
Bewertung: 4 / 5
Mit Lanterns wagt sich DC an eine der bekanntesten Figuren aus seinem Universum und geht dabei einen durchaus ungewöhnlichen Weg. Wer hier ein klassisches Superheldenabenteuer mit viel Action wie Superman oder eine absurde Tragödie wie bei Peacemaker - Frieden um jeden Preis erwartet, dürfte zunächst überrascht sein. Nach drei Episoden ist Lanterns vor allem eine Mystery-Serie, die sich sehr viel Zeit für ihre Figuren und ihre Geschichte nimmt. Das ist interessant, aber auch ein durchaus riskanter Ansatz.
Eine etwas andere Green-Lantern-Serie
Im Mittelpunkt steht zunächst ein Mordfall in der amerikanischen Kleinstadt Rushville. Hal Jordan und John Stewart ermitteln gemeinsam und werden dabei als sehr unterschiedliche Charaktere etabliert, während gleichzeitig immer mehr Elemente der Green-Lantern-Mythologie hinzukommen.
Mit den als Menschen getarnten Außerirdischen, den Wächtern und schließlich Sinestro wird die zunächst überschaubare Geschichte immer größer. Dabei zeigt die Serie, dass sie durchaus bereit ist, ihre Comicwurzeln auszuspielen, ohne daraus einfach ein Feuerwerk bekannter Figuren zu machen.
Und genau das gefällt uns bislang: Lanterns ist kein belangloses Superheldengeprügel. Die Serie versucht tatsächlich, eine Geschichte zu erzählen.
Doch die Serie lässt sich Zeit
Das ist gleichzeitig der Punkt, an dem Lanterns sicherlich nicht jedem gefallen wird. Denn die Serie nimmt sich ausgesprochen viel Zeit.
Nach dem Auftakt konnte man durchaus erwarten, dass nun der Mordfall vorangetrieben wird und Hal Jordan und John Stewart langsam zu einem klassischen Buddy-Duo zusammenwachsen. Doch gerade Folge 3 nimmt das Tempo noch einmal deutlich heraus. Stattdessen beschäftigen wir uns ausführlich mit Johns Kindheit, seinen Eltern und der Frage, wie er überhaupt zu Hal Jordans Lehrling wurde.
Das ist interessant, aber auch riskant. Denn Hal und John bieten eigentlich eine hervorragende Ausgangslage für eine Buddy-Komödie oder zumindest ein Buddy-Drama. Der abgeklärte Veteran trifft auf den jungen, ausgesprochen kontrollierten Nachwuchs-Lantern. Die Gegensätzlichkeit der beiden funktioniert bereits ganz gut.
Die große Chemie gibt es allerdings noch nicht. Dafür reden die beiden bislang zu sehr aneinander vorbei und laufen zu sehr in unterschiedliche Richtungen. Es wirkt eher so, als müsse sich diese Beziehung erst noch entwickeln. Und vermutlich ist genau das der Plan der Serie.
John Stewart und die Angst
Besonders interessant wird dabei ein Motiv, das sich durch die Geschichte zieht: Angst. Green Lanterns dürfen keine Angst haben. Und bei Hal Jordan und John Stewart scheint diese Furchtlosigkeit auf sehr unterschiedliche Weise zum Ausdruck zu kommen.
Bei Hal wirkt sie beinahe wie Gleichgültigkeit. Ihm scheint vieles einfach egal zu sein. Er besitzt diese gewisse Lockerheit und Coolness, die ihn bislang auch zur unterhaltsamsten Figur der Serie macht.
