
Bewertung: 2.5 / 5
Disney schippert wieder in bekannten Gewässern. Mit der Realverfilmung von Vaiana bringt Regisseur Thomas Kail das polynesische Abenteuer rund zehn Jahre nach dem gleichnamigen Animationshit Vaiana (Regie: Ron Clements und John Musker) erneut auf die Leinwand. Die Prämisse bleibt identisch: Angetrieben vom Ruf des Ozeans verlässt die junge Vaiana ihre Heimatinsel Motunui, um gemeinsam mit dem Halbgott Maui das Gleichgewicht der Natur wiederherzustellen.
Doch während die Segel technisch perfekt im Wind stehen, stellt sich im Kinosessel eine ganz andere Frage: Wo ist die Seele dieses Films geblieben?
Trailer zu Vaiana
Dasselbe in Grün – Nur ohne den Zauber
Um es kurz zu machen: Vaiana ist im Grunde exakt derselbe Film wie das Original von 2016 – nur eben mit echten Menschen. Dass Real-Remakes von Animationsklassikern funktionieren können, wurde in der Vergangenheit bereits bewiesen (man denke hier nur an das Real-Remake von Drachenzähmen leicht gemacht von 2025).
Bei Vaiana zündet dieser Funke allerdings nur bedingt. Zwar funktioniert die zeitlose Geschichte auch beim zweiten Mal, doch der ursprüngliche Zauber weigert sich standhaft, auf die Realverfilmung überzuspringen. Wo das Original mit farbprächtigen, lebendigen Animationsbildern verzauberte, regiert hier der typische, etwas unterkühlte Blockbuster-Look.
Technisch ist das Ganze ohne Frage einwandfrei und handwerklich top – aber eben auch seltsam steril. Wer das Original kennt, wird sich hier über weite Strecken schlichtweg wohl eher langweilen.
Eine Newcomerin stiehlt dem "Rock" die Show
Dass Vaiana am Ende nicht komplett im Ozean versinkt, ist einzig und allein dem starken Ensemble zu verdanken – allen voran einer absoluten Entdeckung: Catherine Laga’aia. Die Newcomerin ist als Titelheldin eine Wucht.
Mit einer Leichtigkeit und emotionalen Tiefe spielt sie ihren Co-Star Dwayne "The Rock" Johnson (der wie schon im Animationsfilm die Rolle des Maui übernimmt) meilenweit an die Wand. Während Johnson eher routiniert seine typische Star-Persona abspult, versteht Laga’aia die Zerrissenheit und den Mut ihrer Figur spürbar besser.
Das Dilemma der Figurenzeichnung: Durch Laga’aias starke Performance wird Vaiana zur einzigen tiefgründigen Figur des gesamten Films. Alle anderen Charaktere kratzen lediglich an der Oberfläche und bleiben im Vergleich zum lebhaften Original erschreckend flach.
Was rettet den Kinobesuch noch?
Gibt es also gar keinen Grund, ein Ticket zu lösen? Doch, zwei große Pluspunkte halten das Real-Remake über Wasser:
- Das Schauspiel-Ensemble: Allen voran die fantastische Catherine Laga’aia, die dem Film in den richtigen Momenten Herz verleiht
- Die Musik: Die bekannten, mitreißenden Songs funktionieren auch im Jahr 2026 noch genauso fantastisch wie im Jahr 2016. Wenn die bekannten Melodien durch den Kinosaal schallen, flammt er für kurze Momente wieder auf, dieser typische Disney-Zauber
Fazit
Das Real-Remake Vaiana kopiert das Original von 2016 fast eins zu eins, büßt dabei aber viel Farbe und Herz ein. Dass der Kinobesuch dennoch lohnt, ist einzig der fantastischen Catherine Laga’aia zu verdanken, die als Vaiana sogar Weltstar The Rock mühelos an die Wand spielt. Ebenso bewahren die unsterblichen Songs den Film vor dem endgültigen Schiffbruch.
Am Ende bleibt sogar das unterschwellige Gefühl, dass hier vor allem das Studio-Konto gefüllt werden sollte, anstatt der Liebe zum Filmemachen Ausdruck zu verleihen. Ein Film, der nice to have ist, den aber niemand wirklich gebraucht hat.


