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Send Help

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Sam Raimi macht endlich wieder einen Horrorfilm!

Send Help Kritik

Send Help Kritik
2 Kommentare - 03.02.2026 von Moviejones (MJ-SceneTalk)
Wir haben uns "Send Help" für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
Send Help

Bewertung: 2.5 / 5

The Evil Dead, Evil Dead 2, Army of Darkness, Drag Me to Hell oder Darkman: Sam Raimi ist ein Meister des Horrors. Doch auch abseits dieses Genres zeigte er immer wieder sein enormes Talent – etwa mit einem der bis heute besten Superheldenfilme Spider-Man 2 oder dem hochspannenden Thriller Ein einfacher Plan, mit denen er bewies, dass er nahezu jedes Genre spielerisch beherrscht. Nun ist Raimi nach Jahren zurückgekehrt, um erneut einen Horrorfilm zu drehen. Leider scheint es jedoch, als habe er nach all dieser Zeit sein Händchen für Splatter, Humor und wahnsinnige Inszenierungen verloren.

Sam Raimi ist ein Meisterregisseur. Er half dabei, ein ganzes Genre salonfähig zu machen und einem anderen seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken. Filme wie The Evil Dead sind absoluter Kult, und Spider-Man 2 ist bis heute schlicht einer der beste Superheldenfilm. Doch auf seinem Weg vom Filmstudenten zur Horrorgröße und schließlich zum gefeierten Regisseur von Superheldenfilmen verließ ihn seine qualitative Konstanz auch einmal – wenn auch nur ein einziges Mal. Die fantastische Welt von Oz aus dem Jahr 2013 war nicht nur für Fans von Raimi ein völliger Flop, sondern auch bei allgemeinen Zuschauern sowie bei Kritikern ein Reinfall. Darauf folgte zunächst eine lange Schaffenspause, bis er für Marvel Doctor Strange in the Multiverse of Madness inszenierte und dem Film zwar seinen ganz eigenen Stempel aufdrückte, qualitativ jedoch nicht an seine früheren Werke anknüpfen konnte. Nun ist Raimi nach 17 Jahren wieder zurück, um einen „richtigen“ Horrorfilm zu inszenieren. Doch kann er qualitativ wirklich dort wieder ansetzen, wo er zuletzt mit Drag me to Hell aufgehört hat?

Send Help erzählt die Geschichte von Linda Little (Rachel McAdams), die in dem Unternehmen, für das sie arbeitet, eher die zweite Geige spielt. Sie wird kaum beachtet und von ihren Kollegen als unangenehm wahrgenommen. Doch als der Vorsitzende der Firma durch Bradley Preston (Dylan O’Brien) ersetzt wird, sieht sie den lange ersehnten Aufstieg zur Vize-Vorsitzenden vor sich – doch alles kommt anders. Bradley befördert jemand anderen und wertet Linda in einem privaten Gespräch deutlich ab. Gleichzeitig will er ihr jedoch eine Chance geben und lädt sie auf eine Geschäftsreise nach Indonesien ein, um ihn von sich zu überzeugen. Als Linda einwilligt und alle an Bord der Privatmaschine sind, fliegen sie blindlings in einen Sturm und stürzen ab. Die gesamte Besatzung sowie die übrigen Mitarbeiter des Teams sterben – bis auf Linda und Bradley, die nun auf einer einsamen Insel nahe Indonesien gestrandet sind. Doch auf dieser Insel weht ein ganz anderer Wind als noch hinter den Wänden der Büromauern. Linda ist nämlich ein Profi, wenn es um Survival in der Wildnis geht, und macht ihrem Arbeitgeber dort sprichwörtlich das Leben zur Hölle.

Liest man sich diese Inhaltsangabe durch, denkt man unweigerlich an Robinson Crusoe oder an lose Adaptionen wie Cast Away mit Tom Hanks – und im Kern passt das auch. Send Help ist jedoch eher ein Mix aus Cast Away und Misery und wird gerade deshalb stellenweise richtig schön böse. Der Machtkampf zwischen Linda und Bradley ist vor allem zu Beginn wahnsinnig interessant und bietet enormes Potenzial, die gesamte Situation völlig eskalieren zu lassen. Doch dann passiert: nichts.

Sam Raimi verschießt sein Pulver an genau zwei Stellen – einmal beim Flugzeugabsturz und beim Erwachen der beiden Protagonisten auf der Insel sowie im Finale, das immerhin recht derbe ausfällt. Dazwischen passiert erstaunlich wenig. Es werden Unterschlüpfe gebaut, die Insel wird erkundet, man lernt sich kennen. Das ist – vor allem für Raimi-Verhältnisse – erstaunlich ruhig für einen Horrorfilm, gerade auch, weil der Film nie so brutal oder eskalierend wird, wie er es könnte. Raimi fährt hier permanent mit angezogener Handbremse, und das merkt man leider viel zu oft. Die Handlung ist nicht radikal genug, die Eskalation zu zurückhaltend.

Doch das ist nicht einmal das größte Problem des Films. Darauf könnte man sich einlassen, sobald klar wird, dass der Film in eine andere Richtung geht, als es der Trailer zunächst vermuten ließ. Das eigentliche Kernproblem ist die Glaubwürdigkeit – und die wird hier mit Füßen getreten. Sobald das Setting vollständig auf die Insel verlagert wird, passieren viele Dinge, die schlicht keinen Sinn mehr ergeben. Plötzlich baut Linda innerhalb kürzester Zeit ganze Tische, Tassen und Trinkhalter mit Strohhalm aus der umliegenden Flora. Auch eine perfekt geflochtene Hut ist scheinbar innerhalb von Minuten fertig. Bartwuchs bei Bradley, obwohl sie offenbar schon Wochen auf der Insel verbracht haben? Fehlanzeige. Warum auch – ein konstanter sexy Drei-Tage-Bart wirkt offenbar attraktiver. Realismus? Nebensache. Ein Ort, den man besser meiden sollte, ist – ohne Witz – mit einem großen X aus Felsen markiert. Das alles ist so dermaßen albern, dass man immer wieder aus der eigentlichen Geschichte gerissen wird.

