
Unser Moviejones Forenmitglied Sheldon Oberon ist im MJ-Forum und auf unserem Discord vor allem dafür bekannt, Filme bewusst mehr als einmal im Kino zu sehen – insbesondere Produktionen mit Jack Black. Dieses Sehverhalten sorgt immer wieder für Nachfragen und Diskussionen, aus ehrlichem Interesse daran, warum jemand Kino so intensiv nutzt. Also führen wir einfach mal ein Interview:
Moviejones: In deiner Signatur und im Discord-Profil steht: „Lost in Jumanji – Ein Spiel für jeden, der drauf sinnt, wie er seiner Welt entrinnt.“ Was bedeutet dieses Zitat für dich persönlich?
Sheldon Oberon: Tja, man möchte ja das Feld ausfüllen.
Aber ich fand das Zitat im Bezug auf Filme einfach sehr passend. Seiner Welt entrinnen – macht man das nicht generell, wenn man einen Film startet? Manchmal ist das Leben hart, langweilig oder grausam, und dann lässt man sich für eine Weile in eine Geschichte fallen. Je besser der Film, desto tiefer kann man eintauchen. Und geben wir es offen zu: Ich bin komplett lost, was Jumanji betrifft. xD
MJ: Wenn ich das im MovieJones-Forum richtig verstanden habe, schaust du dir Jack-Black-Filme nicht nur einmal, sondern teilweise bis zu zwanzig Mal im Kino an. Wie kam es überhaupt dazu?
SO: Ach komm, 20-mal ist übertrieben – in Ein Minecraft Film war ich 14-mal und in Anaconda 12-mal. Durch Weihnachtszeit, Urlaub und Wetter ist es da auch schwierig, den Rekord zu knacken.
Ich habe Jack im Grunde erst durch Jumanji - Willkommen im Dschungel richtig wahrgenommen. Natürlich hatte er schon andere Rollen, aber ich liebe das Körpertausch-Genre, und mit seiner Rolle als Sheldon Oberon/Bethany ist er in meinen Fokus gerückt. Das war 2021 im Free-TV. 2017 hatten wir leider kein Kino, da gerade ein neues gebaut wurde. Eigentlich wäre mein nächster Jack-Black-Film im Kino dann Jumanji - The Next Level gewesen – aber dann kam Corona.
Danach waren es erst einmal nur Synchronrollen wie Bowser, bis er endlich wieder in einem Realfilm auftauchte. Da ich mir ohnehin den Spaß erlaubt hatte, zu jedem Jack-Black-Film ein Shirt zu bedrucken, dachte ich mir: Den ersten Realfilm feiere ich dann auch und gehe, wenn er gut ist, halt öfter rein.
Ein Film ist nur einmal im Kino – die meisten kommen nie wieder, man kann sie also nur feiern, solange sie laufen. Da jeden Tag nach der Arbeit direkt eine Vorstellung war und das Kino nicht weit weg ist, kam mir das entgegen, und ich habe die Kinoveröffentlichung einfach auf meine Art gefeiert.
Ich rewatche Filme, die ich mag, generell gerne, mir macht es also nichts aus, etwas mehrfach zu sehen – der Spaß bleibt bei jeder Sichtung. Dazu kommt, dass unser Kino eine Flatrate anbietet, bei der ich einen festen Betrag im Monat zahle, egal wie viel ich schaue. Als Einzeltickets hätte ich mir das vermutlich nicht gegönnt.
Im Grunde hatte ich also den Spaß, die Gelegenheit und die Motivation – und habe es einfach gemacht. Und weil das bei Minecraft schon funktioniert hat, habe ich es bei Anaconda wiederholt.
MJ: Welchen Jack-Black-Film hast du insgesamt am häufigsten gesehen?
SO: Ich bin aktuell bei rund 270 Sichtungen von Jumanji - Willkommen im Dschungel, dicht gefolgt von The Next Level mit etwa 265. Danach kommen Minecraft, Anaconda und School of Rock mit deutlich kleineren Zahlen.
MJ: Was hat Jack Black für dich, was andere Schauspieler nicht haben?
SO: Ich denke, jeder hat irgendwas, was der andere nicht hat – hoffe ich zumindest. Auch wenn Hollywood manchmal sehr auf Beauty ausgerichtet ist, hoffe ich doch, dass dort nicht alle wie vom Fließband sind. Jack kam im kosmischen Gefüge einfach zur richtigen Zeit mit der richtigen Rolle. Ich kenne zum Beispiel niemanden, der so gut und liebenswert ein Teenager-Girl spielen kann. Ohne dieses Talent wäre ich kein Fan geworden, weil ich mich sonst nie näher mit seinen Filmen oder mit ihm beschäftigt hätte.
2021 war für mich eine ziemliche Umbruchzeit nach einigen dunklen Jahren. Ich war verunsichert, nie jemand, den man in eine Schublade quetschen konnte. Als Pummel, der in den 90ern groß geworden ist – in einer Zeit, in der dick gleich dumm bedeutete – hatte ich immer im Hinterkopf, mich irgendwie dafür entschuldigen zu müssen, dass ich ich bin. Und dann sehe ich Jack in der Hochglanzwelt von Hollywood, macht absolut sein eigenes Ding, steht zu sich selbst, feiert sein Leben und ist dabei durchaus auch mal ernst, bodenständig und ein sehr liebenswerter Mensch. Da mein eigener Lebensturm gerade ein wackliges Neubauprojekt war, war Jack im richtigen Moment wie ein passender Puzzlestein, der meiner Denkweise einen kleinen neuen Anstoß gab: Raum einnehmen zu dürfen, so zu sein, wie man ist, und das Leben zu feiern.
Im Grunde ist es eine Mischung aus Dankbarkeit – und Jack ist einfach ein unfassbar sympathischer und liebenswerter Mensch, soweit man das von außen beurteilen kann.
MJ: Wie reagieren andere Menschen darauf, wenn sie erfahren, dass du denselben Film so oft im Kino siehst?
SO: Da ich selbst damit kokettiere, ein Freak zu sein, ist die Reaktion meist überschaubar:
„Wird dir das nicht langweilig?“ – Augenrollen – oder Mitfeiern. Aufhalten kann man mich eh nicht!
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Wir danken Sheldon Oberon für das offene Gespräch und sind gespannt, wie ihr diese Idee findet, einmal einen aktiven Foren-User in Interviewform vorzustellen.
Wenn ihr die Idee mögt, bekommt ihr auch noch Teil 2 des Interviews!
