Anzeige
Anzeige
Anzeige

Backrooms

News Details Kritik Trailer
Von YouTube nach Hollywood

"Backrooms", "Obsession" oder "Talk to Me": Wie junge YouTuber das Kino erobern

"Backrooms", "Obsession" oder "Talk to Me": Wie junge YouTuber das Kino erobern
8 Kommentare - Do, 28.05.2026 von Alex Wall
Junge Filmemacher schaffen den Sprung von YouTube nach Hollywood – besonders im Horror-Genre entstehen so überraschende Kinohits. Entwickelt sich hier die nächste große Generation von Regisseuren?
"Backrooms", "Obsession" oder "Talk to Me": Wie junge YouTuber das Kino erobern

Die nächste Generation von Hollywood-Regisseuren kommt nicht mehr von Filmhochschulen, sondern direkt von YouTube. Besonders im Horrorgenre gelingt immer mehr jungen Creatorn der Sprung vom Internet zu großen Filmproduktionen – teilweise sogar mit überraschenden Kinoerfolgen. Entwickelt sich hier gerade das Kino von morgen?

Kane Parsons und die Backrooms

Ein besonders spannendes Beispiel für diese Entwicklung ist Kane Parsons. Der britisch-amerikanische Filmemacher wird mit Backrooms zum bislang jüngsten Regisseur bei A24. Im Alter von nur 16 Jahren begann er mit der Produktion der Webserie The Backrooms: Found Footage auf seinem YouTube-Kanal "Kane Pixels". Die aufwendig produzierten Horrorvideos erreichten innerhalb kürzester Zeit Millionen Aufrufe und weckten schnell das Interesse Hollywoods. A24 sicherte sich schließlich die Rechte an einer Filmadaption.

"Backrooms" Trailer 1 (dt.)

Wenn Backrooms am 29. Mai in den USA startet, wird der 2005 geborene Parsons gerade einmal 20 Jahre alt sein. Der Deutschlandstart erfolgt am 18. Juni im Verleih von Constantin Film. Da die sogenannten "Backrooms" als virale Creepypasta besonders auf TikTok und YouTube millionenfach geklickt werden, könnte sich der Horrorfilm zu einem echten Erfolg entwickeln.

Parsons ist längst kein Einzelfall mehr. Bereits 2023 erzielten die Brüder Danny und Michael Philippou mit dem Horrorfilm Talk to Me einen Überraschungserfolg und sind spätestens seit ihrem zweiten Film Bring Her Back fest in Hollywood etabliert. Bekannt wurden beide durch den YouTube-Kanal "RackaRacka".

Aktuell sorgt außerdem Curry Barker für Aufsehen. Sein Horrorfilm Obsession - Du sollst mich lieben hat bei einem Budget von einer Million US-Dollar weltweit schon etwa 90 Millionen US-Dollar eingespielt und konnte seine Einnahmen am zweiten US-Wochenende sogar steigern. Der 26-Jährige startete seine Karriere ebenfalls auf YouTube.

YouTube als neue Talentschmiede

Die Entwicklungen in der Filmbranche zeigen, dass angehende Regisseure einen Vorteil haben, wenn sie bereits erfolgreiche YouTube-Kurzfilme vorweisen können. Das ist auch für die großen Produktionsstudios interessant. Sie können sich nicht nur einen Überblick über die Fähigkeiten machen, sondern sehen gleichzeitig, wie Zuschauer auf die Projekkte reagieren. Ein Konzept, das auf YouTube bereits Millionen Menschen erreicht hat, gilt dabei als deutlich kalkulierbarere Investition als vollkommen neue Ideen ohne bestehende Fangemeinde.

In einem Interview mit der Seite But Why Tho? erzählt Curry Barker außerdem, dass er jeden Film ohne großes Budget plane. Immerhin habe er Erfahrung damit, Kurzfilme ohne Budget oder Filme mit lediglich 800 US-Dollar umzusetzen. Er habe beim Schreiben der Szenen zudem stets die Nachbearbeitung im Hinterkopf. Das unterscheidet junge Filmemacher von etablierten Regisseuren: Sie sind es gewohnt, vom Drehbuch bis zur Nachbearbeitung das meiste selbst zu machen.

Wie die Gen-Z das Kino prägt

Die neue Regie-Generation erzählt ihre Geschichten häufig anders als klassische Hollywood-Regisseure. So brechen die jungen Filmemacher traditionelle Erzählmuster auf und setzen stattdessen auf schnelleres Pacing, intensivere Atmosphäre und auffällige Bildsprache. Das überrascht kaum, schließlich stammen viele von ihnen aus einer Internetkultur, in der YouTube, TikTok und soziale Medien permanent um Aufmerksamkeit konkurrieren. Statt langer Expositionen oder klassischer Spannungsbögen stehen oft unmittelbare Stimmung, Mystery-Elemente und Zuschauertheorien im Mittelpunkt.

