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Eyes Wide Shut

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Das letzte Werk eines Meisters

Stanley Kubricks "Eyes Wide Shut": Die verlorenen 20 Minuten?

Stanley Kubricks "Eyes Wide Shut": Die verlorenen 20 Minuten?
3 Kommentare - So, 06.09.2026 von MJ-TiiN
Vivian Kubrick, die Tochter des begnadeten Regisseurs äußerte sich über anhaltende Gerüchte, wonach das letzte Werk von Kubrick gekürzt worden sei. Wir blicken auf die Arbeitsweise des Meisters.
Stanley Kubricks "Eyes Wide Shut": Die verlorenen 20 Minuten?

Für viele gilt er als einer der größten Filmemacher aller Zeiten. Die Rede ist von Stanley Kubrick, dem Regisseur von Werken wie 2001 - Odyssee im Weltraum, Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben oder Shining. Der gebürtige Amerikaner zog in den 1960er Jahren nach England und nahm zunehmend Abstand von Hollywood und den dort üblichen Produktionsbedingungen.

Akribisch und zeitintensiv

Ab den späten 1970er Jahren benötigte Kubrick vor allem eines: viel Zeit für seine Filme. Zwischen der Veröffentlichung von Barry Lyndon und Shining lagen fünf Jahre, zwischen Shining und Full Metal Jacket sieben Jahre und erst zwölf Jahre später erschien mit Eyes Wide Shut sein letzter Film.

Das lag unter anderem daran, dass Kubrick unglaublich viel und akribisch für seine Werke recherchierte. Seine Frau beschrieb seine Arbeitsweise einmal als unglaublich gewissenhaft, aber auch langsam.

Wie langsam Kubrick teilweise arbeitete, zeigte sich auch bei Full Metal Jacket. Der Film entstand teilweise zeitgleich mit Oliver Stones Platoon, wobei Kubrick deutlich länger für die Dreharbeiten benötigte. Während Platoon bereits Ende 1986 in die Kinos kam, folgte Full Metal Jacket erst ein halbes Jahr später. An den Kinokassen hatte Oliver Stones Vietnamfilm anschließend deutlich mehr Erfolg.

Heute wollen wir einen Blick auf das letzte Werk von Stanley Kubrick richten. Doch gerade um Eyes Wide Shut rankt sich ein hartnäckiges Gerücht: Kubricks ursprüngliche Fassung soll rund 20 Minuten länger gewesen sein.

Das letzte Werk des Meisters

Eyes Wide Shut ist ein Erotikthriller mit Tom Cruise und Nicole Kidman in den Hauptrollen. Der Film orientiert sich, wie so viele Werke von Kubrick, an bestehender Literatur. In diesem Fall ist es die Traumnovelle von Arthur Schnitzler.

Dr. Bill Harford und seine Frau Alice führen das scheinbar perfekte Leben. Doch nach einem Streit startet Bill einen Streifzug durch das nächtliche New York und begibt sich auf eine emotionale Irrfahrt durch seine Träume und Lüste.

Bedauerlicherweise ist Stanley Kubrick bereits im Alter von 70 Jahren im Jahr 1999 aufgrund eines Herzinfarkts gestorben. Zu dieser Zeit war Eyes Wide Shut noch nicht veröffentlicht, jedoch vollständig abgedreht. Kubrick ist es sogar gelungen, kurz vor seinem Tod den Film fertig zu schneiden. Lediglich die Tonabmischung und die Musikuntermalung waren noch nicht abgeschlossen.

Die verlorenen 20 Minuten?

Vor einiger Zeit hat der Drehbuchautor Roger Avary ein älteres Gerücht über Eyes Wide Shut erneut angeheizt. In einem Podcast erzählte er davon, dass Kubricks letzter Film noch vor seiner seiner Veröffentlichung um 20 Minuten vom Studio gekürzt worden sein soll. Roger Avary ist ein Drehbuchautor, der in seinen Anfängen unter anderem für Quentin Tarantino schrieb (Reservoir Dogs - Wilde Hunde, Pulp Fiction) und der noch früher auch Kontakt zu Stanley Kubrick selbst gehabt haben soll.

Schon lange geistert die Aussage durch den Raum, dass Eyes Wide Shut möglicherweise gekürzt worden sein könnte und Kubricks ursprüngliche Version noch düsterer gewesen sei oder auch die legendäre Orgienszene noch expliziter war. Wirkliche Beweise oder konkrete Belege für diese These gab es nie.

