Hier dreht sich alles um die The Card Counter von ProfessorX. Tausch dich mit anderen Filmfans aus.
Paul Shrader, der Mann für das Subtile: Wilhelm Tell :-D
@MobyDick
Das war tatsächlich auch mein erster Gedanke ^^
Frei nach der Frage: Verstehste? He? Verstehste, Symbolismus? Verstehste?
Consider that a divorce!
@ProfessorX
"Auch bleiben ohnehin alle Figuren, abseits von Cirk, lange ohne eine nachvollziehbare Motivation."
Bei William Tell (sozusagen der König im Film) liegt es ja genau daran, dass er keine Motivation mehr hat, dass er nach seiner Zeit als Folterkencht und seiner 8-jährigen Gefängnishaft nie wieder ins normale Leben zurückfindet. Motivation findet er erst wieder durch Cirk (der Bauer), den er von seinem falschen Weg der Rache abbringen möchte, ihm seine Schulden bezahlen und ihm wieder das College ermöglichen möchte. La Linda (die Dame) möchte banal von Anfang an einfach nur die Casinos leer räumen, aber das ist ja auch eine Motivation.
"Auch ist fraglich, warum denn die Rachegelüste, die diese Figur so antreiben, dann im Zusammenspiel mit dem ständigen Kartenspielen fungieren."
Die Rachegelüste entwickelt Tell ja erst, nachdem der Major Cirk erschossen hat. Wie oben geschrieben, zuvor wollte er Cirk eben von den Racheplänen abbringen. Das Kartenspielen steht nicht im Zusammenhang mit der Rache, sondern mit dem Leben William Tells. Im Foltergefängnis immer der gleiche Ablauf, im Gefängnis erst recht der gleiche und zudem triste und sterile Alltag. Das Kartenspielen spiegelt das wieder, von einem Casino und schäbigen Motel zum nächsten, speziell das Pokern, stunden- oder tagelang werden immer die gleichen Karten gespielt. William Tell kann anscheinend kein anderes Leben mehr führen als dieses.
"Es passiert den gesamten Film über, immer wieder und dann am Ende scheint es völlig egal zu sein."
Dass zieht sich doch durch den gesamten Film? Also man sieht in jedem Motelzimmer und sogar im Haus des Majors, wie Tell das Mobiliar in Laken eingewickelt hat. Dass die ganzen Vorbereitungen dafür nur einmal zu Beginn des Films gezeigt werden, um den Zuseher diese Informationen zu geben, ist ja verständlich^^ Mehrmals wäre unnötig gewesen.
"Vermutlich liegt es daran, einfach nicht auffallen zu wollen, doch ob das nun die effektivste Variante ist, während man gleichzeitig in jedem Casino ein und aus geht, daß darf an der Stelle ebenso bezweifelt werden."
Deswegen spielt er ja nur mit kleinen Beträgen und hört nach kleinen Gewinnen auf, was die Casinobetreiber nicht weiter stört, sollte es denen tatsächlich auffallen. Und deswegen übernachtet er nicht in den Casinohotels sondern immer in Motels außerhalb der Stadt, um somit keine Hinweise auf seine Reisebewegungen direkt in den Casino zu hinterlassen.
"Daß entscheidende dabei ist aber, daß die eigentliche Entscheidung fehlt, weil sich der Film auch in dieser Hinsicht nicht zu einer kompletten Aussage verleiten lassen will"
Klarer könnte das Ende doch eigentlich gar nicht sein? Tell steht tatsächlich eine rosigere, menschlichere Zukunft vor Augen, er öffnet sich für die Liebesbeziehung mit La Linda und hat die Möglichkeit, im WSOP-Finale einen Haufen Cash zu gewinnen, danach wollte er mit dem Spielen aufhören. Stattdessen wirft er beides weg, ermordet den Major und kommt wieder in das gleiche Gefängnis wie früher. Was er letztendlich auch als seine gerechte Strafe für seine Taten als Folterknecht betrachtet.
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."
Kritik: The Card Counter von ProfessorX
ProfessorX | 20.03.2022