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Halloween Kills

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Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?

Zum "Halloween Kills"-Kinostart: 43 Jahre Michael Myers - immer noch der alte?

Zum "Halloween Kills"-Kinostart: 43 Jahre Michael Myers - immer noch der alte?
1 Kommentar - Sa, 23.10.2021 von T. Erkert
Am 21. Oktober startet mit "Halloween Kills" der zwölfte Teil der Reihe rund um Maskenmörder Michael Myers. Anlass genug für uns, einen Rückblick auf die Geschichte des 1978 auf die Teenager Haddonfields los gelassenen Killers zu werfen!
Zum "Halloween Kills"-Kinostart: 43 Jahre Michael Myers - immer noch der alte?

Vergleicht man Michael Myers, der nach 43 Jahren der Teenieslasherei mit Halloween Kills sein elftes Comeback feiert, mit anderen langlebigen Ikonen seines Genres - Freddy Krueger, Jason Vorhees, Chucky, die Mörderpuppe oder auch den Kettensägen schwingenden Leatherface - , wirkt Myers doch recht profillos. Wie ein Prototyp, eine Standardversion. In gewisser Weise eine Leerstelle, ein Platzhalter, und damit ganz wie von John Carpenter erdacht.

In Halloween - Die Nacht des Grauens ist Michael Myers - egal ob zunächst als Bub im Clownskostüm oder später in Overall und Maske - das Böse, das nicht zu verstehen und zu begreifen ist, außer als das unfassbar Böse selbst, in Gestalt eines Menschen personifiziert. Dabei ist Michael Myers weder vom Bösen besessen oder ergriffen worden, weder wuchs es in ihm heran noch wurde es gesät - nein, Michael war und ist einfach böse. So steht er als Präsenz des Bösen auch im ästhetischen Mittelpunkt des Films: Wie, wo, und vor allem wann das Böse innerhalb oder außerhalb einer Einstellung ist.

Über die Genialität dieses Films, der nicht nur innerhalb seines Genres als einer der besten aller Zeiten gilt, wurden bereits genug Lobeshymnen geschrieben, die Frage hingegen, wie die vielen Sequels, Remakes und Reboots, die vor allem das Bedürfnis eint, Michael Myers erklären zu wollen, seitdem mit John Carpenters Bösen umgingen, es be- bzw. verarbeiteten, erscheint spannender an dieser Stelle.

Das größte Vermächtnis von Rick Rosenthals Fortsetzung Halloween 2 - Das Grauen kehrt zurück war wohl vor allem, dass die nachgereichte Erklärung zu Michaels (scheinbar) wahllosen Morden, nämlich, dass es sich bei Laurie Strode um seine Schwester handelte, zum festen Bestandteil seiner Mythologie wurde, der jede nachträgliche Umgestaltung der Handlungskontinuität überlebte. In dieser ersten Fortsetzung, die tatsächlich kein schlechter Horrorfilm ist, wird Michael vom Bösen im Menschenkörper zum "einfachen" Psychopathen, der mit Blut Worte an die Wände schmiert und ein klares Ziel verfolgt: Seine Familie vollständig unter die Erde zu bringen. Das große Myers-Mysterium, das den beherzten Psychiater Dr. Loomis im ersten Teil noch an seine Grenzen stoßen ließ, ist hier ein schnell gelöstes küchenpsychologisches Puzzle.

Mit dem dritten Teil versuchte man schließlich, die ursprüngliche Idee aus Halloween, eine Anthologie-Filmreihe zu machen, umzusetzen. Der Film behandelte eine Geschichte fernab von Haddonfield und Michael Myers. Aufgrund schlechter Einspielergebnisse schien die Reihe mit diesem Teil ein vorzeitiges Ende gefunden zu haben. Erst Jahre später, 1988, versuchte man, um ein Eisen im Feuer des florierenden Slasher-Sequel-Markts zu haben, die Reihe um Michael Myers wiederzubeleben. Nun stand nicht mehr Laurie Strode im Mittelpunkt der Handlung, sondern ihre Tochter, die ebenfalls wie sie einst, bei einer Adoptivfamilie aufwächst. Die Verwandte, die Michaels in diesem Film töten will, ist seine dabei gerade einmal siebenjährige Nichte Jamie Lloyd.

Der Handlungsstrang um Jamie zog sich von Teil 4 bis 6 und schloss somit eine Trilogie ab, die Film 7 Halloween H20 - 20 Jahre später restlos aus dem Kanon strich. Im Laufe dieser Jamie-Lloyd-Trilogie entfremdete sich das Franchise zunehmend von Carpenters Original. Zwischen Michael und seiner Nichte bestand plötzlich eine übernatürliche Verbindung; die Nichte selbst zeigt Tendenzen, wie Michael zu werden. Die ganze Chose gipfelte schließlich in Halloween 6 - Der Fluch des Michael Myers, in dem ein Kult, der Michael verehrt, Nichte Jamie dazu zwingt sein Kind zu gebären.

BREAK

Zum zwanzigsten Jubiläum schrieb Halloween H20 - 20 Jahre später die Geschichte auf der Fortsetzung von 1981 aufbauend fort und brachte auch Jamie Lee Curtis in ihrer Rolle als Laurie Strode zurück. 2002 folgte eine Fortsetzung, Film 8, die Michael in das Setting einer Reality-Show stolpern ließ, in mit dem anbrechenden Internetzeitalter bekannt machen sollte. Obendrein wurde in Halloween - Resurrection Laurie Strode von Michael "endlich" getötet. In der Darstellung des Michael brachten diese Filme praktisch nichts Neues, weshalb es bei dieser Erwähnung belassen werden soll.

