
Bewertung: 3 / 5
Vorab: Ich bin bekennender Fan der Scream-Reihe und daher an der einen oder anderen Stelle wahrscheinlich ein wenig voreingenommen. Außerdem werde ich hier und da sicher ein wenig spoilern.
Im Großen und Ganzen habe ich mich auch diesmal wieder gut unterhalten gefühlt. Und als Fan hat der Film für mich auch einen gewissen Wiedersehwert. Nach der ersten Sichtung bleibt für mich allerdings der Beigeschmack, dass dieser Teil eher zu den schwächeren der Reihe gehört.
Trailer zu Scream 7
Ich mochte einerseits, dass wieder viele der Legacy-Charaktere in die Handlung eingebunden waren und ihre Auftritte hatten – manche etwas mehr, andere etwas weniger. Allerdings bin ich auch niemand, der allein durch Fanservice oder die Verknüpfung mit alten Strukturen abgeholt wird. Wenn die Trilogie mit Jenna Ortega zu einem Abschluss gebracht worden wäre, wäre mir eine Beteiligung von Neve Campbell und Courteney Cox am Ende weniger wichtig gewesen als einfach ein guter Film.
Schade fand ich in diesem Zusammenhang aber, dass die Legacy-Charaktere im Vorfeld bereits groß angekündigt wurden. In einigen Kommentarspalten und Kritiken führte das dazu, dass die Story im Grunde schon vorhergesagt werden konnte. Gerade wenn man die Scream-Reihe kennt und weiß, wie sie manchmal funktioniert, muss man dazu aber ehrlich sagen: Dafür braucht man mit den gegebenen Informationen nun wirklich keinen Doktortitel. Den kompletten Twist mit den KI-Videos konnte man daher auf YouTube (und, soweit ich mich erinnere, auch hier) bereits 1:1 in Kommentaren lesen. Hätte man sich im Marketing etwas bedeckter gehalten, hätte man deutlich mehr mit den Erwartungen des Publikums spielen können.
Die Vorhersehbarkeit ist für mich ohnehin eines der größten Probleme des Films. Und damit meine ich nicht, dass man schon absehen kann, wie einzelne Verfolgungsszenen ablaufen. Vielmehr geht es mir um Situationen, in denen sich meines Erachtens ziemlich klar abzeichnet, wer Ghostface ist – und die es meiner Meinung nach fast unmöglich machen, dass es jemand anderes sein könnte.
Ein weniger direktes Beispiel ist die Szene, in der Ghostface vom Dachboden steigt. Das deutete für mich auf jemanden hin, der das Haus und seine Schlupfwinkel kennt – und das sind in diesem Film am ehesten die Nachbarn. Hier hätten theoretisch sowohl die Mutter als auch der Sohn infrage kommen können, aber der Sohn wurde ja so dargestellt, dass es zu offensichtlich gewesen wäre. Ein deutliches Beispiel ist für mich jedoch die Szene in der geschlossenen Anstalt. Zum einen konnte ich mir kaum vorstellen, dass man Ethan Embry für eine zweiminütige Nebenrolle besetzt. Zum anderen war er der einzige Charakter, der behaupten konnte, dass Stu noch lebt. Wenn man also davon ausgeht, dass Stu tot ist, muss er logischerweise lügen. Und genau das ging mir direkt durch den Kopf, als er das Bild von Stu als John Doe erkannte.
Diese Vorhersehbarkeit sorgt für mich leider dafür, dass das spätere Reveal der Täter relativ egal wirkt – und über das Motiv muss man dabei noch nicht einmal sprechen. Nun kann man natürlich über jeden Scream-Film sagen, wie banane oder überdreht das Motiv ist, und klar, den Punkt kann ich auch geben. Vielleicht ist es auch die Kombination aus Motiv und Reveal, aber für mich wirkt das hier einfach zu abstrus.
Was mir außerdem komplett gefehlt hat, ist der Meta-Charakter, der sonst eigentlich ein Bestandteil der Reihe ist. Ich hatte eigentlich gedacht, dass Jasmin Savoy Brown genau in diesem Sinne erneut zurückgeholt wurde, um – wie in Teil 5 und 6 – ein wenig die Randy-Meeks-Rolle zu übernehmen. Aber wofür sie letztendlich genau zurückgeholt wurde, erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht so ganz. Sie hier mit ihrem Bruder zu den Praktikanten von Gale zu machen, nur um sie auftauchen lassen zu können, ist für mich dann doch etwas kosntruiert.
In ein oder zwei Kritiken habe ich gelesen, dass das Pacing des Films unstimmig sei. Für mich persönlich war das allerdings gar nicht so ein großes Problem. Ich fand den Film insgesamt gut inszeniert, und man bekommt im Grunde genau das, was man erwartet. Eher hatte ich an besonders einer Stelle Probleme mit dem Schnitt, der etwas hektisch wirkte.
Gemeint ist in die Szene, in der gegen die Ausgangssperre verstoßen wird und alle Teenager in der Bar darüber diskutieren, wer Ghostface sein könnte. Als er dann auftaucht und alle nacheinander in die Küche rennen, um sich mit ihm anzulegen, habe ich doch etwas den Überblick verloren. Wahrscheinlich sollte die Szene bewusst offenlassen, ob nun alle erwischt wurden oder wer genau überlebt hat, aber für mich war das letztlich etwas zu hektisch inszeniert. Das hätte man wahrscheinlich eleganter lösen können.
Die Kills waren dafür an der einen oder anderen Stelle ziemlich kreativ, sodass ich hier und da doch einmal das Gesicht verziehen musste.
Klar ist: Man muss diese Reihe natürlich mögen – oder man sagt, dass sie sich mittlerweile doch etwas abgenutzt hat. Am Ende bleibt das eine Geschmacksfrage, und ich kann nachvollziehen, wenn man ein gewisser „Fan“ sein muss, um hier noch dranzubleiben.
Nichtsdestotrotz befindet sich Scream 8 anscheinend bereits in einer frühen Phase der Entwicklung. Man konnte lesen, dass Neve Campbell eine geniale Idee hatte, die sie an Kevin Williamson herangetragen hat. Ich würde mir wünschen, dass diese Idee wirklich so gut ist, wie es klingt, und man damit wieder eine Schippe drauflegen kann.
Für mich zählt Scream aber nach wie vor zu einer durchweg stabilen Reihe, der ich einen Ausreißer auch durchaus verzeihen kann. Alles in allem schwanke ich zwischen 2,5 und 3 Hüten, aber aufgrund meiner Voreingenommenheit rutsche ich am Ende doch auf 3 Hüte hoch.