John Stewart ist dagegen fast das komplette Gegenteil. Ihm fehlt diese Lockerheit. Er ist kontrolliert, ernst und möchte unbedingt das Richtige tun. Seine Eltern versuchen bereits in seiner Kindheit, ihn zur Furchtlosigkeit zu erziehen. Das ist zunächst einmal eine ziemlich schräge Vorstellung: Ein Kind soll lernen, keine Angst zu haben, mit durchaus fragwürdigen Methoden und einem enormen Ehrgeiz der Eltern. Die Serie hätte hier durchaus die Wendung nehmen können, dass irgendwann jemand das Jugendamt verständigt. Glücklicherweise scheinen die Nachbarn nicht mitzubekommen, dass Johns Vater mit seinem Sohn Wilhelm Tell spielt.
Die Serie stellt diesen Ehrgeiz der Eltern zugleich in den Zusammenhang mit ihren Erfahrungen als Schwarze in den USA. Johns Eltern sind in einer Zeit aufgewachsen, in der Rassismus und gesellschaftliche Benachteiligung noch stärker zum Alltag gehörten. John soll deshalb offenbar lernen, sich durchzusetzen, keine Angst zu zeigen und sich in einer Welt zu behaupten, die seiner Familie nicht immer freundlich begegnet ist. Ob daraus allerdings zwingend folgt, dass man einen Jungen derart fanatisch zur Furchtlosigkeit erziehen muss, sei einmal dahingestellt.
Das ist zudem eine riskante Entscheidung. Zuschauer, die solche gesellschaftlichen Themen nicht auch noch in einer Green-Lantern-Serie sehen möchten, dürften damit wenig anfangen können. Andererseits gehört diese Dimension zu John Stewart und seiner Geschichte in den Comics und kommt deshalb nicht völlig überraschend. Vor allem erklärt sie gemeinsam mit seiner Kindheit einiges über den Charakter. John wirkt wie jemand, der gelernt hat, sich selbst zu kontrollieren. Er will das Richtige tun, nimmt seine Aufgabe ernst und lässt sich nicht leicht aus der Ruhe bringen. Nur scheint ihm dabei etwas abhandengekommen zu sein: eine gewisse Leichtigkeit.
So entsteht eine interessante Gegenüberstellung. Beide Figuren sind auf ihre Weise furchtlos, doch bei Hal führt diese Furchtlosigkeit beinahe zu Gleichgültigkeit, während sie bei John mit Kontrolle und einer gewissen Freudlosigkeit verbunden ist. John wirkt dadurch stellenweise fast bedrückend, während Hal deutlich lockerer durchs Leben geht.
Ob diese Verbindung zwischen Angst, Furchtlosigkeit und den beiden Hauptfiguren tatsächlich eines der zentralen Themen der Serie ist, können wir nach drei Episoden natürlich noch nicht sagen. Interessant ist sie aber allemal.
Viele Besonderheiten
Überhaupt besitzt Lanterns einige Eigenheiten, die man mögen kann, aber sicherlich nicht mögen muss. Auffällig ist zunächst die entsättigte, fast schon ausgewaschene Farbgebung. Grau-, Braun- und Erdtöne dominieren, kräftige Farben sucht man weitgehend vergeblich. Das verleiht der Serie einen sehr geerdeten, teilweise geradezu trostlosen Look. Dazu kommen Entscheidungen wie Johns Veganismus, die ebenfalls bereits für Diskussionen gesorgt haben. Uns gefällt das, aber das kann man natürlich anders sehen.
Auch das Thema Hautfarbe beziehungsweise Rassismus wird aufgegriffen. Man kann durchaus die Frage stellen, ob eine Serie über Green Lantern diese gesellschaftlichen Themen in dieser Form behandeln muss. Gleichzeitig ist John Stewart eben eine Figur, deren Geschichte schon immer auch mit dieser Dimension verbunden war.
Wir würden deshalb nicht jede dieser Entscheidungen automatisch loben. Lanterns geht hier Risiken ein und versucht, sich eine eigene Identität zu geben. Nicht alles davon muss bei jedem Zuschauer funktionieren.
Ein guter Cast
Beim Cast gibt es dagegen nur Gutes zu sagen. Insgesamt machen die Darsteller einen guten Job.