Wo die anderen Franchise-Installationen sich noch mit der nachgelieferten Erklärung der Verwandtschaft begnügten und darauf bauten, beschloss Rob Zombie in seinem Remake von 2007 von vornherein, den krassest möglichen Kontrast zu Carpenters Original zu liefern, und setzte mit der Durchpsychologisierung Michaels bereits in der Kindheit an. Michael ist hier das misshandelte Kind einer unterprivilegierten Redneck-Familie (und Laurie immer noch seine Schwester, die von einer anderen Familie adoptiert wurde) und soll so einerseits als tragische Figur gezeichnet werden und andererseits in dieser Interpretation auch Eingang in das Kabinett des Zombie-Zottelhorrors finden. Dieser Michael bescherte dem Publikum zwar durchaus Momente feinsten Horrorkinos, doch wirkte er trotz ausgedehnter Origin-Story zwischen Vermächtnis, Mainstream-Appeal und Haus-der-1000-Leichen-DNA beinahe blasser denn je.

Umso erstaunlicher sein Nachfolger, in der Michael primär ein für alle Mal zur Ruhe finden soll. In der Anwendung desselben Prinzips auf Laurie Strode findet dieser Halloween 2 wunderschöne Klänge in Sachen Charakterzeichnung, bietet bittersüßes Terrorkino und zeigt, wie ein angemessener Grabstein für das Franchise hätte aussehen können. Hier nimmt Zombie wieder Abstand von seinem eigenen, im Vorgängerfilm nachgegangenen Ansatz in der Darstellung Michaels und sucht die Auflösung der Psychologisierung in einer Ästhetisierung der Lebensrealität Michaels.

In surreal anmutenden Sequenzen sehen wir, die Welt in der Michael sich bewegt, zwischen Mutterliebe und Kürbiskopfkobolden. Am Ende steht in letzter Konsequenz die völlige Dekonstruktion des Myers-Mythos´, wenn dieser wie ein Hobo gekleidet (auch der Overall ist hier nicht mehr), ohne Maske, vollbärtig ein Wort zu Dr. Loomis spricht. Hier ist am Ende alles und jeder tot, mausetot: Laurie, Dr. Loomis, Michael. Und das Franchise.

Zumindest war es das. Pünktlich zum vierzigsten Jubiläum von John Carpenters Kultfilm wurden schließlich mit Halloween Michael und Laurie ein weiteres Mal bemüht. Diese Fortsetzung, geschrieben und inszeniert, ignoriert alle (!) Fortsetzungen und knüpft an das gleichnamige Original an: Vierzig Jahre sind vergangen, Laurie ist von den Ereignissen jener Halloween-Nacht schwer traumatisiert. Sie lebt zurückgezogen, bis an die Zähne bewaffnet, ihr Haus ist per Knopfdruck zur Festung umwandelbar. Zu ihrer einzigen Tochter hat Laurie ein schwer belastetes Verhältnis, zu sehr versuchte sie, ihrer Tochter (Judy Greer) in ihrer Kindheit zur Michael-resistenten Killermaschine auszubilden. Als Michael bei einer Verlegung in ein anderes Sanatorium ausbüchst, bahnt er sich abermals mordend seinen Weg durch Haddonfield.

Verwundernd an diesem Film ist vor allem die Entscheidung, alle Vorgänger zu ignorieren. Hier ist Laurie nicht mehr Michaels Schwester. Dennoch läuft am Ende alles auf einen finalen Showdown zwischen Michael und Laurie, sowie deren Tochter und Enkelin (Andi Matchiak) hinaus. Zwar soll durch die Auflösung der familiären Beziehung, Michael ein Teil seiner ursprünglichen Unfassbarkeit zurückgegeben werden, durch die narrative Fixierung auf Laurie, die der Film unentschlossen zwischen Badass und Opfer taumeln lässt, hingegen, bleibt irgendeine Art der Verbindung zwischen beiden Figuren bestehen. So schlägt die erzählerische Emanzipation von der langlebigen - und über Strecken auch sehr langatmigen - Reihe trotz aller Bemühungen fehl.

Ästhetisch hingegen bewegt man sich näher am aktuellen TV-Sektor als an den Vorgängern der Reihe, nach deren formaler DNA man hier eher vergeblich sucht.

Nicht nur die Welt und mit ihr das Kino haben sich in den letzten dreiundvierzig Jahren verändert, sondern auch ein schweigender Maskenmann wie Michael Myers, der scheinbar doch eigentlich immer nur eine Aufgabe hatte. Deshalb interessiert uns vor allem, welcher Michael euer Favorit ist und welcher der mittlerweile 12 Filme am 31. Oktober bei euch eingelegt wird, wenn draußen die Kinder von Tür zu Tür ziehen und die Kürbisköpfe ihr flackerndes Grinsen auf die Straße werfen.

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1 Kommentar
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MicCell : : Moviejones-Fan
24.10.2021 05:14 Uhr
0
Dabei seit: 30.01.12 | Posts: 193 | Reviews: 0 | Hüte: 4

Welch wundervoller Beitrag zur besten Jahreszeit. Danke, Moviejones-Team smile

1. Michael aus Halloween 1978, 2018 & Kills

2. Halloween H20

3. Halloween 2

4., 5. & 6. Halloween 4, 5 & 6

Die restlichen Teile & Beiträge sind nicht mein Ding^^

Eigentlich schaue ich die Streifen jedes Jahr, in der Reihenfolge in der sie erschienen sind. Dieses Jahr wirds etwas anders. Ein Doppel-Marathon. Erstmal Halloween 1978 - H20, ausgenommen Teil 3. Und anschließend nochmal 1978, dann 2018 & Kills.

Euch allen einen schaurig-schönen Oktober laughing

Du kannst atmen... du kannst zwinkern... du kannst heulen... Oh, das werden gleich alle hier!

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