Max ist an diesem Abend bei Mo und Nele zu Besuch. Nach dem Essen bleiben sie im Wohnzimmer stehen, noch halb im Gespräch, halb schon im Abwägen. Vor ihnen das Regal: Wand an Wand Filme. Rücken an Rücken, Rücken in Rückenfarben. Mattes Plastik, glänzender Lack, vereinzelt Metall, das das Licht der Stehlampe weich zurückwirft.
„Okay“, sagt Max leise. „Das ist… mehr als ich erwartet habe.“
Mo streicht mit dem Finger über eine DVD als würde er prüfen, ob alles noch da ist. „Das hier gehört uns. Nicht heute, nicht gerade – sondern für immer.“
Nele zieht ein Steelbook heraus. Es liegt schwer in der Hand, kühl, fast ein wenig widerständig. Sie dreht es langsam. „Wenn wir den Film schauen wollen, dann ist er da. Morgen auch. In zehn Jahren auch. Kein Verschwinden über Nacht. Kein stilles Austauschen gegen eine andere Schnittfassung.“
Max setzt sich auf die Sofalehne. Er sagt, dass Streaming halt bequem sei. Schnell. Reibungslos.
„Genau das ist es“, entgegnet Mo. „Reibungslos. Und dadurch auch… beliebig.“
Er öffnet eine Hülle, nur kurz, als müsse er etwas überprüfen. „Hier entscheidest du dich. Du greifst zu. Du legst ein.“
Nele ergänzt, fast beiläufig, aber mit der Selbstverständlichkeit einer langen Überzeugung:
- Bild und Ton, die nicht schwanken, nicht atmen müssen mit der Leitung.
- Extras, die erzählen, wie etwas geworden ist – nicht nur was es ist.
- Haptik: das Gewicht, das Öffnen, dieses kleine Innehalten vor dem Start.
- Steelbooks, weil Filme manchmal auch Objekte sein dürfen, nicht nur Dateien.
Max lässt den Blick noch einmal über das Regal gleiten. Es fühlt sich ruhiger an als jede Mediathek. Nichts fordert Aufmerksamkeit. Nichts droht zu verschwinden. Jeder Titel hier scheint eine Entscheidung gewesen zu sein, keine Laune.
„Ihr sammelt also nicht nur Filme“, sagt er nachdenklich.
„Nein“, sagt Nele. „Wir sammeln Verlässlichkeit.“
Kurz darauf sitzen sie auf dem Sofa. Die Disc liegt schon im Player. Ein leises Klicken. Kein Countdown, kein Autoplay, kein Algorithmus. Keine Werbung. Und der Abspann läuft durch.
Wie ist das bei euch?
Braucht ihr Filme, die man anfassen, besitzen, behalten kann?
Oder reicht es euch, wenn sie gerade da sind – für diesen einen Abend?
