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Dr. House

Moviejones | 04.12.2021

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DirtyMary : : Moviejones-Fan
04.07.2014 04:37 Uhr | Editiert am 04.07.2014 - 04:50 Uhr
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Dabei seit: 07.08.13 | Posts: 175 | Reviews: 33 | Hüte: 6
Dr. House is in da House

Dr. House rockte von Anfang an. Als geborener Misanthrop leistet er sich das, was ein echter Arzt nur zu denken, aber niemals auszusprechen wagt: “Everybody lies”.
Mit einem Dr. Gregory House will man privat nichts zu tun haben. Witze auf Kosten von Frauen, Minderheiten, Behinderten und vor allem auf Kosten seiner Patienten gehören zum Standardrepertoire seiner Berufsauffassung und seines Menschenbilds. Und sein persönliches soziales Umfeld mit dem bemitleidenswerten einzigen Freund Dr. Wilson und der noch bemitleidenswerteren Vorgesetzten und späteren Geliebten Dr. Cuddy bekommt dies ganz besonders zu spüren. Ganz zu schweigen von seinem Team, welches nicht nur regelmässig gedemütigt, sondern sich auch gegeneinander aufhetzen lassen muss.

Und der bis dahin wenig bekannte englische Darsteller Hugh Laurie ist mit dieser Rolle wirklich schlagartig zu einer der berühmtesten und beliebtesten Serienstars aller Zeiten geworden?
Laurie soll sich angeblich mächtig ins Zeug gelegt haben, um an diese Rolle zu kommen. Denn bislang waren Arzt-Serien vor allem für ihre soap-artige, - frei nach Dr. House - feminin ausgerichtete Struktur bekannt. Eine heile Halbgott-in-weiss-Welt wird kontrastiert mit erschütternden Einzelschicksalen, aber am Ende jeder Folge blitzt ein Silberstreifen am Horizont auf.

Dr. House hingegen funktioniert nicht nur als Parodie und Gegenstück zu der unrealistischen Verklärung der Krankenhauswelt, die Serie setzt auch eigene Akzente. Denn auch wenn Greg House mit seinem Krückstock, seiner Vicodinabhängigkeit ein grober Klotz ist, der sich nicht für seine Patienten, sondern nur für das Lösen medizinischer Rätsel interessiert, so ist diese Art von Diagnostik und ärztliche Betreuung nicht weniger menschlich als die Menschelnde.
House interessiert sich nicht dafür, ob jemand krankenversichert ist oder nicht, entweder ein Fall weckt sein Interesse oder eben nicht. Eine Diskriminierung, wie in der Realität üblich, findet auf diese Art und Weise gerade nicht statt. Auch kümmert sich House um diejenigen, die im medizinischen Fliessbandbetrieb oft zu kurz kommen. Denn Menschen mit seltenen Erkrankungen werden oft gar nicht oder sehr(zu) spät richtig diagnostiziert.

Aber nicht nur diesbezüglich hat diese Serie eine Art akademischen Wert. In einer Uni in Deutschland bekommen die dortigen Medizinstudenten regelmässig Unterricht anhand Dr. House, in dem man sich gemeinsam den Beginn einer Folge ansieht und ein echter Medizinprofessor die Studenten auffordert eine Diagnose zu stellen, die sich am Ende der Folge möglichst als die Richtige erweisen soll.

Ja, es stimmt, der Unterhaltungswert einer TV-Serie wird durch einen “akademischen” Wert nicht unbedingt befeuert. Auch sind die in der Serie abgehandelten Fälle oft einfach nur nach dem Strickmuster “Patient der Woche” aufgebaut und die Nebendarsteller gehen durch die Omnipräsenz des “Chefs” nicht gerade selten unter. Auch der stetige Versuch einen ernsthaften Gegenspieler gegen den Rüpel einzubauen gelingt bis auf eine Ausnahme (David Morse als Polizist, der House aus dem Spiel nehmen will) nicht wirklich, so daß die One-man-Show in allen Staffeln praktisch ununterbrochen auf vollen Touren läuft.
Wer aber mit dieser Art von zynischem Humor und der grossartigen Darbietung von Hugh Laurie was anfangen kann, dürfte den Konsum der Serie sicher nicht bereut haben. Die ganz treuen Fans wurden auch immer mal wieder für ihre Treue belohnt, in dem Geschichten mal aus einer anderen Perspektive, nicht linear oder einfach mal abseits des Krankenhausbetriebs erzählt wurden. Gerade wenn es “raus auf die Strasse” ging, entwickelten die Storys sehr häufig eine überraschende Tiefe.
Nicht zufällig endet die Serie mit einer finalen Doppelfolge weit ausserhalb des Krankenhauses. Und das kann wahrlich nicht jede Serie von sich behaupten: das Ende ist würdig und beseelt.

P.S.: In England hat man versucht mit Monroe eine leicht ähnlich gelagerte Serie zu etablieren, welche insgesamt vom Gesamtkonzept eigentlich sogar besser funktioniert, aber halt nicht diesen ausgeprägten Hauptdarsteller aufweisen kann. Ein House ist nun mal durch nichts und niemanden zu ersetzen.
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