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The Batman

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The Batman Kritik

The Batman Kritik

The Batman Kritik
0 Kommentare - 03.03.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "The Batman" ist.
The Batman

Bewertung: 4 / 5

In seinem zweiten Jahr als maskierter Rächer Batman erforscht der Milliardär Bruce Wayne (Robert Pattinson) die Untiefen seiner Heimatstadt Gotham. Dazu weiß nur sein treuer Butler Alfred (Andy Serkis) von seinem Doppelleben, während Wayne vor allem den aufrichtigen Lt. James Gordon (Jeffrey Wright) unterstützt. Unterdessen macht ein mysteriöser Killer Jagd auf die reiche Elite der Stadt. Das führt Batman in die Unterwelt von Gotham, wo er nach und nach auf die Kriminellen Selina Kyle (Zoë Kravitz), Oswald Cobblepot (Colin Farrell), Carmine Falcone (John Turturro) und den Riddler (Paul Dano) trifft.

Über die Entstehungsgeschichte mancher Werke aus der Traumfabrik könnte man vermutlich alleine schon einen Film drehen. Was einst noch der erhoffte Traum vieler Fans von Batfleck war, ist mit Matt Reeves in eine ganz andere, neue Richtung gegangen. Dabei setzt das Werk Akzente, die diese Fledermaus von anderen abheben soll. Und die Frage bleibt natürlich, ob das gelingen kann. Im Vorfeld beschweren sich die Leute dann, daß dieser und jener Schauspieler nun das Fledermauskostüm tragen soll. So war es bei Keaton, so war es bei Affleck und so war es bei Pattinson. Nun ist das eigentlich eine Art von Trashstalk, an dem sich nur diejenigen beteiligen, deren generelles Verständnis für Kunst, auch nur an eine romantisierte Wertevorstellung gebunden ist. Das Kinn! Die Ausstrahlung! Die Dunkelheit. Dabei gibt The Batman auf so vielen anderen Ebenen eigentlich auch Anlass zur Sorge, weil der Film nämlich tatsächlich auch einige Probleme hat. Es fängt dabei eigentlich auch mit dem symbolischen Charakter, einiger Batman-Figuren an, die für die Ideologie der Fledermaus unermesslich sind. Denn Tatsache ist, daß es Dinge in Batman-Kosmos gibt, die passieren müssen, um die Figur überhaupt glaubhaft zu gestalten. So wie auch Onkel Bens Tod für die Taufe von Spider-Man von enormer Wichtigkeit ist, so wäre auch der Tod von Martha und Thomas Wayne dies für Batman. Doch da steckt eben auch ein Kontrast drin, der diese Philanthropen letztlich zu den Opfern eines korrupten Systems macht und an dieser Stelle fügen Reeves und sein Autorenpartner Peter Craig dem Batman-Kosmos hinzu, was die Symboltracht der Figuren letztlich ein wenig schmälert. Dabei kommt gleichsam Spielberg-Syndrom zu Tragen, weil auch hier die Väter wieder verantwortlich für all die Taten ihrer Kinder sind. Dabei wäre das grundsätzlich kein Problem, weil das eben auch zu Batman gehört. Auf der anderen Seite steckt aber auch keine Brillanz darin, den Spieß mal umzudrehen, wie es fälschlicherweise in Hollywood mehr und mehr angenommen wird.

