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Die Wütenden - Les Misérables (2019)

Ein Film von Ladj Ly mit Damien Bonnard und Alexis Manenti

Kinostart: 23. Januar 2020102 Min.FSK12Drama, Krimi
Meine Wertung
Ø MJ-User (6)
Mein Filmtagebuch
Die Wütenden - Les Misérables Bewertung

Die Wütenden - Les Misérables Inhalt

Es brennt in den Vorstädten… Schon bei seinem ersten Einsatz spürt der Polizist Stéphane, der Neuling in der Einheit für Verbrechensbekämpfung in Montfermeil, die Spannungen im Viertel, in dem es immer wieder zu hitzigen Auseinandersetzungen zwischen Gangs und Polizei kommt. Seine erfahrenen Kollegen Chris und Gwada, mit denen er Streife fährt, haben ihre Methoden den Gesetzen der Straße angepasst. Hier herrschen eigene Regeln, die Kollegen überschreiten selbst die Grenzen des Legalen, sehen sich dabei aber stets im Recht. Als im Viertel ein Löwenbaby, lebendes Maskottchen eines Clan-Chefs, gestohlen wird, droht die Situation zu eskalieren. Bei der versuchten Verhaftung eines jugendlichen Verdächtigen werden die Polizisten mit Hilfe einer Drohne gefilmt. Ihr fragwürdiges Vorgehen droht öffentlich zu werden, und aus den Gesetzeshütern werden plötzlich Gejagte...

Cast & Crew

Wer ist der Regisseur von Die Wütenden - Les Misérables und wer spielt mit?

Regie
OV-Titel
Les misérables
Format
2D
Der Film erhielt die FSK-Freigabe "Freigegeben ab zwölf Jahren".
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7 Kommentare
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
01.01.2021 20:25 Uhr | Editiert am 01.01.2021 - 20:30 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 14.558 | Reviews: 161 | Hüte: 519

@eli4s

Spoiler

Solche Eltern werden doch im Film gezeigt. Der Vater von Buzz, dem wichtig ist, dass sein Sohn einen aktiven und geregelten Tagesverlauf hat. Das auch abseits der Schule, also dass er in den Ferien nicht nur im Bett rumgammelt und zockt. Oder diese eine Mutter, die alleine alle drei Polizisten zur Sau macht, nachdem ihre - und fremde? - Kinder im Treppenhaus brutal von den Polizisten kontrolliert wurden.

Natürlich ist der "Bürgermeister" ebenso wie die muslimische Drogendealergang oder die Gang der Sinti & Roma auch ein autoritärer und krimineller Gangster. Aber innerhalb all dieser Kriminalität existieren Abstufungen und Grauschattierungen. Der "Bürgermeister" möchte eben die Sache mit dem verschwundenen Löwen friedlich lösen und hält den Aufstand der Jugendlichen für halbstarken Unsinn. Einseitig und durchgehend unsympathisch empfand die Charakterisierung im Film jetzt nicht. Mal als Vergleich, nicht alle Charaktere im Film sind wie Joe Pesci in "Goodfellas" ^^

Der Prediger ist ja nicht umsonst Prediger. Ein muslimischer Fundamentalist mit seiner Garagenkoranschule und wie du schon schriebst auch mit seinen gewaltbereiten Handlangern. Dennoch ist es auch ein Charakter, der sich im Konflikt mit den Polizisten und den muslimischen Drogendealern schützend vor Buzz stellt. Da geht es ja um die Speicherkarte mit dem Film der Polizeigewalt, der Prediger möchte das Unrecht der Polizisten an die Öffentlichkeit bringen. Oder in der ersten Filmhälfte das Gespräch mit Stéphane, in dem er die Tierquälerei des Zirkus kritisiert. Sowas meine ich mit Teilsympathie.

So soll das Zitat auch nicht gemeint sein, dass es alle Taten entschuldigt. Bei den Polizisten als Beispiel ist es ja so, dass sie keiner Kontrolle unterliegen. Sie begehen Unrecht (Sexuelle Belästigung, Schlagen von Kindern usw), werden deswegen aber nicht belangt. Weil deren Vorgesetzte oder Kollegen das ignorieren - siehe eben Stéphane - oder weil Gesetz und Justiz nicht hart genug durchgreifen. Da fehlt dann eben ein "guter Gärtner".

