
Bewertung: 3.5 / 5
Ich war am Wochenende im Kino und habe mir „Hoppers“ angeschaut. Ich habe lediglich den ersten Trailer gesehen und mich auf eine lustige Rollentausch-Story gefreut – mit diesem Naturschutzaspekt habe ich überhaupt nicht gerechnet.
Ich finde es erst einmal gut, dass sich Pixar hier einem so ernsten Thema widmet – natürlich heruntergebrochen auf ein verständliches Beispiel.
Trailer zu Hoppers
Dabei zeichnen sich für mich die verschiedenen Lager – anders als in einigen Kritiken wahrgenommen – recht klar ab: Der Bürgermeister möchte eine Umgehungsstraße bauen, die im Prinzip bis auf vier Minuten Zeitersparnis keinen wirklichen Vorteil bringt. Mabel hingegen liebt Tiere seit ihrer Kindheit, entwickelt durch ihre Großmutter eine enge Verbindung zur Natur und findet in ihr auch einen gewissen inneren Frieden. Und dann sind da noch die Tiere, die in Mabel gewissermaßen eine Stimme finden, da sie das Handeln der Menschen nicht nachvollziehen können und gutgläubig davon ausgehen, dass diese im Interesse aller Lebewesen handeln.
Natürlich kann man darüber eine Grundsatzdiskussion führen, aber für mich ist Mabels Verhalten keine Grauzone. Wenn es darum geht, Lebensraum zu schützen oder Kompromisse einzugehen, die genau diesen zerstören, gibt es in Meinen Augen (zumindest unter den im Film dargestellten Gegebenheiten) kein Mittelding.
Und genau hier schwimmt der Film für mich ein wenig: Mabel versucht durchaus auch mit einer Petition das Waldstück zu retten, was impliziert, dass sie zu einer dialogbereiten Lösung bereit ist. Allerdings hätte man dies für mein Empfinden klarer herausarbeiten können. Im fertigen Film könnte man interpretieren, dass sich beide Seiten hochschaukeln, wobei ich persönlich hier klare Grenzen ziehe: Jerry lügt und greift hinterrücks zu Mitteln, die ich aufgrund von Spoilern hier nicht weiter ausführen möchte, wohingegen Mabel einfach nur von ihren Rechten als Bürgerin Gebrauch macht, protestiert und versucht, eine Petition zu starten. Unfair spielt sie hierbei zu keiner Zeit. (Klar, kletttert sie auch über den Zaun und stellt sich während der Sprengung auf den Steg, aber come on.)
Dargestellt werden allerdings vor allem Situationen, in denen Jerry und sie diskutieren, was den Eindruck erweckt, dass beide Parteien gleichermaßen verhärtet sind – was in meiner Wahrnehmung absolut nicht der Fall ist. Gerade die Petition zeigt, dass Mabel durchaus in der Lage ist zuzuhören und jedes ihr als Bürger zustehende Mittel zu ergreifen, um ihr Ziel zu erreichen.
Dass sie im „Avatar“-Stil dann in den Biber schlüpft und versucht, von innen heraus etwas anzustoßen, ist in meinen Augen eine super Idee und zu Beginn auch wirklich gut umgesetzt. Gleichzeitig gibt es aber Entscheidungen, die ich nicht ganz nachvollziehen kann.
Zum einen wäre da die Forschungstruppe, die natürlich ziemlich angefressen ist, dass sich Mabel ihre Erfindung erschleicht und damit von dannen zieht. Mabels Handeln ist jedoch nachvollziehbar und für etwas Gutes bestimmt. Warum sie sie dann ständig aus der Situation herausholen will und ihr einreden möchte, sie dürfe „nicht in den natürlichen Ablauf eingreifen“, ist für mich nicht nachvollziehbar und auch nicht konsistent. Sie schwanken zwischen „Oh, das ist für uns ja völlig neu und bringt uns in unserer Forschung voran“ und „Greif bloß nicht in den natürlichen Verlauf ein“, wie es ihnen gerade in den Kram passt.