Trailer zu The Batman

Das gesamte Werk orientiert sich dabei stark am Noir-Kino der 1970er Jahre. Doch es müsste gleichsam auch mit dem Teufel zugehen, wenn Saw (2003) und Zodiac – Die Spur des Killers (2007) keine Inspirationsquellen für diesen Film waren. Da erinnern einzelne Fallen, die der Riddler stellt, auch stark an Jigsaw, oder sind vielleicht sogar eins zu eins übernommen worden. Dann eine kleine Reminiszenz an Batman: Hush von Jeph Loeb, oder auch Batman: The Long Halloween oder Batman: Ego und so weiter und so fort. Das soll an der Stelle gar nicht so abwertend klingen, wie es anmuten mag. Denn das Problem ist, daß dieser Film so vieler Anspielungen steckt, daß es an der Stelle unmöglich ist, diese alle aufzuzählen. Was man dem Film aber durchaus ankreiden kann, ist, daß seine Wahl der Schurken nicht unbedingt dazu führt, daß man im Kino vollends erstaunt ist. Denn Carmine Falcone, Catwoman, Riddler, Pinguin, oder der ein oder andere Cameoauftritt gegen Ende des Films, lassen nicht gerade Innovationen vermuten. Und in dieser Hinsicht ist dieser Film es auch definitiv nicht. Dabei nimmt sich Reeves auch etwas, was im Batman-Kosmos und seinen Adaptionen auch von Anbeginn der Zeit vertreten war, nämlich daß Batman das Bindeglied zwischen korrupter und nicht so korrupter Polizei, wie dem Verbrechertum ist. Dabei dient natürlich die Korruption als Solche hier der Verdeutlichung des Problems mit dem Kapitalismus. Das kennt man, ja. Das ist nicht schlimm, weil diese Dualität natürlich auch gewissermaßen der Wahrheit entspricht und gleichsam auch immer wieder verdeutlicht, warum diese Figur so wichtig ist.

Angenehm ist tatsächlich, daß Reeves seinen Film bewusst aus dem lose verzahnten DC Extended Universe herausgenommen hat, um eine eigenständige, für sich stehende Trilogie zu schaffen. Daß diese nun auch mit etlichen Serien, oder Spin-Offs ausgeschmückt werden soll, repräsentiert wie nichts anderes die Ideenlosigkeit und gleichsam die Profitgier hinter diesem Werk. Was im Konsens der eigentlichen Kritik auch sehr ironisch anmutet. Das hat per se auch nichts mit dem Film gemein, wird aber in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der Deutung dieses Werkes, im Gesamtkontext. Und dabei ist natürlich die Frage, wie der Film überhaupt letzten Endes geworden ist. Dazu lässt sich vor allem sagen, daß der Film vielleicht die grotesken Momente von Tim Burtons Batman (1989) und vor allem Batmans Rückkehr (1992), aber auch die Drastik und Ernsthaftigkeit der The Dark Knight-Trilogie von Christopher Nolan und diese zu einer komplett gereiften Mischung kombiniert. Da stimmt einfach alles, wenn es um die reine Ästhetik geht. Der gesamte Film spielt sich in binnen kürzester Zeit ab. An der Stelle darf man mich nicht festnageln, aber ich meine es wären zwei Tage an Halloween, beziehungsweise danach. Nicht nur ist das als nächste Parallele zu Jeph Loebs Comicreihe zu verstehen, auch ruft gerade dieses Fest die vermeintlich tiefsten Abgründe hervor und vereinfacht die Ästhetik im Allgemeinen sehr gut. Dabei könnte Gotham nun kaum deprimierender sein als in diesem Film. Die ganze Zeit Regen, die ganze Zeit Dunkelheit und nur die grotesken Neonlichter, die durch die Dunkelheit scheinen. Das hat natürlich irgendwie auch etwas von Spätromantik, wenn man so will und daher ist es auch irgendwo wunderschön anzusehen, weil dadurch auch im übertragenen Sinne die Kontraste hervorstechen.

