
Bewertung: 3.5 / 5
Lässt sich ein starker religiöser Glaube und Sexualität vereinbaren? Viele Filme haben sich schon dem Thema des Zölibats angenommen und der Kraft Gottes, die offenbar auf einen wirkt und jede sexuelle Lust im Keim erstickt. Einen solchen Moment gibt es auch in Little Trouble Girls, wenn unsere Protagonistin mit einer Nonne spricht, die erklärt, dass die Berührung Gottes erregender und bedeutsamer sei als die eines anderen Menschen. Ob das stimmt oder nicht, kann man nur schwer sagen, da man Menschen ihren Glauben gar nicht aberkennen kann. Wissenschaftlich gesehen macht das aber natürlich wenig Sinn.
In Little Trouble Girls geht es um Lucia, die in einem religiösen Schulchor ist und mit ihrer Chorgruppe auf ein abgelegenes Kloster fährt, um ein Probewochenende zu durchleben. Doch genau dort wird Lucia mit der Pubertät, dem Glauben und sich selbst konfrontiert. Als zwischen ihr und ihren Klassenkameradinnen Themen wie Sex, Masturbation oder die Frage aufkommen, ob sie schon einmal ihre Tage hatte, wird ein eigentlich entspanntes Probewochenende zu einer einzigen Zerreißprobe. Noch schlimmer wird es, als sie Gefühle für Ana Maria entwickelt.
In diesem kleinen slowenischen Film werden viele unterschiedliche Themen aufgemacht, die für ein 16-jähriges Mädchen mitten in ihrer Adoleszenzphase ziemlich schwierig sind. Während andere in der Klasse offenbar schon ihre Tage hatten und darüber reden, dass man erst dann wirklich eine Frau ist, sorgt das bei unserer Protagonistin für Unbehagen. Genauso sieht es bei den Themen Masturbation oder Liebe an sich aus. Es werden ganz direkt Fragen gestellt wie: „Findest du Penisse attraktiv?“ – und Lucia kann darauf natürlich keine Antwort finden. In ihrem Alter muss man schließlich noch nichts davon durchgemacht haben. Es ist normal, sich Zeit zu lassen und nicht jedem Gruppenzwang nachzurennen.
Doch gerade als hier Liebe ins Spiel kommt und Lucia langsam ihre Sexualität entdeckt, wird der Film erstaunlich spannend. Denn die Kluft zwischen ihrem Glauben und ihren Empfindungen für Ana Maria sorgt für ein ganz interessantes Dilemma. Sollte man sich für einen Glauben aufopfern oder sollte man frei leben und lieben und sich keine Grenzen verschreiben? Gerade in ihrem Alter geht es doch eher darum, sich selbst und die Welt um sich herum zu entdecken.
So wird der Film auch im Kern ein Plädoyer gegen radikalen Glauben und hin zur freien Erkundung der eigenen Person. Liebe lässt sich nämlich nicht unterdrücken oder wegschieben – genauso wenig wie die Probleme, die sie mit sich bringt. Das zeigt Little Trouble Girls anschaulich. Gerade in einer Sequenz mit ihrem Lehrer während einer Probe, die entfernt an Whiplash erinnert. Hier kommt sogar ein Stück weit Homophobie und Misogynie zum Tragen, gerade durch die strenge Hand des Lehrers, die hier keine Gnade kennt.
Doch nicht nur die Themen sind es, die dieses europäische Coming-of-Age-Drama so besonders machen, sondern vor allem Jara Sofija Ostan, die eine beeindruckende Performance als Lucia abliefert. In vielen kleinen Nuancen schafft sie es, ihre innere Zerrissenheit auf den Zuschauer zu übertragen, ohne zu theatralisch oder unglaubwürdig zu wirken. Auch Mina Švajger als Ana Maria macht in ihren Szenen einiges gut.
Der Look, der ganz oft sehr nah an den Charakteren dran ist oder einfach nur Menschen am Wasser sitzen zeigt, gibt einem ein ganz eigenartiges Gefühl von Freiheit und Leidenschaft. Gerade durch die nahe Kamera wirken viele der emotionalen Szenen noch greifbarer und menschlicher. Die Musik, der Gesang der Mädchen, ist dabei herausragend und sorgt gerade am Anfang für Gänsehaut.
Fazit
Das hier mag garantiert nicht jedem gefallen. Es ist ein langsam erzähltes Coming-of-Age-Drama aus Slowenien über Religion, Sexualität, Freiheit und den Drang danach, sich frei zu entfalten – mit toller Kamera, starken Darstellerinnen und einigen Momenten, die man nicht so schnell aus dem Kopf bekommt.
Der Film startet am 29. Januar 2026 in den deutschen Kinos.