Deswegen finde ich auch nicht, dass es sich der Film zu einfach macht. Er zeigt den Chauvinismus der Polizisten, den Machtmissbrauch, dass die Linie verschwimmt oder nicht mehr existent ist. Nennt Gründe, warum es dazu kommt. Nennt Gründe, warum nicht dagegen vorgegangen wird. Aber beschönigt oder entschuldigt nichts.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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eli4s : : Moviejones-Fan
31.12.2020 13:44 Uhr | Editiert am 31.12.2020 - 13:54 Uhr
0
Dabei seit: 22.02.12 | Posts: 2.538 | Reviews: 31 | Hüte: 104

@luph92

Spoiler.

ich weiß, dass der Regisseur von dort stammt. Trotzdem empfand ich die Darstellung viel zu einseitig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in einem sozialen Brennpunkt nicht dennoch Familien gibt, die zB Liebe und Respekt für ihre Kinder übrig haben und versuchen sie zu schützen. Was der Film nicht zeigt, ist ja auch interessant. Hier verhalten sich ja die meisten Kinder schon mit 8 Jahren wie die Erwachsenen.
Der sogenannte "Bürgermeister" ist ja auch nur eine autoritäre Figur dieser Gruppe, der einen gewissen Respekt genießt (den er sicher nicht durch seine Freundlichkeit erworben hat) und dadurch einen gewissen Einfluss hat. An alle FIguren kann ich mich aber nicht erinnern. Beim Prediger war es glaube ich ähnlich. Vorne rum hat er zwar seinen "Gerechtigkeitssinn", aber im Hintergrund schreckt auch vor Gewalt nicht zurück. Ich erinnere mich dunkel an die Szene im Dönerladen, wo er irgendwen (Stephane?) befragt und dieser ihn schließlich überzeugen kann - hätte er es nicht geschafft, wäre er vermutlich umgelegt worden. Aber da müsste ich jetzt meine Erinnerung auffrischen.
Für mich war außer der Junge mit der Drohne eigentlich keine sympathische Figur dabei. Stephane (der "gute" Polizist) macht ja auch weitgehend mit - vielleicht nicht so aktiv wie andere, aber er schaut den Ungerechtigkeiten auch weitgehend zu.

MIr ist klar, was das Hugo Zitat sagen will. Aber mit Sozialisation kann man auch nicht alles begründen. Wenn zB. Cops "anlasslos" (nicht, dass es dafür einen Anlass gäbe) Mädchen sexuell belästigen oder Kinder schlagen, dann hat das nichts zu tun mit dem rauen Pflaster der Straße oder psychischem Druck oder sonst was. Das ist unentschuldbar. Es gibt auch noch sowas wie Eigenverantwortung.
Vielmehr wirkte es auf mich, dass ein Großteil der Männer dieses ständige Kräftemessen und Rivalitäten "genießen", dass sie darin erst richtig aufgehen. Und das hat mich richtig aufgeregt. Das wird ja auch in den Dialogen aufgegriffen, wenn zB die Polizisten auf dem Weg in den Vorort sind und dann rumprahlen. Die Haltung mit der die Beteiligten aggieren. Ich denke, da ist eine Linie zwischen dem Leid und Druck und "Überlebenskampf" und dem aktiven und willentlichen Verfolgen von Ungerechtigkeit, Machtmissbrauch, Gewalt und so weiter.. und diese Unterscheidung hat der Film meines Erachtens nicht gut herausgearbeitet. Ich finde er (der Regisseur) hat es sich da viel zu einfach gemacht, in dem er sagt, das System ist kriminell, also sind auch (fast) alle in dem System automatisch kriminell.

Das Ende des Films ist stark. Da gebe ich dir recht. Aber von diesem Spielraum, den er da lässt hätte ich gerne durchweg mehr gesehen ;).

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
31.12.2020 03:06 Uhr | Editiert am 31.12.2020 - 03:06 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 14.558 | Reviews: 161 | Hüte: 519

@eli4s

Regisseur und Drehbuchautor Ladj Ly stammt ja selbst aus Montfermeil und beschäftigt sich schon seit 15 Jahren mit den sozialen Brennpunkten des Vororts, ich gehe also mal stark davon aus, dass der Film und die Darstellung der Menschen (Slang, Männlichkeitsbild usw) authentisch ist.