Als Zuschauer wollen wir glauben, was wir sehen. Nur so können wir mit den Figuren mitfühlen. Wissenschaftlich nennt man das die willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit oder, auf Englisch, Suspension of Disbelief. Diese Theorie wurde vom Dichter und Philosophen Samuel Taylor Coleridge formuliert und beschreibt die Bereitschaft des Publikums, die Fiktion eines Werkes vorübergehend zu akzeptieren – selbst dann, wenn sie objektiv unmöglich erscheint. Als klassisches Negativbeispiel wird oft Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels genannt, in dem Indiana Jones einen Atomschlag überlebt, indem er sich in einem Kühlschrank versteckt. Doch auch die Suspension of Disbelief kann kippen – besonders dann, wenn das Gezeigte nicht mehr in die zuvor etablierte Welt passt. Genau das passiert hier. Send Help glaubt man seine weit hergeholten Situationen und Entwicklungen schlicht nicht.

Innerhalb von Minuten entstehen allerlei Konstruktionen, und wir fragen uns nur noch, wie das möglich sein soll. Die Figuren altern nicht, verändern sich optisch nicht und zeigen keinerlei Anzeichen dafür, wie viel Zeit vergangen ist. Hinzu kommt der problematische Mix aus schlechtem CGI und offensichtlich nachgebauten Sets. Eine Szene verdeutlicht das besonders gut: Wir sehen einen schmalen Pfad an einer Klippe aus der Totalen, der offensichtlich vollständig aus dem Computer stammt. Beim Umschnitt auf eine nähere Einstellung wird klar, dass dieser Pfad im Studio nachgebaut wurde. Die Beleuchtung der Totalen und der Nahaufnahme passt überhaupt nicht zusammen. Das Ergebnis wirkt künstlich, unecht und reißt uns erneut aus der Handlung.

Diese Probleme ziehen sich durch den gesamten Film. Logiklöcher und fehlende Glaubwürdigkeit dominieren. Auch der Twist ist aufgrund viel zu offensichtlich platzierter Brotkrumen bereits nach rund 40 Minuten vorhersehbar. Wirklich interessant sind lediglich die ersten 20 Minuten. Rachel McAdams und Dylan O’Brien spielen herausragend und holen erstaunlich viel aus dem dünnen Material heraus. Das bittere Duell zwischen den beiden, angereichert mit einigen durchaus blutigen Momenten, macht Spaß – vor allem dann, wenn Raimi doch einmal kurz das Gaspedal durchdrückt.

Es ist beeindruckend, was McAdams und O’Brien aus diesem Skript herausholen, denn viel, woran man sich klammern könnte, bietet es nicht. Selbst die anfangs vielversprechende Satire über Hierarchien im Berufsleben gerät im weiteren Verlauf komplett in Vergessenheit.

FAZIT

Sam Raimi hätte sich für sein großes Horror-Comeback einen besseren Stoff aussuchen können. Das Drehbuch von Damian Shannon und Mark Swift wirkt wie ein einziger Flickenteppich. Die unterschwellige Kritik greift nicht, die Welt bleibt unglaubwürdig, und immer wieder wird man durch unlogische Entwicklungen aus der Geschichte gerissen. So wirkt Send Help am Ende austauschbar, unspannend und leider auch stellenweise langweilig. Selbst der Twist erzeugt keinerlei Spannung, da er von Beginn an absehbar ist. Übrig bleiben ein starker Anfang, zwei hervorragende Hauptdarsteller und ein paar schön blutige Momente. Ansonsten ist Send Help vor allem eines: eine große Enttäuschung.

Send Help Bewertung
Bewertung des Films
510

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2 Kommentare
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Mxyzptlk : : Moviejones-Fan
03.02.2026 18:45 Uhr
0
Dabei seit: 29.03.16 | Posts: 468 | Reviews: 3 | Hüte: 12

Der Film war scheide

MJ-Pat
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Raven13 : : Desert Ranger
03.02.2026 17:58 Uhr | Editiert am 03.02.2026 - 17:59 Uhr
0
Dabei seit: 13.02.16 | Posts: 8.884 | Reviews: 148 | Hüte: 754

Harte Kritik mit Kritikpunkten, die mir größtenteils nicht mal aufgefallen sind. Sowas wie der kritikpunkt mit der Klippe und der falschen Beleuchtung dürften wohl in nahezu jedem Film vorkommen, wenn man mit der Lupe danach sucht. Klingt für mich nach einer Kritik, bei der absichtlich nach allen möglichen Kritikpunkten gesucht wird, um die eigene Meinung (ihr mögt den Film nicht) zu untermauern. Nur, dass dabei einige Kritikpunkte auch ziemlich hanebüchen sind und für den normalen Zuschauer eher keine Relevanz haben.

In meinem Umfeld waren bisher alle begeistert von dem Film, selbst die, die sonst immer alles sehr kritisch betrachten. Ich finde den Film auch großartig.

Der Bewertung nach zu urteilen soll der Film insgesamt also genauso gut oder schlecht wie "The Wrecking Crew" sein. Interessant, sehr interessant.

Ein Zauberer kommt nie zu spät. Ebenso wenig zu früh. Er trifft genau dann ein, wenn er es beabsichtigt.

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