„Die Nibelungen – Kampf der Königreiche“ ist eine sechsteilige Eventserie von RTL+, die die berühmte Nibelungensage als düsteres Fantasy-Drama neu interpretiert. Im Mittelpunkt stehen Kriemhild, Siegfried und Hagen, deren Schicksale sich in einem Netz aus Liebe, Verrat und Machtkämpfen im mittelalterlichen Burgund verweben. Die Serie basiert auf dem Roman „Hagen von Tronje“ von Wolfgang Hohlbein und wurde von Constantin Film produziert.
„Die Nibelungen – Kampf der Königreiche“ ist eine RTL Eventserie, die sowas wie die Langfassung des Films „Hagen“ darstellt. Dem Ganzen zugrunde liegt der Roman „Hagen von Tronje“ des deutschen Autors Wolfgang Hohlbein.
Den Film habe ich nicht gesehen, daher ist diese längere Version eine gute Idee… dachte ich zumindest.
Eine alternative Erzählung der Nibelungensage ist ja grundsätzlich eine hervorragende Idee und unter Zuhilfenahme von Hohlbeins „Hagen von Tronje“ ein spannendes Projekt.
Warum man das nun aber als eine Verfilmung von Hohlbeins Werk sieht, bleibt mir eher schleierhaft, denn außer den grundsätzlichen Kern, bewegt man sich dann doch eher „losgelöst“ der Romanvorlage, aber das kennen wir ja bereits von anderen Verfilmungen.
Der originelle Ansatz des Romans war halt eben, dass die Geschichte aus der Perspektive von Hagen geschildert wird und eben nur aus seiner Sicht. Hier sehen wir schon mal die Geschichte aus der Perspektive von jedem der irgendwo herumläuft.
Auch das wäre wohl noch kein Problem, vielleicht ein Dämpfer, weil eher unoriginell, aber der talentfreie deutsche Cast, der sich hölzern und typisch für deutsche Darsteller meist noch übertrieben dramatisiert, lässt die Begeisterung schnell verfliegen oder eher schnell Reißaus nehmen.
Ob Lilja van der Zwaag als Kriemhild, Dominic Marcus Singer als König Gunter, oder eine Rosalinde Mynster als Brunhild… das Horrorkabinett kennt keine Grenzen oder Mitleid. Das geht noch nicht mal mehr als „guilty pleasure“ durch vor lauter Fremdschämen.
Der Oberknaller ist aber Jannis Niewöhner als besonders cooler Siegfried. Keine zwei Sätze vernünftig aus dem Mund bekommen, aber dann einen mit den Kumpels auf „party people“ machen. Durch Niewöhners „Spiel“, wenn man das noch so nennen will, wirkt die Figur wie ein lächerlicher Fremdkörper, der jedes Mal Schmerzen verursacht, wenn er den Bildschirm betritt.
Im Roman ist gerade die Sicht von Hagen auf Siegfried besonders spannend, der ihn als eitlen Emporkömmling sieht, einen Schwätzer, der sich am Königshof ungerechtfertigt breit machen will. Aber nicht so eine miese Darstellung wie hier von Niewöhner abgeliefert wird.
Zugutehalten will ich dem Projekt, das zumindest Gijs Naber als Hagen im Gegensatz zum restlichen Cast, eine verdammt starke und eindringliche Leistung abliefert. Niber dominiert den Film in seinen Szenen und spielt halt auch auf einem deutlich höheren Level als der Rest vom Cast. Schade eigentlich das hier so ein Gefälle herrscht und damit das Gesamtbild runterzieht.
Den Roman habe ich vor Jahrzehnten gelesen, daher kann ich mich nicht mehr an jedes Detail erinnern und ob die alten Wesen dort auch so einen ausgeprägten Schwerpunkt hatten. Mir kam es bei der Serie mehr so vor, als würde man damit in Richtung Sapkowskis Witcher schielen. Ich lasse das aber aus meiner Wertung außen vor, da ich den Teil eher als neutral betrachte.
Immerhin konnte man durch den Dreh in Tschechien auf eine Reihe mehr als sehenswerter Locations und entsprechend eines Horts an Requisiten zurückgreifen, welche die Serie von der visuellen Seite nach oben hieven. Einzig der dauerhafte „Dunkel-Look“, dazu wieder besonders hässliche Grau- und Brauntöne, sowie der verstärkte Einsatz von recht kühlen Blaufiltern, verschlimmern das Gesamtbild wieder nach unten.
Im Gegensatz zum Roman endet die Serie auf einer etwas offeneren Note, wohl in der Hoffnung auf eine Fortsetzung, die ich nach Sichtung des bisherigen Materials nicht unbedingt brauche.
„Die Nibelungen – Kampf der Königreiche“ war ein ambitioniertes Projekt, das zwar auch seine positiven Seiten hat, aber sich dann doch eher selbst abgeschossen hat, was ich als sehr schade empfinde, denn ich denke hier wäre so viel mehr Potential vorhanden gewesen.
Meine Bewertung
"The Wheel weaves as the Wheel wills"