95% an unsympathischen Charakteren, das habe ich überhaupt nicht so empfunden. Der "good cop" Stéphane dürfte ja die 5% Sympathie darstellen, den lasse ich außen vor. Ansonsten haben viele Charakter für mich aber Teilsympathien bzw. deren Taten sind nachvollziehbar. Siehe der Junge Issa, wenn man bedenkt, was ihm angetan wurde. Von den heimischen Polizisten ist nur Chris ein Arschloch, Gwada steht zum Schluss ja sogar mehr auf der Seite von Stéphane. Dann hast du Buzz, den Jungen mit der Drohne. Dann den sogenannten Bürgermeister, der Chef des Basars, der erstmal auf Diplomatie anstatt auf Gewalt setzt. Gleiches gilt für Salah, den muslimischen Prediger und Chef des Dönerladens. Unsympathen sind ansonsten mehr die anonymen Gruppen, zum Beispiel die Sinti & Roma oder die Jugendlichen.

Das Hugo-Zitat bezieht sich darauf, dass die Schlechtigkeit der zivilisatorischen Menschen durch ihre Sozialisation, Bildung, Erziehung und gesellschafltichen und politischen Misständen hervorgerufen wird. Bei einem schlechten Gärtner gedeiht dann eben das Unkraut.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
31.12.2020 02:08 Uhr | Editiert am 31.12.2020 - 02:25 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 14.558 | Reviews: 161 | Hüte: 519

Ladj Lys "Les Misérables" sollte nicht verwechselt werden mit dem 1980er Musical oder dem 2012er Musicalfilm, hierbei handelt es sich um eine lose Neuinterpretation des auch den anderen Werken zugrundeliegenden Romans "Les Misérables" von Victor Hugo, angelehnt an die Unruhen in Frankreich 2005 und angesiedelt direkt nach dem Fußball-WM-Sieg Frankreichs 2018.

Eine nüchterne und schonungslose Milieustudie des Pariser Vororts Montfermeil - das Schauen im Original ist fast schon Pflicht - und eine dringliche Bestandsaufnahme der sozialen Unterschicht Frankreichs. Dem Versagen der Integrations- und Sozialpolitik treten islamischer Fundamentalismus, Bandenbildung, Kriminalisierung und Drogenverkauf/-konsum entgegen, ethnische Gruppen prallen aufeinander. Ehrliche Polizeiarbeit und Verbrechensbekämpfung werden auf die Probe gestellt, die Anpassung an die Korruption und das Gesetz der Straße sind zu erfolgsversprechend, die psychische Belastung hat zu leicht übergriffliche und willkürliche Polizeigewalt zur Folge. Gewalt sät Gegengewalt, egal von welcher Seite ausgehend, die soziale und menschliche Verrohung bricht sich Bahn, Perspektivlosigkeit und Frust eskalieren in Form eines ausgewachsenen, wütenden Aufstands. Der französische WM-Hurrapatriotismus suggeriert Gleichheit und Brüderlichkeit beziehungsweise Einigkeit, zerfällt unter der Oberfläche aber schnell zu Schall und Rauch.

Den Glauben an die Menschheit scheint Ladj Ly in "Les Misérables" aber noch nicht verloren zu haben, denn immerhin entlässt er den Zuseher mit einer hoffnungsvollen Einstellung in den Abspann, die vermuten lässt, dass sich der Aufstand auf seinem Höhepunkt doch noch beruhigt, bevor er tatsächlich Menschenleben fordert. Während Issa weiterhin den Molotow Cocktail wurfbereit hält, wird angedeutet, dass Polizist Stéphane seine Pistole senkt, und der Drohnen-Junge Buzz öffnet immerhin die Verriegelung seiner Wohnungstür.

Meine Bewertung
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eli4s : : Moviejones-Fan
25.02.2020 23:43 Uhr | Editiert am 25.02.2020 - 23:46 Uhr
0
Dabei seit: 22.02.12 | Posts: 2.538 | Reviews: 31 | Hüte: 104

Schwierig zu bewerten.

Wenngleich der Film unbestritten inszenatorsische Kraft hat und der Film sicherlich emotional einiges abbildet, was sich da in der Gesellschaft abspielt, hatte ich am Film selbst wenig Spaß und habe an der Glaubwürdigkeit der Figuren gezweifelt.