Besonders Kyle Chandler als Hal Jordan gefällt uns. Hal ist bislang die Figur, bei der wir am meisten Spaß haben. Chandler vermittelt diese Mischung aus Erfahrung, Coolness und einer gewissen Gleichgültigkeit ausgesprochen gut.
Auch Aaron Pierre funktioniert als John Stewart. Gerade seine kontrollierte und ernste Art passt zu dem Charakter, den uns die Serie bislang präsentiert.
Hervorheben möchten wir außerdem Kelly Macdonald, die viele noch aus ihrer ersten Rolle Trainspotting - Neue Helden kennen dürften. Sie bringt als Sheriff Kerry eine angenehme Präsenz in die Geschichte und passt gut in das eher bodenständige Umfeld der Serie. Sie scheint auch eine größere Rolle zu spielen.
Und was kommt noch?
Nach drei Episoden bleibt deshalb vor allem die Frage, wohin Lanterns eigentlich steuert. Die Serie könnte deutlich schneller erzählen. Sie könnte Hal und John stärker als Duo ins Zentrum stellen, den Mystery-Fall schneller vorantreiben und uns früher mehr von ihrem großen Green-Lantern-Universum zeigen.
Stattdessen baut sie langsam auf. Auch die unterschiedlichen Zeitebenen machen den Einstieg nicht unbedingt einfacher. Bislang wurde lediglich angedeutet, dass Johns spätere Ermittlungen rund um seinen ehemaligen Mentor noch eine Rolle spielen könnten. Wirklich ausgespielt wird dieser Handlungsstrang bisher noch nicht.
Das alles macht Lanterns etwas sperrig. Gleichzeitig haben wir nach drei Episoden nicht das Gefühl, dass die Serie einfach nur Zeit verliert.
Im Gegenteil: Je länger man zusieht, desto stärker entsteht der Eindruck, dass hinter den vielen Fragen und Entscheidungen noch etwas Größeres steckt. Wir haben das Gefühl, dass Lanterns auf einen größeren Knall zusteuert. Natürlich ist das bislang nur eine Vermutung. Aber wir können uns nach diesen drei Episoden nur schwer vorstellen, dass am Ende ein völlig belangloses Finale wartet. Dafür baut die Serie ihre Geschichte zu bewusst und zu langsam auf.
Fazit
Lanterns ist nach drei Episoden sicherlich nicht die Serie, die wir erwartet haben. Sie ist kein klassisches Superheldenabenteuer und bislang auch nicht das erwartete Buddy-Drama zwischen Hal Jordan und John Stewart. Dass die Serie immer wieder mit True Detective verglichen wird, ist bekannt: Mordfall, ungleiches Ermittlerduo, Kleinstadtsetting, düstere Atmosphäre und eine Geschichte, die offenbar noch wesentlich größer werden soll. Nach drei Episoden sehen wir die Parallelen allerdings eher in der Ausgangslage als im eigentlichen Erzählgefühl.
Dafür bekommen wir eine Mystery-Geschichte, die sich Zeit für ihre Figuren nimmt, ihren Green-Lantern-Kosmos langsam erweitert und dabei auch gesellschaftliche Themen nicht ausspart.
Das funktioniert nicht immer vollkommen reibungslos. Das Tempo ist langsam, der Einstieg ist durch die Erzählweise nicht ganz einfach und zwischen Hal und John fehlt bislang noch die ganz große Chemie.
Trotzdem sind wir weiterhin positiv gestimmt. Der Cast funktioniert, Hal Jordan macht großen Spaß, die Green-Lantern-Mythologie wird interessant erweitert und John Stewart bekommt eine nachvollziehbare, wenn auch teilweise schwere Vorgeschichte.
Vor allem aber haben wir nach drei Episoden das Gefühl, dass Lanterns noch einiges vorhat. Wir wissen noch nicht, wohin die Reise geht. Aber wir sind ziemlich sicher, dass sie nicht mit einem belanglosen Finale enden wird.