Im Horrorgenre ist dieser Einfluss wohl am deutlichsten zu sehen. Projekte wie Backrooms oder Exit 8 leben weniger von komplexen Geschichten als von verstörenden Bildern und dem Gefühl permanenter Unsicherheit. Gleichzeitig entwickeln viele Creator ihre Ideen direkt mit der Community weiter. Kommentare, Diskussionen und Fan-Theorien beeinflussen ihre Arbeit, was ein deutlicher Unterschied zu klassischen Hollywood-Produktionen ist.

Das Experimentieren und der Fokus auf die Inszenierung bedeuten aber nicht zwangweise, dass der Inhalt vernachlässigt wird. So erzählt Obsession etwa von dem tiefen Wunsch nach Liebe und Anerkennung. Dabei verbindet er psychologischen Horror mit moralischen Fragen. Auch außerhalb der Internet-Horror-Szene zeigen junge Regisseure wie Emma Seligman, dass die junge Generation wichtige Geschichten zu erzählen hat. In Filmen wie Shiva Baby oder Bottoms verbindet sie feministische und jüdische Perspektiven mit schwarzem Humor und Gesellschaftskritik.

Ein Glücksfall für Hollywood?

Für Hollywood sind die neuen YouTube-Regisseure auf den ersten Blick ein Vorteil. Sie können kostengünstig Filmemacher engagieren, die bereits Erfahrung und eine Fanbase haben. Im Fall von Backrooms sogar ein komplett erprobtes Konzept. Besonders junge Zuschauer können sich dabei auf Umsetzungen aktueller Trends freuen, die zusätzlich ihre eigenen Sehgewohnheiten beachten. Schnnelleres Pacing und eine packende Atmosphäre scheinen die Gen-Z zu begeistern.

Allerdings birgt das auch Gefahren. Ein zu starker Fokus darauf, Algorithmen zu gefallen, kann zu Lasten der Geschichte gehen. Es droht außerdem, dass Regisseure sich genötigt sehen, sich den kurzen Aufmerksamkeitsspannen anzupassen.

Nichtsdestotrotz gibt es auch Beispiele junger Filmemacher, die zeigen, dass eine intensive Atmosphäre und eine interessante Geschichte sich nicht ausschließen müssen. In Zukunft dürfte sich der Trend fortsetzen und Regisseure, die vorher auf YouTube geübt haben, könnten noch öfter große Filme übernehmen.

Quelle: Moviejones
Erfahre mehr: #Horror, #Thriller, #Kino
Mehr zum Thema
Horizont erweitern
Was denkst du?
Ich stimme den Anmelderegeln beim Login zu!
8 Kommentare
Avatar
MrBond : : Imperialer Agent
29.05.2026 12:00 Uhr
0
Dabei seit: 03.12.14 | Posts: 4.145 | Reviews: 30 | Hüte: 653

@PaulLeger

Ja, genau. Ich bin halt erst einmal von dem Material ausgegangen, das offenbar in seiner Ursprungsform das Interesse des Studios geweckt hat - und das müssten ja die Youtube-Videos (bzw. Filme) gewesen sein, bei denen noch keine Hollywood-Profis dran geschraubt haben.

“Sehe ich so aus als ob mich das interessiert?!"

Avatar
doctorwu1985 : : Moviejones-Fan
28.05.2026 23:52 Uhr
0
Dabei seit: 13.09.15 | Posts: 676 | Reviews: 0 | Hüte: 18

Mir fehlt noch das "Urgestein" dieser Welle:

David S. Sandberg, welcher nach seiner Langfilm Version von "Lights Out" bereits 4 weitere, nicht unbedingt kleine, Filme machen durfte.

Avatar
PaulLeger : : Moviejones-Fan
28.05.2026 15:57 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 2.951 | Reviews: 18 | Hüte: 313

@ MrBond

Achso, du meintest dann wohl ihre YouTube-Sachen. Dachte es ging um die Kinofilme, die in dem Artikel erwähnt werden, und bei "Obsession" oder "Backrooms" haben Universal bzw. A24 den Regisseuren natürlich geschulte Crew-Mitglieder zur Seite gestellt.

MJ-Pat
Avatar
sid : : Kultopfer
28.05.2026 14:26 Uhr
0
Dabei seit: 01.10.12 | Posts: 2.731 | Reviews: 18 | Hüte: 63

Iron Lung mit Mark Fischbach als Regisseur fällt mir noch ein. 3 Mio. Budget und allein in den USA 41 Mio. Einspiel und das auch noch mit einer sehr speziellen Geschichte.