Ein großes Lob gebührt hier aber nicht nur dem Drehbuch, daß die Charaktere in dieser Welt so gut zeichnet, sondern auch den Darstellern. Das Robert Pattinson hier nur gewinnen konnte, dürfte nach seinen Auftritten in Indiefilmen ja bereits erwiesen sein. Die ganze Zeit hat dieser Bruce Wayne schlechte Laune, und das ist nicht ansteckend, aber irgendwo faszinierend. Der Film zeichnet Wayne hier auch erstmals als einen psychisch total instabilen und gebrochenen Mann, der sich an Kleinganoven abmüht und diese zu Brei schlägt. Insgesamt entsteht dabei der Eindruck, als habe sich Matt Reeves auch in dieser Hinsicht stark an Christopher Nolans The Dark Knight Rises (2012) orientiert. Hierbei werden nicht nur einzelne Szenen eins zu eins nachgestellt, sondern auch das Abmühen am Gegenüber, die pure, körperliche Auseinandersetzung dürfte als Parallele zum Kampf in der Bathöhle mit Bane gemeint sein. Auch die weiteren Charaktere funktionieren hier perfekt. Besonders auffallend ist natürlich der große Colin Farrell als Pinguin sein, aber auch ein John Turturro gibt eine für ihn sehr a-typische Performance. Farrell hat hierbei vor allem die witzigsten Momente im Film. Das große Highlight ist hier aber auch die Charakterisierung von Alfred, sowohl auf das Drehbuch, als auch auf die Darstellung bezogen. Hier kommt es zum großen Bruch, der in der Geschichte einen Platz einnimmt, der abermals an Nolans Finale erinnert und dennoch im Film so gut und irgendwie doch anders daherkommt. Auch für Zoë Kravitz ist diese Selina Kyle ein Gewinn. Denn während Kravitz in Filmen wie X-Men: Erste Entscheidung (2011) oder auch in den Phantastische Tierwesen-Filmen völlig verheizt wurde, kann sie hier lasziv und unglaublich undurchdringlich beweisen, was für eine Kraft sie in wirklich unscheinbar wirkenden Momenten hat. Jeffrey Wrights Jim Gordon hingegen wird mehr noch zum Anteilnehmer an der Bekämpfung von Verbrechen, als es Gary Oldman war und ist durch seine gesamte Abgeklärtheit ein weiterer Pluspunkt für diesen Film. Dazu ist der gesamte Film durch seine grandiose Kameraarbeit auch wunderschön anzusehen.

Dabei hat Matt Reeves im gesamten das wahr gemacht, was er über seinen Batman über Jahre hinweg predigte: Es ist eine Detektivgeschichte. Ein Noir, der sich eben an genannten Comics orientiert, und dabei clever die Genreklischees, mit dem Zustand der Hauptfigur vereint. Man fühlt sich wie in einem Krimi, wenngleich das gegen Ende auch wieder ein bisschen zu viel des Guten erscheint und sich nicht wirklich in den Vorgeschmack fügt. Doch insgesamt hat der Film einfach eine ganz eigene Note, die auch durch die wunderbare Musik von Michael Giacchino hervorgehoben wird. Das ist tatsächlich auch wirklich mal etwas, was man hervorheben kann. Denn gerade in den letzten Jahren ist die Musik in Filmen, im Speziellen im Blockbusterkino doch sehr eintönig. Der Grund für das Gelingen von dieser im Falle von The Batman ist meines Erachtens, daß die Musik hier überpräsent in den Vordergrund gerückt wird und dabei so unaufgeregt und melodisch daherkommt. Normalerweise neigen Blockbuster ja dazu, im Falle der Musik die Gefühlslage der Zuschauer bewusst zu manipulieren, was hier aber eben durch einen kontrastreichen Ansatz nicht der Fall ist.

Mit The Batman wirft Matt Reeves einen Blick zurück, zurück in alte Zeiten. Denn als alles noch nicht unbedingt jedem Film, der da folgte und der zuvor lief, gefallen musste, waren die Handlungsweisen das Blockbusterkinos noch nicht so limitiert. Dabei ist dieser Batman vermutlich der düsterste, der jemals auf der Leinwand lief. Das liegt nicht zuletzt auch daran, daß der Film tief in die Psyche der Figuren dringt und dabei Dinge zum Vorschein bringt, die unbequem sind. Natürlich steckt noch keine Brilianz darin, Dinge einfach umzudrehen, doch dieser Film weist auch viele spannungsgeladene Momente auf, ohne dabei auf herkömmliche Stilmittel zurückzukommen.

The Batman Bewertung
Bewertung des Films
810

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