Hier spricht im Grunde jede Figur wie ein Macho-Ghetto-Gangster. Egal mit oder über wen. Über die volle Laufzeit hinweg wird hier vulgär geflucht, beschimpft, gelästert und beleidigt. Anders gesagt, (fast) jeder hier führt sich durchgehend auf wie ein Asozialer (ob das dann noch authentisch ist?). Mir ist klar, dass der Film versucht, die Perspektivlosigkeit in diesem Konflikt aufzuzeigen und darzustellen, wie sehr alles längst aus dem Ruder gelaufen ist und im Grunde nur noch jeder einschließlich der Polizei um Einfluss und Überleben kämpft und das mit den völlig falschen Mitteln.

Warum man aber 95% der Figuren im Film so darstellt, dass hier für niemanden Sympathie aufkommen kann, fand ich etwas fragwürdig. Tragisch für die Kinder, die natürlich entsprechend aufwachsen. Auch ein sehr einseitiges Bild von Männlichkeit das hier verhandelt wird.
Figuren dann mit einer kurzen Einstellung zu Hause bei Mutter/Familie rehabilitieren oder relativieren zu wollen, erschien mir wenig überzeugend und eher manipulativ.

das Hugo Zitat am Ende hat im Zuge dieser Darstellung für mich gar nicht gepasst
"Es gibt keine schlechten Menschen, wie es auch keine schlechten Pflanzen gibt, es gibt nur schlechte Gärtner."

Also so wie sich viele Figuren in diesem Film verhalten, sind da durchaus schlechte Menschen dabei.

Abgesehen davon hat mich auch der Plot in einigen Szenen nicht ganz überzeugt.
ZB. die hart eingesessenen Cops, die noch anderswo betonen, dass sie schon 10 Jahre dabei sind, versuchen nachher zu erklären, dass einer der zentralen Vorfälle durch zuviel Stress ausgelöst wurde als sie sich mit einer Horde Kinder konfrontiert sehen. Das macht im Hinblick auf die FIguren null Sinn genauso wie die Szene wenig Sinn macht, da man auch einfach schnell ins Auto steigen und wegfahren hätte können..

Über das Ende lässt sich sicher diskutieren. Die Frage, wie man mit der Eskalation der Situation umgeht, beantwortet der Film nicht.

jedenfalls hat mich das dämliche Geschwätz ziemlich genervt. Und jetzt wo ich es so schreibe, würde ich fast noch mit der Tendenz nach unten gehen. Durchaus enttäuscht, bis ... wütend.

Meine Bewertung
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filmgucker : : Moviejones-Fan
01.02.2020 18:10 Uhr
0
Dabei seit: 06.07.16 | Posts: 102 | Reviews: 13 | Hüte: 6

Ich habe mir den Film am 23. Januar 2020 angeschaut. (Zum Filmtagebuch)

Die Parallelen zu Victor Hugos Roman sind klar zu erkennen und auch auch der Abspann beginnt mit einem Zitat des Buches. Und dennoch erzählt der Film eine ganz eigene Geschichte, die einen genauso packt. Am Ende bleibt eine atemberaubende neue Adaption von Les Miserables, der seinen Schauplatz und Charaktere ganz nah und authentisch darstellt. Dabei schafft der Film es einen neutralen Blick auf einen Konflikt in einer Vorstadt zu werfen, der nach einem überharten Vorfall polizeilicher Gewalt entsteht.

Meine Bewertung
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filmgucker : : Moviejones-Fan
01.02.2020 14:23 Uhr
0
Dabei seit: 06.07.16 | Posts: 102 | Reviews: 13 | Hüte: 6

Die Parallelen zu Victor Hugos Roman sind klar zu erkennen und auch auch der Abspann beginnt mit einem Zitat des Buches.

Und dennoch erzählt der Film eine ganz eigene Geschichte, die einen genauso packt. Am Ende bleibt eine atemberaubende neue Adaption von Les Miserables, der seinen Schauplatz und Charaktere ganz nah und authentisch darstellt. Dabei schafft der Film es, einen neutralen Blick auf einen Konflikt in einer Vorstadt zu werfen, der nach einem überharten Vorfall polizeilicher Gewalt eskaliert.

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