Film allerdings auch von der Nachlassverwaltung, und die ist ohnehin vor allem darauf aus, die Kuh bis zum Exitus zu melken. Wer von Jason Malachi Songs für ein posthumes Album singen lässt, um sie als Michaels Songs auszugeben und damit Profit einzufahren, wird schon wissen, dass die Musik der Publikumsmagnet ist und den Film tragen wird.

Und ja: Die Musik zieht einen in den Bann. Und ja, die schauspielerische Leistung ist in Kombination mit der Ähnlichkeit zu Michael wirklich verblüffend. (Ob er im privaten Umfeld tatsächlich mit dieser hohen Stimme gesprochen hat, wäre auch noch ein eigenes Thema, aber dieses Fass machen wir jetzt mal nicht auf.) Nur: Dann kann ich mir auch einen Abend Zeit nehmen, eine Konzert-DVD schauen und mir im Anschluss Interviews ansehen. Dann habe ich Hintergrundinformationen und den Showact des Originals.

Wie man hier auf 4 Hüte kommen kann, erschließt sich mir daher nicht ganz. Ich komme auf 2,5 Hüte. Mag sein, dass das dem einen oder anderen zu hart erscheint. Mag sein, dass ich für den Unterhaltungswert noch einen halben Hut hätte drauflegen können. Aber diese Unterhaltung ist halt vor allem der Musik geschuldet, und die kann ich auch in einem authentischeren Rahmen genießen.

Michael Bewertung
Bewertung des Films
510

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