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Ungeduld des Herzens

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Liebe, Schmerz und Trauer. Ein hoch emotionales Trauerspiel

Ungeduld des Herzens Kritik

Ungeduld des Herzens Kritik
0 Kommentare - 30.01.2026 von Moviejones (MJ-SceneTalk)
Wir haben uns "Ungeduld des Herzens" für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
Ungeduld des Herzens

Bewertung: 3.5 / 5

Eine komplexe Charakterstudie, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Stefan Zweig, dem Autor des literarisch gefeierten Klassikers Schachnovelle. Ungeduld des Herzens wird viele berühren, vielleicht auch abstoßen, aber auf keinen Fall kalt lassen.

Im Jahr 1939 veröffentlichte der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig seinen Roman Ungeduld des Herzens. Das Buch erzählt die Geschichte zweier Menschen, die sich scheinbar lieben: Er ist Soldat, sie ist gelähmt. Doch es handelt sich nicht um echte Liebe, sondern um Mitleid – ein Gefühl, das beide zusammenhält und sie letztlich gemeinsam ins Unheil stürzt. Der Roman gilt heute als Klassiker, steht aber im Schatten anderer Werke Zweigs, allen voran der Schachnovelle, die hierzulande bis heute regelmäßig im Schulunterricht behandelt wird.

Das Werk wurde bereits fünfmal verfilmt, doch keine dieser Adaptionen konnte größere Aufmerksamkeit erlangen. Am ehesten noch Beware of Pity aus dem Jahr 1946. Mit Ungeduld des Herzens von Regisseur Lauro Cress soll sich das nun ändern. Der Film feierte seine Premiere auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis, wo die Hauptdarsteller Ladina von Frisching und Giulio Brizzi als beste Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet wurden.

In der Neuinterpretation von Zweigs Roman geht es um den jungen Soldaten Isaac, der sich auf seine Zeit bei der Bundeswehr vorbereitet. Bei einem Bowlingabend mit Freunden aus der Kaserne lernt er Edith kennen, die aufgrund einer Behinderung im Rollstuhl sitzt. Nach und nach entwickelt Isaac eine gewisse Zuneigung zu ihr – doch diese speist sich weniger aus Liebe als vielmehr aus Scham, Mitleid und der Suche nach einem Sinn in seinem eigenen Leben. Eine Beziehung, die auf solchen Motiven fußt, ist zum Scheitern verurteilt, und das Unaufhaltsame nimmt seinen Lauf.

Ungeduld des Herzens ist das Regiedebüt von Lauro Cress, der sich direkt an einen weltweit anerkannten und gefeierten Roman wagt. Die Entscheidung, den Stoff in die Gegenwart zu holen, erweist sich als klug, denn die Thematik wirkt dadurch unmittelbarer und glaubwürdiger. Gemeinsam mit Drehbuchautor Florian Plumeyer konzentriert sich Cress stark auf die komplexe psychische Verbundenheit der beiden Protagonisten. Hier wird nichts bloß behauptet – Blicke, Gesten und die vermeintliche Liebe sind spürbar und greifbar.

Besonders eindrucksvoll sind die feinen, unterschwelligen Bedeutungen. Ediths Kampf gegen ihre Behinderung, ihr Leiden schon unter der kleinsten Andeutung von Mitleid. Kleine Blicke und ruhige Gesten symbolisieren die enorme innere Last, die auf ihr liegt, sowie das Gefühl, für andere Menschen eine Bürde zu sein. Durch Isaac verändert sich das zunächst. Er suggeriert ihr Nähe, gibt ihr Raum zur Entfaltung. Doch der Druck von außen – insbesondere durch seine Freunde aus der Bundeswehr – und Isaacs eigene Fehlentscheidungen sorgen dafür, dass diese Beziehung nie zu echter Liebe werden kann. Edith erkennt das schließlich selbst. Wie schon im Roman gerät die Beziehung in schwere Konflikte – tragisch, aber glaubwürdig geschrieben und inszeniert.

Der Moment, in dem wir als Zuschauer erstmals begreifen, dass sich die Beziehung der beiden in unterschiedliche Richtungen entwickelt, sie aufgrund ihrer psychischen Labilität aber dennoch aneinander festhalten, ist schmerzhaft mitzuerleben. Wir wünschen ihnen das Beste, wissen aber längst, dass genau das nicht eintreten wird. Giulio Brizzi und Ladina von Frisching spielen herausragend und verleihen ihren Figuren eine enorme Präsenz. Die inneren Abgründe sind jederzeit spürbar, ebenso wie das schleichende Scheitern der Beziehung.

Visuell werden diese Momente stark in Szene gesetzt. Der Film experimentiert mit Farben, lässt die Kamera bewusst stehen, um der Situation Raum zu geben, und scheut sich nicht davor, ernst und unbequem zu werden. Themen wie Behinderung, Ableismus und die Diskriminierung körperlich beeinträchtigter Menschen werden klar und deutlich verhandelt. Auch die Bundeswehr wird zu keinem Zeitpunkt verherrlicht, sondern vielmehr als problematisch und verachtenswert dargestellt. Unter der Oberfläche sagt dieser Film weit mehr aus, als man beim ersten Sehen vielleicht erfassen kann – gerade die Kritik an militärischen Strukturen und dem Irrglauben, damit automatisch „etwas Gutes“ für das Land zu tun, ist deutlich und berechtigt. Der Fokus bleibt dabei dennoch konsequent auf der zwischenmenschlichen Charakterstudie von Edith und Isaac.

FAZIT

Dieser Film wird mit seiner ruhigen Inszenierung und seinen intimen Momenten nicht jedem gefallen. Er ist durchzogen von einer aussichtslosen, depressiven Grundstimmung, die jedoch angesichts der Situation der beiden Protagonisten absolut glaubwürdig wirkt. Ungeduld des Herzens ist ein tiefgründiger, emotionaler und psychologisch ambivalenter Film, der uns an einer Beziehung teilhaben lässt, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Wir sind dazu verdammt zuzusehen, wie die gläserne Blase zerbricht und die Figuren schließlich zwischen den Scherben ihrer Liebe stehen. Das ist schmerzhaft – aber auch wahrhaftig, ehrlich und so glaubwürdig, dass wir euch dieses Werk nur wärmstens ans Herz legen können.

Ungeduld des Herzens Bewertung
Bewertung des Films
710

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