
Die nächste Generation von Hollywood-Regisseuren kommt nicht mehr von Filmhochschulen, sondern direkt von YouTube. Besonders im Horrorgenre gelingt immer mehr jungen Creatorn der Sprung vom Internet zu großen Filmproduktionen – teilweise sogar mit überraschenden Kinoerfolgen. Entwickelt sich hier gerade das Kino von morgen?
Kane Parsons und die Backrooms
Ein besonders spannendes Beispiel für diese Entwicklung ist Kane Parsons. Der britisch-amerikanische Filmemacher wird mit Backrooms zum bislang jüngsten Regisseur bei A24. Im Alter von nur 16 Jahren begann er mit der Produktion der Webserie The Backrooms: Found Footage auf seinem YouTube-Kanal "Kane Pixels". Die aufwendig produzierten Horrorvideos erreichten innerhalb kürzester Zeit Millionen Aufrufe und weckten schnell das Interesse Hollywoods. A24 sicherte sich schließlich die Rechte an einer Filmadaption.
"Backrooms" Trailer 1 (dt.)
Wenn Backrooms am 29. Mai in den USA startet, wird der 2005 geborene Parsons gerade einmal 20 Jahre alt sein. Der Deutschlandstart erfolgt am 18. Juni im Verleih von Constantin Film. Da die sogenannten "Backrooms" als virale Creepypasta besonders auf TikTok und YouTube millionenfach geklickt werden, könnte sich der Horrorfilm zu einem echten Erfolg entwickeln.
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Parsons ist längst kein Einzelfall mehr. Bereits 2023 erzielten die Brüder Danny und Michael Philippou mit dem Horrorfilm Talk to Me einen Überraschungserfolg und sind spätestens seit ihrem zweiten Film Bring Her Back fest in Hollywood etabliert. Bekannt wurden beide durch den YouTube-Kanal "RackaRacka".
Aktuell sorgt außerdem Curry Barker für Aufsehen. Sein Horrorfilm Obsession - Du sollst mich lieben hat bei einem Budget von einer Million US-Dollar weltweit schon etwa 90 Millionen US-Dollar eingespielt und konnte seine Einnahmen am zweiten US-Wochenende sogar steigern. Der 26-Jährige startete seine Karriere ebenfalls auf YouTube.
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YouTube als neue Talentschmiede
Die Entwicklungen in der Filmbranche zeigen, dass angehende Regisseure einen Vorteil haben, wenn sie bereits erfolgreiche YouTube-Kurzfilme vorweisen können. Das ist auch für die großen Produktionsstudios interessant. Sie können sich nicht nur einen Überblick über die Fähigkeiten machen, sondern sehen gleichzeitig, wie Zuschauer auf die Projekkte reagieren. Ein Konzept, das auf YouTube bereits Millionen Menschen erreicht hat, gilt dabei als deutlich kalkulierbarere Investition als vollkommen neue Ideen ohne bestehende Fangemeinde.
In einem Interview mit der Seite But Why Tho? erzählt Curry Barker außerdem, dass er jeden Film ohne großes Budget plane. Immerhin habe er Erfahrung damit, Kurzfilme ohne Budget oder Filme mit lediglich 800 US-Dollar umzusetzen. Er habe beim Schreiben der Szenen zudem stets die Nachbearbeitung im Hinterkopf. Das unterscheidet junge Filmemacher von etablierten Regisseuren: Sie sind es gewohnt, vom Drehbuch bis zur Nachbearbeitung das meiste selbst zu machen.
Wie die Gen-Z das Kino prägt
Die neue Regie-Generation erzählt ihre Geschichten häufig anders als klassische Hollywood-Regisseure. So brechen die jungen Filmemacher traditionelle Erzählmuster auf und setzen stattdessen auf schnelleres Pacing, intensivere Atmosphäre und auffällige Bildsprache. Das überrascht kaum, schließlich stammen viele von ihnen aus einer Internetkultur, in der YouTube, TikTok und soziale Medien permanent um Aufmerksamkeit konkurrieren. Statt langer Expositionen oder klassischer Spannungsbögen stehen oft unmittelbare Stimmung, Mystery-Elemente und Zuschauertheorien im Mittelpunkt.
Im Horrorgenre ist dieser Einfluss wohl am deutlichsten zu sehen. Projekte wie Backrooms oder Exit 8 leben weniger von komplexen Geschichten als von verstörenden Bildern und dem Gefühl permanenter Unsicherheit. Gleichzeitig entwickeln viele Creator ihre Ideen direkt mit der Community weiter. Kommentare, Diskussionen und Fan-Theorien beeinflussen ihre Arbeit, was ein deutlicher Unterschied zu klassischen Hollywood-Produktionen ist.
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Das Experimentieren und der Fokus auf die Inszenierung bedeuten aber nicht zwangweise, dass der Inhalt vernachlässigt wird. So erzählt Obsession etwa von dem tiefen Wunsch nach Liebe und Anerkennung. Dabei verbindet er psychologischen Horror mit moralischen Fragen. Auch außerhalb der Internet-Horror-Szene zeigen junge Regisseure wie Emma Seligman, dass die junge Generation wichtige Geschichten zu erzählen hat. In Filmen wie Shiva Baby oder Bottoms verbindet sie feministische und jüdische Perspektiven mit schwarzem Humor und Gesellschaftskritik.
Ein Glücksfall für Hollywood?
Für Hollywood sind die neuen YouTube-Regisseure auf den ersten Blick ein Vorteil. Sie können kostengünstig Filmemacher engagieren, die bereits Erfahrung und eine Fanbase haben. Im Fall von Backrooms sogar ein komplett erprobtes Konzept. Besonders junge Zuschauer können sich dabei auf Umsetzungen aktueller Trends freuen, die zusätzlich ihre eigenen Sehgewohnheiten beachten. Schnnelleres Pacing und eine packende Atmosphäre scheinen die Gen-Z zu begeistern.
Allerdings birgt das auch Gefahren. Ein zu starker Fokus darauf, Algorithmen zu gefallen, kann zu Lasten der Geschichte gehen. Es droht außerdem, dass Regisseure sich genötigt sehen, sich den kurzen Aufmerksamkeitsspannen anzupassen.
Nichtsdestotrotz gibt es auch Beispiele junger Filmemacher, die zeigen, dass eine intensive Atmosphäre und eine interessante Geschichte sich nicht ausschließen müssen. In Zukunft dürfte sich der Trend fortsetzen und Regisseure, die vorher auf YouTube geübt haben, könnten noch öfter große Filme übernehmen.
