
Bewertung: 2.5 / 5
Der neue Film mit Jason Momoa und Dave Bautista steht nun auf Prime Video zum Abruf bereit. Die Frage ist allerdings: Hätte man diese ziemlich blutige Sause durch Hawaii wirklich gebraucht?
Im Jahr 2021 gab es die ersten Meldungen zu The Wrecking Crew, damals noch von David Leitch, dem Regisseur von John Wick, Deadpool 2 und The Fall Guy, inszeniert werden sollte. Das Projekt scheiterte jedoch und galt wenig später als tot. Im August 2023 gab es dann ein neues Lebenszeichen: Ángel Manuel Soto, Regisseur von Blue Beetle, übernahm die Regie, während Jonathan Trooper, der an Serien wie See - Reich der Blinden und Filmen wie The Adam Project mitwirkte, das Drehbuch beisteuerte. Die Idee, eine neue Buddy-Cop-Actionkomödie im Stil von Lethal Weapon - Zwei stahlharte Profis oder Bad Boys - Harte Jungs zu machen, wurde schnell auf Twitter hochgehyped.
Nun steht der Film endlich auf Prime Video bereit und handelt von den Halbbrüdern Jonny und James. Beide teilen nur wenig Sympathie miteinander, müssen jedoch auf Hawaii zusammenarbeiten, nachdem ihr Vater auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen ist. Je tiefer die beiden Brüder in die Vergangenheit ihres Vaters graben, desto mehr Familiengeheimnisse kommen ans Licht, die ihre Zusammenarbeit mächtig auf die Probe stellen. Viel streiten können sie sich dabei jedoch nicht, denn sie geraten schnell in den Fokus der Yakuza, die auf Hawaii ihre kriminellen Machenschaften durchführen.
Durch ein Interview von Matt Damon zu The Rip wissen wir jetzt mehr darüber, wie Filme für Streamingdienste konzipiert werden. Die Exposition muss möglichst oft wiederholt werden, damit auch Zuschauer, die nebenbei Wäsche machen oder auf TikTok scrollen, alles mitbekommen. Richtiges Filmschauen ist dabei kaum noch möglich. The Wrecking Crew schlägt leider stark in diese Kerbe, ist aber trotzdem noch besser als viele andere Streaming-Exklusivproduktionen.
Die Chemie von Momoa und Bautista ist einer der stärksten Punkte des Films und macht einige Probleme des Drehbuchs wieder wett. Die beiden Muskelprotze wirken wie ein eingespieltes Team, auch wenn Momoa extrovertierter aufspielt, während Bautista die zurückhaltendere Figur verkörpert. Der Vergleich zu Bad Boys ist durchaus gerechtfertigt, auch wenn The Wrecking Crew nicht die Coolness von Michael Bays Actionfilm erreicht.
Allerdings hat der Film einige gravierende Probleme. Zum einen ist da die Länge: 124 Minuten sind deutlich zu lang, und ab der ersten Hälfte fällt auf, dass der Film kaum noch etwas zu erzählen hat. Die Charaktere fahren einfach wild durch Hawaii und besprechen ihre Pläne bis ins kleinste Detail, damit auch Zuschauer, die zwischendurch abgelenkt waren, wissen, was gerade passiert.
Das Drehbuch wirkt insgesamt sehr faul, und die Charaktere bleiben eindimensional. Die Familiengeschichte von Jonny und James wird eher behauptet als gezeigt. Wirklich viel über die Vergangenheit der beiden oder ihrer Familie erfährt man nicht, und wenn, dann ist es schon von Anfang an vorhersehbar. Auch die Nebencharaktere kommen kaum zur Geltung. Wieder einmal gibt es den allmächtigen Hacker am Computer und die toughe Ex-Frau, die während einer Helikopter-Verfolgungsjagd das Auto so perfekt beherrscht, dass selbst Formel-1-Fahrer staunen würden. Alles wirkt voller Klischees, und aus den Figuren wird nie wirklich etwas gemacht.
Ein weiteres Problem ist das CGI. Zwar wurde der Film offenbar wirklich auf Hawaii gedreht, viele Sequenzen, wie etwa eine Verfolgungsjagd auf einer längeren Autobahn oder Brücke, wirken jedoch so künstlich, dass man sich fragt, ob sie überhaupt fertig gerendert wurden. Hier hätte deutlich mehr Arbeit investiert werden müssen. Manchmal ist durch die Beleuchtung sichtbar, wo der Greenscreen beginnt und endet. Um die Köpfe der Charaktere ist oft ein leichtes Flimmern zu erkennen, was auf unzureichende Retusche hinweist. Dadurch entsteht nie ein richtiges Hawaii-Urlaubsfeeling, und die Farben wirken trotz übermäßiger Sättigung oft zu seicht.
Ein weiteres Problem ist der Antagonist. Wie so oft in solchen Filmen kommt er quasi gar nicht vor, und seine Motivation wird nie erklärt. Claes Bang schaut ständig böse drein, was seine Bosheit unterstreichen soll – allerdings macht ein böser Gesichtsausdruck alleine noch keinen überzeugenden Bösewicht. Auch die Yakuza wirken nie wirklich gefährlich. Unsere beiden Helden sind so stark, dass man nie mit ihnen mitfiebert, weil man von Anfang an weiß, dass sie glimpflich davonkommen. Dadurch entsteht keine echte Fallhöhe, und Spannung bleibt weitgehend aus.
FAZIT
Am Ende macht The Wrecking Crew dennoch Spaß. Momoa und Bautista spielen hervorragend zusammen, der Humor und die Action übertragen sich gut auf den Zuschauer. Einige Action-Sequenzen sind toll choreografiert und stellenweise extrem brutal, und das Finale überrascht mit unerwartet harten Kills, die man in einer so großen Produktion nicht unbedingt erwartet hätte. Wer genau so etwas sehen möchte, wird mit dem Film zufrieden sein, und er lässt sich gut „runterschauen“.
Wer jedoch mehr erwartet als ein dünnes Drehbuch, eindimensionale Charaktere, einen schwachen Bösewicht und teilweise schlechtes CGI, sollte vielleicht einen anderen Film wählen. Dann ist The Wrecking Crew wahrscheinlich die falsche Wahl.


