Anfang der 1990er Jahre in Russland: Vadim Baranov (Paul Dano), ein talentierter junger Mann, schlägt sich durch das postsowjetische Chaos. Zunächst ist er als Künstler aktiv, später als Produzent von Reality-TV, rückt er in die Nähe der Macht und wird zum Berater eines ehrgeizigen KGB-Agenten – Wladimir Putin (Jude Law). Schritt für Schritt gestaltet Baranov das politische System mit und verwischt die Linien zwischen Wahrheit und Manipulation. Jahre danach, längst zurückgezogen und vom Schweigen umgeben, entscheidet er sich, über die verborgenen Seiten des Regimes zu sprechen, das er einst mit aufgebaut hat.
Die Geschichte hätte man viel besser als Miniserie erzählen können/sollen, dann hätte man noch tiefer ins Detail gehen können, so hat der Film trotz seiner Laufzeit von 145 Minuten noch viel Potential nach oben. Gefallen hat mir "Der Magier im Kreml" dennoch, diese didaktische Erzählung und Offenlegung der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung Russlands vom Ende der 1980er Jahre bis zum Jahr 2019 fand ich spannend, ich finde aber auch die russische Politik spannend.
Paul Dano in der Hauptrolle bietet mit seinem Spiel keine emotionalen Ausbrüche, dafür verkörpert er aber das Nüchterne und Kalkulierende Wadim Baranows vortrefflich, man kann ihm ständig beim Denken zusehen, wie er im Kopf Abläufe vorhersieht oder mehrere Schritte im Voraus plant, wie er stets die Kontrolle im Raum und über die Situation inne hat*, eben wie der politische Schachspieler und Regisseur, der er ist. (Die fiktive Figur basiert auf Wladislaw Surkow.)
* Mit Ausnahme der Endeinstellung, in der er erschossen wird. Aber ich gehe davon aus, selbst das hat Baronow kommen sehen, nur den Zeitpunkt nicht.
Wenn man das Charakter-Psychogramm eines politischen Machtmenschen sehen möchte, sollte man stattdessen aber lieber zu "The Apprentice" greifen.
Ferner sollte man hier keinen Film über Wladimir Putin erwarten, er nimmt hier nur eine Nebenrolle ein, wobei es schon erschreckend ausfällt, wie glaubwürdig Jude Law als Putin auftritt. "Der Magier im Kreml" ist durchzogen von realen Dokumentaraufnahmen und man könnte meinen, Laws Putin gehöre auch dazu.
Alicia Vikander als Geliebte Ksenia und Will Keen als Oligarch Boris Beresowski agieren in Graustufen als moralischer Kontrast und Stimmen der demokratischen Vernunft im Gegenspiel mit Paul Danos Wadim Baranow.
Meine Bewertung
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."