Und ehrlich gesagt: Mabel versucht hier, Lebensraum für zahlreiche Lebewesen zu retten und nicht im DeLorean zurückzureisen, um sich den Sports Almanac zu schnappen. Es gibt keine Zeitlinie, die zerstört werden könnte, und nichts, was man in diesem Sinne „kaputt macht“. Wenn man diesen Gedanken ernst nimmt, müsste man eher Jerry davon abhalten, massiv in ein Ökosystem einzugreifen – und das für eine mehr oder weniger überflüssige Umgehungsstraße.
Zum anderen finde ich, dass man sich unter den gegebenen – natürlich ohnehin unrealistischen – Voraussetzungen durchaus etwas näher an der Realität hätte bewegen können. Klar ist bereits das Transferieren des Bewusstseins unrealistisch, aber dass Vögel einen Hai aus dem Meer heben, um diesen als Waffe gegen die Menschen einzusetzen, ist mir dann doch zu abgefahren.
Diesen Teil hätte man aus meiner Sicht umschreiben und direkt zu dem Abschnitt überleiten können, der schließlich das Ende einleitet – auch wenn man dieses insgesamt etwas weniger düster hätte gestalten können, um jüngere Zuschauer im dunklen Kinosaal nicht zu sehr zu ängstigen.
Das Ende finde ich insgesamt gelungen. Für mein Empfinden hätte man Titus allerdings stärker als aus Verzweiflung handelnd darstellen können und nicht fast schon bösartig, mit im Prinzip ähnlichen Motiven wie Jerry. (Mal davon abgesehen finde ich es absolut erstaunlich, dass es Titus während der Zeit, in der er verpuppt war, geschafft hat, sich menschliche Technik anzueignen und für seine Zwecke umzupolen.)
Denn über weite Strecken des Films werden die Tiere als gutgläubig und fast schon naiv dargestellt, die in allem zunächst das Gute sehen. Am Ende entfernt sich der Film davon jedoch wieder, indem eine Figur eingeführt wird, deren Motivation der von Jerry ähnelt. Das sorgt in meinen Augen dafür, dass Jerrys Handeln zumindest teilweise relativiert wird. Natürlich braucht er diesen Gegenpart, um sein eigenes Handeln einordnen und hinterfragen zu können, aber diesen Weg zu wählen, überzeugt mich nicht ganz, da man so den Tieren in dieser Situation zumindest teilweise eine Mitschuld zuschreibt.
Und ja: Das ist meine Interpretation, und ich möchte niemandem absprechen, der – wie in manch anderer Kritik – der Meinung ist, dass hier alle Seiten Fehler machen und man aufeinander zugehen muss. Aber gerade die Tiere? Sie haben keine eigene Stimme und tragen keine Verantwortung für die Situation, in der sie sich befinden.
Die zweite Hälfte dieser Kritik liest sich vielleicht etwas durchwachsen und ist stärker von den negativen Aspekten geprägt. Nichtsdestotrotz habe ich mich insgesamt sehr gut unterhalten gefühlt und mochte den Humor des Films sehr. Ich musste häufig lachen und fand auch den Einstieg – in dem sowohl Mabels Tierliebe als auch die Beziehung zu ihrer Großmutter gezeichnet wird – absolut gelungen und herzerwärmend.
Im Gesamtbild reicht der Film für mich zwar nicht an „Der wilde Roboter“ heran und hat die oben genannten Schwächen, besitzt für mich persönlich aber dennoch einen höheren Wiedersehwert als beispielsweise „Zoomania“. Vom Bauchgefühl schwanke ich dabei durchaus zwischen 3,5 und 4 Hüten, da ich den Film wirklich sehr mag. Im direkten Vergleich zu „Der wilde Roboter“, den ich deutlich höher bewerten würde, und unter Einbeziehung der genannten Schwächen lande ich am Ende aber bei einer Gesamtwertung von 3,5 Hüten.


