Die Wütenden - Les Misérables

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Les Miserables Kritik - Absoluter Geheimtipp

Die Wütenden - Les Misérables Kritik

Die Wütenden - Les Misérables Kritik
1 Kommentar - 01.02.2020 von filmgucker
In dieser Userkritik verrät euch filmgucker, wie gut "Die Wütenden - Les Misérables" ist.

Bewertung: 5 / 5

Wenn man Les Miserables Film hört, denkt man wahrscheinlich zuerst an die den 1998 erschienenen Film mit Liam Neeson oder an die Variante aus dem Jahr 2012 mit Hugh Jackman in der Hauptrolle.


Derzeit läuft ein weiterer Film, der auf dem berühmten Roman von Victor Hugo basiert in den deutschen Kinos, der jedoch viel unbekannter zu sein scheint, als seine Namensvetter. Das könnte auch an seinem Beinamen „Die Wütenden" liegen, der mit Sicherheit nicht besonders attraktiv klingt.

Trailer zu Die Wütenden - Les Misérables


Im Gegensatz zu den beiden anderen Filmen versetzt dieser die Handlung jedoch in die Gegenwart. Das hat allerdings einen guten Grund: Das Thema Ungerechtigkeit in der Gesellschaft ist in Frankreich aktueller denn je. Das wird einem während der Sichtung des Films schnell klar.


Kurz gesagt geht es darum wie weit die Polizei gehen darf, um in einer kleinen Vorstadt in Paris, wo Kriminalität und Korruption herrscht, für Recht und Ordnung zu sorgen.


Von Beginn zieht der Film einen in seinen Bann. Dabei gilt es zu betonen wie unglaublich authentisch der Film ist. Als Zuschauer fühlt man sich stellenweise, als würde eine Dokumentation sehen, die Kamera, die den Hauptprotagonisten durchgehend durch einen scheinbar ganz normalen (Arbeits)Tag begleitet und in jeder Szene ganz nah folgt. So werden atemberaubende, aber auch erschreckende Bilder kreiert. Tatsächlich hat der Regisseur des Films Ladj Ly 2017 eine gleichnamige Doku gedreht, die als Grundlage für das Werk dient. Durch diese ständige Nähe lernt man die Vorstadt Montfermeil kennen, als wäre man selbst dort.
Beschädigte Häuser, Dreck und Drogendealer soweit das Auge reicht. Die Bedingungen scheinen auf den ersten Blick elend und die Zukunft bietet nur wenig Perspektive für die Jugendlichen, die selbst zunehmend auf die schiefe Bahn geraten. Beispiel dafür stellt der junge Issa dar, der sein Geld vor allem durch Diebstahl verdient.


Man merkt dem Streifen an wie sehr Ladj Ly darauf geachtet hat, alles so Authentisch wie möglich zu halten. So beruht ein Teil der Handlung auf persönlichen Erlebnissen seinerseits. Ly, selbst geboren in Montfermeil, filmte 2008 einen überharten Fall von polizeilichem Eingriff, der damals zu einer Verurteilung führte.
Auch im Film kommt es zum Fall von übertriebener Polizeigewalt gegenüber Issa, nachdem dieser zuvor ein Löwenjunges aus einem Wanderzirkus gestohlen hatte. Gefilmt wird dieser Vorfall von einem Jungen samt Drohne, der im Film nicht durch Zufall von Lys Son portraitiert wird.
Zusätzlich besteht ein Großteil des Cast aus der echten Bevölkerung Montfermeils, die für die Verkörperung ihrer Figuren also nicht mal in eine Rolle schlüpfen mussten. Daneben gibt es natürlich auch ein paar hauptberufliche Schauspieler in den Hauptrollen, die aber alle auch aus der Gegend stammen. Jeder, egal ob vor oder hinter der Kamera kennt die Situation in Montfermeil also persönlich und gibt dem Film seine Seele.


Zudem wird eine Falle vermieden, in die viele andere Filme tappen würden: Eine klare Trennung zwischen Gut und Böse; zwischen Schuld und Unschuld.
Nein, der Film schafft es einen neutralen Blick auf die Situation zu werfen. Weder die Polizei noch die Jugendlichen tragen die Schuld an einer an den täglichen Konflikten miteinander. Sie sind nur die Leidtragenden unfairer Politik.
Dabei erinnert mich der Film daran, dass es auch hier in Deutschland umstände in Armenvierteln wie Montfermeil herrschen. Damit behandelt Les Miserables ein gesellschaftlich wichtiges Thema, das sonst vielleicht zu wenig aufgegriffen wird.


Das Ende ist beengend spannend, und eindrucksvoll gefilmt. Die Polizisten, sich zuvor überlegen fühlend, werden nun selbst in die Position des Opfers gedrängt. Das zeigt was ein einziger Vorfall im instabilen Verhältnis zwischen Staatsgewalt und Einwohnerschaft auslösen kann. Auf dem Höhepunkt setzt dann der Abspann ein. Es gibt kein klares Ende….


Fazit: Die Parallelen zu Victor Hugos Roman sind klar zu erkennen und auch der Abspann beginnt mit einem Zitat des Buches. Und dennoch erzählt der Film eine ganz eigene Geschichte, die einen genauso packt. Am Ende bleibt eine atemberaubende neue Adaption von Les Miserables, der seinen Schauplatz und Charaktere ganz nah und authentisch darstellt. Dabei schafft der Film es einen neutralen Blick auf einen Konflikt in einer Vorstadt zu werfen, der nach einem überharten Vorfall polizeilicher Gewalt eskaliert.

Die Wütenden - Les Misérables Bewertung
Bewertung des Films
1010
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1 Kommentar
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filmgucker : : Moviejones-Fan
01.02.2020 18:41 Uhr
1
Dabei seit: 06.07.16 | Posts: 92 | Reviews: 13 | Hüte: 6

Hier meine Kritik zu Les Miserables.smile

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