Kubricks Tochter Vivian

Nun hat sich Stanley Kubricks Tochter Vivian auf X über diese Gerüchte geäußert und ihre Sichtweise der Dinge geteilt. Zur Einordnung: Vivian Kubrick ist inzwischen 66 Jahre alt und arbeitet als Komponistin. Zum Zeitpunkt von Kubricks Tod im März 1999 war sie 38 Jahre und lebte in Los Angeles.

Vivian erklärte zunächst, dass Kubrick nach der Fertigstellung seiner Filme die nicht verwendeten Szenen auf Filmrollen vernichten ließ. Er soll dies unter anderem deshalb getan haben, damit die Studios später nicht auf die Idee kommen konnten, auf das nicht verwendete Material zurückzugreifen und seine Filme möglicherweise zu verändern.

Als ihr Vater starb, musste Vivian zunächst von den USA nach England reisen. Sie unterbrach ihre laufenden Kompositionsarbeiten in den Staaten und flog in das Vereinigte Königreich. Nach der Beerdigung kehrte sie wieder in die USA zurück, um ihre Arbeit fortzusetzen. Sie habe nie Hinweise darauf gesehen, dass der finale Schnitt von Eyes Wide Shut nach dem Tod ihres Vaters noch einmal verändert worden sei.

Darüber hinaus beschreibt Vivian in ihrem X-Post den Prozess des Schneidens bei analogen Filmaufnahmen zu dieser Zeit, welcher deutlich aufwändiger war, als sich viele das heutzutage vorstellen können. Eine kurzfristige und umfangreiche Veränderung des bereits fertiggestellten Films erscheint vor diesem Hintergrund zumindest deutlich komplizierter, als es die heutige Vorstellung eines digitalen Filmschnitts vermuten lässt.

Ergänzen möchten wir an dieser Stelle, dass Stanley Kubrick seit Uhrwerk Orange mit Jan Harlan als Produzenten zusammenarbeitete. Harlan war nicht nur ein guter Freund von Kubrick, sondern der Bruder seiner Ehefrau Christiane. So war Jan Harlan auch als Produzent von Eyes Wide Shut eng involviert und war in die Fertigstellung des Films eingebunden. Dass eine umfangreiche Änderung des finalen Schnitts an ihm vorbeigegangen wäre, erscheint daher unwahrscheinlich.

Zudem gab auch Cutter Nigel Galt im Jahr 2025 an, dass nach Kubricks Tod nichts an dem Werk verändert wurde und der finale Schnitt „Stanley’s Cut“ sei.

Kubricks Vermächtnis

Unterm Strich bleibt es wohl dabei, dass die Diskussion um die verlorenen 20 Minuten nur eine weitere Erzählung um den begnadeten Filmemacher ist, der angeblich auch gefragt wurde, ob er die Mondlandung für die NASA inszenieren könne.

Viel interessanter ist, noch einmal zu hören, was für ein akribischer Arbeiter Kubrick doch war, wie viel Zeit er sich für seine Werke nahm, wie viel er recherchierte oder auch verwarf und dass er sogar nicht genutztes Filmmaterial im Anschluss vernichten ließ.

Eyes Wide Shut wurde damals von der Kritik durchaus zwiespältig aufgenommen. Erst im Laufe der Jahre fand das Werk zunehmend die Anerkennung, die es verdient. In manchen Bestenlisten von Kubricks Filmen rangiert sein letztes Werk inzwischen sogar auf den vorderen Plätzen.

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3 Kommentare
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Pixeler : : Moviejones-Fan
06.09.2026 21:16 Uhr
0
Dabei seit: 11.07.23 | Posts: 139 | Reviews: 0 | Hüte: 4

@Tiin
Danke für die Tipps.
Persönlich empfinde ich gewisse Werke von Alan Parker, z.T. Neil Jordan und ganz stark Costa-Gavras als "pädagogisch wertvoll" für Anspruchsvolle.
Manchmal gibt es Filme, die es so zu ihrer Zeit eigentlich nicht geben sollte. Dazu zähle ich "Revolver" von Guy Ritchie, "Sie leben" von Carpenter, "Matrix" von den Wachowskis und ein paar Werke von Kubrick. Filme die einen bewusstseinserweiternden Effekt haben können.
Filme die das Machtsystem demaskierien, Filme wie "Eyes Wide Shot".

