
Der erste Teil dieses Interviews war für uns auch ein kleines Experiment: Statt einer klassischen News wollten wir einmal genauer hinhören, wie ein Fan Filme erlebt – jemand, der im Moviejones-Forum und auf Discord immer wieder mit seinem Fansein Interesse weckt und dort regelmäßig befragt wird.
Das Interesse war groß, die Reaktionen überwiegend neugierig und wohlwollend. Deshalb veröffentlichen wir jetzt auch den zweiten Teil – also den Teil des Gesprächs, der beim ersten Mal nicht mehr untergebracht wurde,
Danke fürs Mitlesen und Mitdiskutieren – hier ist nun also die Fortsetzung:
Moviejones: Gibt es einen Jack-Black-Film, der sich für dich beim wiederholten Schauen besonders verändert hat?
Sheldon Oberon: Am ehesten Year One - Aller Anfang ist schwer.
Am Anfang fand ich ihn ziemlich dümmlich und fremdschämig – was er stellenweise auch ist. Aber wenn man ihn öfter schaut und mehr auf die Geschichte als auf einzelne Gags achtet, merkt man, dass da eigentlich eine ziemlich bissige Satire steckt, gerade im Umgang mit biblischen Motiven.
Der Film wird dadurch kein völlig anderer, aber ich habe ihn deutlich mehr schätzen gelernt.
MJ: Einige Jack-Black-Filme wurden von Kritik und Publikum stark zerrissen. Gibt es Titel, bei denen du die Reaktionen besonders ungerecht findest?
SO: Borderlands war sicher keine Filmperle – zumal Jack Black dort auch nur eine Sprecherrolle hatte. Unterhaltsam war er für mich trotzdem. Als Gamer der Reihe wäre ich vermutlich genervt gewesen, aber da ich das Spiel nicht kannte, hat es für mich funktioniert.
Was ich schade finde, ist diese generelle Abwertung von Ein Minecraft Film. Natürlich ist das kein hochkomplexes Werk, aber das will der Film auch gar nicht sein. Es ist eine astreine Komödie – und als solche funktioniert sie.
Ich vermisse in der Filmwelt oft eine reflektiertere Betrachtung von Komödien. Nicht alles muss künstlerisch fein oder tiefgründig sein. Es gibt auch Filme, die man einfach genießt, um abzuschalten – und dazu gehört Minecraft eindeutig.
Wer mit diesem Humor etwas anfangen kann, dem würde ich auch Anaconda empfehlen. Der Film wird viel zu stiefmütterlich behandelt: clevere Ideen, ein spielfreudiger Cast, eine runde Story – und ein paar schöne Pralinen für Kenner des Originals von 1997.
MJ: Minecraft kam bei Moviejones tatsächlich nicht gut weg. Gibt es denn für dich überhaupt schlechte Jack-Black-Filme?
SO: Natürlich. Fan sein heißt nicht, alles zu verteidigen.
Margot und die Hochzeit fand ich grauenhaft – für mich ein Film, in dem Menschen auf einer Bühne stehen und sich selbst beim Leiden zuschauen. Auch Don’t worry, weglaufen geht nicht war für mich extrem zäh.
Auch The D Train. Die Idee des Films war gar nicht so übel, die Erzählung aber zäh, verkrampft und die Figuren in ihren Klischeerollen dümmlich. Jack und James Marsdan haben als Couple auch absolut nicht funktioniert. Er ist noch nicht so schlimm, das er unschaubar wäre, aber dort wurde wirklich tonnenweise Potenzial liegengelassen. Das Drehbuch war nicht gut und die beiden haben 0 zu der Umsetzung gepasst.
Es gibt Mittelmaß, es gibt Kuriositäten wie Tenacious D: Butt Baby – immer noch verstörend – aber nur wenige echte Totalausfälle.
MJ: Da wir hier neulich im Forum drüber gesprochen haben: Wie stehst du zu Die unendliche Geschichte 3 - Rettung aus Phantasien?
SO: Ich finde den Film ehrlich gesagt gar nicht so schlecht wie seinen Ruf.
Die unendliche Geschichte 2 - Auf der Suche nach Phantásien fand ich wahnsinnig langweilig – sehr stereotypisch, flach und vorhersehbar. Teil 3 war technisch stellenweise eine Zumutung, Fuchur hätte man auch in einen Horrorfilm einbauen können.
Aber die Grundidee, der Witz und die Spannung haben mir besser gefallen als im zweiten Teil. Natürlich kommen weder Teil 2 noch 3 an Teil 1 heran. Und den Endkampf von Teil 3 fand ich miserabel – als hätte man gesagt: „So, keinen Bock mehr, macht mal irgendwas, wir gehen essen.“
MJ: Auf welchen kommenden Jack Black Film freust Du Dich?
SO: Da muss man noch fragen? Jumanji 4 oder wie ihr ihn nennt: Jumanji 3 – das wird der Höhepunkt, alles andere sind Goodies. Den Titel erwähne ich doch schon ewig in Dauerschleife.
Ich hoffe wirklich extrem, dass der Film ein guter Abschluss wird und ich ihn im Kino genießen kann. Ich blicke aber darauf mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Einerseits warte ich seit Jahren, ungeduldig wie ein kleines Kind, dass der Film endlich kommt. Auf der anderen Seite weiß ich, dass es damit vorbei sein wird. Kein Hoffen, Warten oder Freuen mehr auf das nächste Abenteuer – dann war es das.
Genau deswegen hoffe ich, dass das Ende mich noch einmal lächelnd zurücklässt. Ich denke aber, das hofft jeder für seine Lieblingsfilmreihen. Vom ersten warmherzigen, chaotischen Meisterwerk mit Robin Williams bis zur eingespielten, liebenswerten Gruppe von 2017 und 2019: Jumanji war immer ein Titel, der ein gutes Niveau hatte, unterhalten und begeistern konnte. Ich hoffe inständig, das bleibt so.
MJ: Vielen lieben Dank für Deine Offenheit!
