
Bewertung: 3.5 / 5
Es gibt nicht viele Filmreihen, bei denen wir uns als Erwachsene plötzlich dabei ertappen, wieder vor einem Regal mit Actionfiguren zu stehen. Bei Masters of the Universe könnte es einigen von uns in den vergangenen Wochen so gegangen sein. Denn kaum ein Franchise transportiert seine Fans so zuverlässig zurück in die Kindheit wie die Abenteuer von He-Man, Skeletor und den Kriegern von Eternia.
Doch Nostalgie allein trägt keinen Kinofilm. Die neue Verfilmung muss einen Stoff ins Jahr 2026 transportieren, dessen Helden Namen wie Fisto, Beast Man oder Moss Man tragen, ohne dabei peinlich zu wirken. Gleichzeitig darf sie den Charme der Vorlage nicht verlieren. Wir verraten euch in unserer Kritik zu Masters of the Universe, ob dieser Spagat gelingt.
Trailer zu Masters of the Universe
Masters of the Universe Kritik
Die erste Erleichterung kam schon nachdem wir die Trailer gesehen haben. Denn Masters of the Universe macht sehr vieles richtig. He-Man sieht aus wie He-Man aussehen soll. Skeletor sieht aus wie Skeletor aussehen soll. Die beiden sehen richtig gut aus. Auch Battle Cat, Castle Grayskull, Trap Jaw und viele andere ikonische Figuren und Schauplätze wurden mit sichtbar viel Liebe zum Detail umgesetzt. Travis Knight und sein Team wissen offensichtlich, wie viel diese Welt ihren Fans bedeutet.
Dabei tappt der Film auch nicht in die Falle, seine Vorlage zu ernst zu nehmen. Stattdessen setzt Masters of the Universe auf eine gute Portion Selbstironie. Immer wieder macht sich der Film einen Spaß daraus, wie absurd einige Elemente dieses Universums eigentlich sind. Gerade Skeletor profitiert davon und erhält einige der besten Momente des Films. Auch die zahlreichen Anspielungen auf die Geschichte des Franchise funktionieren gut. Besonders die Cameo im Film sorgten in unserer Vorstellung für hörbare Reaktionen im Publikum.
Überhaupt versteht der Film erstaunlich gut, wie merkwürdig diese Welt eigentlich ist. Adam wurde durch seine Zeit auf der Erde geprägt und versucht mehrfach, Konflikte lieber mit Worten als mit Gewalt zu lösen. Der Film macht sich dabei durchaus einen Spaß aus modernen Befindlichkeiten und dem zeitgeistigen offenen Umgang mit Gefühlen. Das funktioniert meist überraschend gut und sorgt für einige der besseren Gags.
Allerdings hatten wir auch ein Problem mit dem Film.
Denn Masters of the Universe steckt voller interessanter Ideen, verfolgt aber kaum eine davon konsequent zu Ende. Adams andere Sicht auf die Welt bleibt letztlich eher ein Running Gag als echte Charakterentwicklung. Man-at-Arms erhält eine klassische Geschichte vom gefallenen Helden, findet aber so schnell wieder zu alter Stärke zurück, dass daraus kaum emotionale Fallhöhe entsteht. Morena Baccarin bringt zwar die nötige Würde für die Sorceress mit, bekommt aber erstaunlich wenig zu tun. Und selbst Skeletor ist trotz seines gelungenen Auftritts nicht die Bedrohung, die er eigentlich sein sollte.
Ähnlich verhält es sich mit He-Man selbst. Der Film präsentiert Adam früh als Helden, ohne ihn zuvor wirklich leiden zu lassen oder sich anzustrengen. Innere Konflikte bleiben meist oberflächlich und selbst tragische Verluste hinterlassen erstaunlich wenig sichtbare Spuren. So wirkt He-Mans Entwicklung weniger verdient, als sie eigentlich sein sollte. Adam wird zu He-Man und ist dadurch sofort nahezu unbesiegbar.
Auch wenn viel über Gefühle gesprochen wird, vielen Szenen fehlt dann das emotionale Gewicht. Die Figuren funktionieren. Die Ideen funktionieren. Aber oft wirkt es so, als würde der Film bereits zum nächsten Gag oder zur nächsten Actionszene weiterziehen wollen, bevor sich eine Idee entfaltet.
Vielleicht erklärt das auch, warum Masters of the Universe trotz vieler gelungener Einzelteile nie ganz die Größe erreicht, die man sich von dieser Welt erhofft. Dabei ist der Film keineswegs ein Fehlschlag. Im Gegenteil. Das Publikum in unserer Vorstellung, inklusive einiger Kinder, hatte sichtbar Spaß. Und vermutlich liegt genau darin ein Teil der Strategie. Masters of the Universe wirkt weniger wie die ultimative Verfilmung für die Fans der 80er Jahre und mehr wie ein familienfreundlicher Einstieg in das Universum von Eternia. Ein Film, der gleichzeitig Kinder, Eltern und langjährige Fans ansprechen möchte.
Genau dadurch gerät er aber auch zwischen zwei Stühle. Für einen reinen Kinderfilm ist die Geschichte stellenweise überraschend düster, Figuren sterben und die Mythologie wird durchaus ernst genommen. Für das große Fantasy-Epos fehlt dagegen die emotionale Wucht. Es gab für uns keinen ganz großen Gänsehautmoment. Keinen Augenblick, über den man in zehn Jahren noch reden wird.
Masters of the Universe ist dennoch ein guter Film. Das Design funktioniert. Die Figuren funktionieren. Die Musik funktioniert. Der Humor funktioniert. Die Fanservice-Momente funktionieren. Und doch bleibt am Ende vor allem das Gefühl zurück, dass etwas fehlt und hier in den rund 140 Minuten noch mehr möglich gewesen wäre.
Travis Knight ist eine sympathische, unterhaltsame und sichtbar liebevolle Verfilmung gelungen, die ihre Vorlage respektiert und vieles richtig macht. Gleichzeitig fehlt ihr jener letzte Funke, der aus einer guten Adaption ein wirklich unvergessliches Fantasy-Abenteuer gemacht hätte. Deshalb landen wir am Ende bei 3,5 von 5 Hüten, mit einer klaren Tendenz nach oben, wenn man die Fanbrille ganz fest sitzen hat.
Die Grundlagen stimmen. Die Welt funktioniert. Die Figuren funktionieren. Und wir würden uns durchaus über eine Fortsetzung freuen. Das Potenzial dafür ist auf jeden Fall vorhanden. Das die Macher davon auch träumen zeigen die Abspannszenen, es lohnt sich dafür sitzen zu bleiben.