Ich wünschte mir mehr rebellische Regisseure die sich "Down the rabbit hole" wagen. Im sozialkritischen Bereich hingegen gibt und gab es stets willige und fähige Filmschaffende. Nichts schmerzt so sehr wie die Wahrheit oder Zitat Jack Nicholson: "You cant handle the thruth".

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TiiN : : Goldkerlchen 2021
06.09.2026 14:23 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 10.635 | Reviews: 190 | Hüte: 728

@Pixeler

Ich hatte eher den Eindruck, dass Kubrick nach England gezogen ist, weil er sich weniger mit Amerika bzw. mit deren Filmwelt in Hollywood identifizieren konnte und ihm die europäische Sicht mehr zugesagt habe. Für meinen Geschmack fühlen sich viele Kubrickfilme auch eher europäisch als amerikanisch an. (Das Gegenteil übrigens von Hitchcock)

Vergleichbare Regisseure wie Kubrick? Ich habe mal von einem gegenwärtigen Regisseur die Aussage gehört, dass es nur einen Stanley Kubrick gibt bzw. gab und ich denke das hat es ganz gut getroffen. (Die Aussage kam von C. Nolan).

Was man aber vermutlich bei vielen gegenwärtigen Regisseuren gut beobachten kann ist, dass sie sich von Kubrick inspirieren ließen und man so auch dort Einflüsse von ihm erkennen kann. So steckten in Nolan, PTA, Glazer, von Trier, Haneke und früheren Villeneuves sicher auch etwas Kubrick drin.

Bei Regisseuren der Vergangenheit sind sicher Tarkowski oder Lynch vielversprechende Kandidaten. Mir fallen noch Godard, Bertolucci oder Bunuel ein. Nicht dass ich sagen würde, dass sie wie Kubrick waren, aber dass sie eben ihren ganz eigenen Stil hatten wo es durchaus mal unangenehm wurde. Aber trotzdem hat man die Intention dahinter erkennen oder erahnen können.


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Pixeler : : Moviejones-Fan
06.09.2026 13:24 Uhr | Editiert am 06.09.2026 - 13:29 Uhr
0
Dabei seit: 11.07.23 | Posts: 139 | Reviews: 0 | Hüte: 4

Das Thema des Artikels finde ich gut, dein Fazit empfinde ich als voreilig.
Für mich ist Kubrick einer der wenigen Regisseure welcher Insiderwissen hatte und es der Öffentlichkeit mitteilen wollte. Was wohl auch der Grund für seinen Standortwechsel nach England war. Ebenso spricht dafür, dass sein Produzent zur Familie gehört.
Im Gegensatz zu «Eyes Wide Shot» sind seine anderen Filme weniger greifbar, weniger pointiert (peinlich) und vor allem mehrdeutig interpretierbar im Bezug auf die Realität.

Wie nutzt man des Diktators Propaganda-Werkzeug für seine eigenen Interessen ohne das er es bemerkt? Lange Zeit ging das gut bei Kubrick, bei «Eyes Wide Shot» ging er für die damalige Zeit zu weit. Das System hat sich angepasst und ein ansatzweise vergleichbarer Film wie «Babylon» juckt heutzutage keinen mehr.
Man sollte vorsichtig sein bei der Beurteilung einer Angelegenheit wo man nicht alle Fakten kennt.
Ein anderes gutes Beispiel für Insiderwissen ist Aldous Huxley mit seinem visionären Buch «Brave New World», welches zusammen mit «1984» als potentiell mögliche Zukunftsprophezeiung der Truther-Szene gelten.
Julian Huxley, der grosse Bruder von Aldous, war ein bedeutender Vertreter der Eugenik und auch zeitweise Vorstand der British Eugenics Society. Mitgliedschaft bei Skull&Bones und/oder den Freemasons gehören ja eh zum guten Ton in der britischen High-Society.

Erotik-Thriller? Der Film ist viel mehr als ein Erotik-Thriller, genauso wie viele seiner anderen Werke mehr als Science-Fiction und mehr als Anti-Kriegsfilm sind. Warum bloss war gerade Tom Cruise, ein Hardcore-Scientologe, in der Hauptrolle?
Dennoch Tiin, auch wenn wir z.T. anderen Gedankenkonstrukten folgen, mag ich dich einfach riechen, keine Ahnung wieso. Ich danke dir für deine stilvollen Beiträge hier.
Gibt es vergleichbare Regisseure, könnt ihr mir Tipps geben?

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