Das ist nicht so erstaunlich, finde ich. YouTube und Co. ist sozusagen eine harte Vorprüfung und wer sich da durchsetzt, muss was draufhaben.

Avatar
MrBond : : Imperialer Agent
28.05.2026 12:45 Uhr | Editiert am 28.05.2026 - 12:47 Uhr
0
Dabei seit: 03.12.14 | Posts: 4.145 | Reviews: 30 | Hüte: 653

@PaulLeger

"Für die meisten dieser Punkte ist der Kameramann zuständig"

Ja, das stimmt. Aber die Youtuber sind ja meistens weder geschulte Kameramänner, noch geschulte Regisseure. Ich vermute mal (kann mich irren), dass da meistens Regisseur, Kameramann, Tonmann, Cutter, etc. ein und dieselbe Person ist. Ansonsten gibt es sicher grössere Teams, aber geschult vermutlich trotzdem nicht.

"Ich bezweifle, dass sich AI-Slop zu unseren Lebzeiten durchsetzt. Ich kenne keinen Menschen, der diesen Scheiß sehen will."

Here we go: wink (keine Ahnung, ob das jemand sehen will... ^^)

“Sehe ich so aus als ob mich das interessiert?!"

Avatar
PaulLeger : : Moviejones-Fan
28.05.2026 12:24 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 2.951 | Reviews: 18 | Hüte: 313

@ MrBond

Für die meisten dieser Punkte ist der Kameramann zuständig, der die entsprechende Ausbildung hat und den Regisseur idealerweise darauf hinweist, wenn die 180°-Regel gebrochen wird, das Licht nicht ausreicht, etc. All die Posten wie Kameramann, Beleuchter, usw. sind auf dem Filmset einer Studioproduktion eben mit absoluten Profis besetzt, der Regisseur muss im Grunde nur fähig sein, ihnen seine Vision zu vermitteln, die konkrete Umsetzung obliegt dann ihnen. Gibt natürlich viele Regisseure, die sich auch mit den technischen Aspekten sehr gut auskennen und sie teilweise übernehmen, aber eine Voraussetzung ist es nicht.

Ich bezweifle, dass sich AI-Slop zu unseren Lebzeiten durchsetzt. Ich kenne keinen Menschen, der diesen Scheiß sehen will.

Avatar
MrBond : : Imperialer Agent
28.05.2026 11:39 Uhr | Editiert am 28.05.2026 - 11:42 Uhr
0
Dabei seit: 03.12.14 | Posts: 4.145 | Reviews: 30 | Hüte: 653

Wow. Respekt. Ich würde ja sagen, dass es schon beachtlich ist, dass Leute, die nie eine Filmhochschule besucht haben, sich mit der ganzen Technik auskennen... von Lichtsetzen, über 180-Grad-Regel, bis hin zu Kamerasettings und dem filmischen "goldenen Schnitt" (vom Pacing, Rhythmus und Timing mal abgesehen). Klar, das kann man mittlerweile alles in Youtube-Turorials lernen, aber selbst dann vergisst man das ein oder andere am Filmset gerne mal (selbst erlebt) und kämpft plötzlich mit Achsensprüngen in der Postpro. Von daher wirklich Respekt, wenn da so viel Talent vorhanden ist (generell war ich schon immer der - zugegeben etwas polemischen - Meinung, dass ein wahrer Künstler keine Ausbildung benötigt).

Allerdings glaube ich auch, dass gerade mit KI in nächster Zeit eine ganze Fülle an Youtubern mit unglaublichen, kinoreifen Beiträgen aufwarten werden. Man braucht dann das meiste Wissen gar nicht mehr, da die KI das alles macht. Schauspieler? Geschenkt. Sound/Musik? Effekte? Settings und Kulissen? Alles im Paket. Einzig die Reichweite des Youtubers und ggf. noch die Story des Films wird dann noch über Erfolg und Misserfolg entscheiden.

“Sehe ich so aus als ob mich das interessiert?!"

Avatar
Stahlking : : Moviejones-Fan
28.05.2026 10:16 Uhr
0
Dabei seit: 23.12.09 | Posts: 306 | Reviews: 0 | Hüte: 4

Finde ich Super.. Hollywood braucht neue und talentierte Menschen.YouTube ist dafür perfekt geeignet.

Seit Talk to me und den hervorragenden Bring her Back bin ich ein Fan von Danny und Michael Philippou...Bin gespannt was sie noch so parat haben.

Forum Neues Thema