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Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

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Deutsche Filme können richtig gut sein!

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke Kritik

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke Kritik
0 Kommentare - 04.02.2026 von Moviejones (MJ-SceneTalk)
Wir haben uns "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Bewertung: 3.5 / 5

Der deutsche Film muss viel einstecken, dabei gibt es abseits des Mainstreams immer wieder richtig starke deutsche Produktionen. Letztes Jahr waren das zum Beispiel In die Sonne schauen oder Miroirs No. 3, und dieses Jahr ist es unter anderem Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke, ein Film, der für deutsche Verhältnisse, gleich zwei Genres auf wunderbare Weise verbindet: Drama und Komödie.

Immer wieder wird dem deutschen Film unrecht getan. Meistens heißt es, dass deutsche Filme immer schlecht seien, unlustig und dass immer die gleichen Schauspieler in den Hauptrollen zu sehen sind. Elyas M’Barek, Til Schweiger, Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz werden zu regelrechten Gegnern stilisiert, die man möglichst nicht mehr auf der großen Leinwand sehen will. Doch der deutsche Film besteht nicht nur daraus. Die besten Filme aus Deutschland bleiben dem Mainstream-Publikum meist verwehrt: zu klein für große Multiplexkinos und eher zuhause in Programmkinos.

Letztes Jahr war ein erstaunlich starkes Jahr für deutsche Filme. In die Sonne schauen war überwältigend, Miroirs No. 3 emotional packend und Heldin wies auf ein ganz großes Problem unserer Gesellschaft hin. Solche Filme gibt es jedes Jahr, doch die wenigsten bekommen sie mit. Mit Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke läuft der Film auch in größeren Kinos, und nicht ausschließlich in Programmkinos, zieht aber eher ein älteres Publikum in die Säle – was so eigentlich nicht sein müsste.

Es geht um Joachim, der nach dem Tod seines Bruders auf die Idee kommt, sich an einer Schauspielschule einzuschreiben. Daraufhin reist er nach München zu seinen Großeltern, um dort während seines Studiums zu leben. Doch unter einem Dach mit Rentnern zu wohnen, ist gar nicht so leicht: andere Gewohnheiten, andere Gerüche, ein völlig anderer Lebensstil. Daneben hat Joachim immer noch mit dem Verlust seines Bruders zu kämpfen, was zu einem großen Problem während des Studiums wird.

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke basiert auf dem Roman von Joachim Meyerhoff, der – wie alle seine Werke – autobiografisch ist und sich mit seiner Studienzeit sowie der Zeit bei seinen Großeltern auseinandersetzt. Dass auch dieses Buch verfilmt wurde, war nach dem Erfolg von Wann wird es wieder so, wie es nie war recht klar. Auch wenn beide Filme von unterschiedlichen Regisseuren stammen, erzählen sie im Kern eine autobiografische Geschichte von Meyerhoff selbst. Das wirkt sehr authentisch und interessant. Gerade wenn man selbst bei seinen Großeltern aufgewachsen ist, lassen sich viele Momente gut nachvollziehen – abgesehen vom Alkohol. Denn die Großeltern kippen sich hier gefühlt rund um die Uhr Alkohol in den Körper, als wäre es Mezzo Mix. Das wird immer wieder als reiner Gag genutzt und nicht als wirkliche Kritik am Alkoholismus, was etwas schade ist, da das Potenzial dafür durchaus vorhanden wäre.

Genauso wenig interessiert sich der Film für die Geschichte rund um den verstorbenen Bruder. Zwar dient sie als Aufhänger und sorgt für vereinzelte emotionale Momente, ansonsten kommt das Thema kaum zur Sprache. Das daraus resultierende Problem ist Distanz: Wir können Joachims emotionale Komplexität nur bedingt nachvollziehen, da uns schlicht zu viele Informationen fehlen. Diese liefert der Film leider nicht.

Was der Film dagegen hervorragend macht, ist der Blick hinter die Kulissen einer Schauspielschule – und die sind wirklich wild, glaubt uns. Genau das wird hier auch gezeigt: absurde Fächer, noch absurdere Ausführungen. Dass Joachim sich zu Beginn des Films so schwer mit seinem Weg tut, ist bei all dem Chaos nur logisch. Gleichzeitig zeigt der Film aber auch, warum Schauspieler so etwas lernen müssen: um offen, locker und empfänglich für Rollen zu werden. Da wir eine gewisse Expertise auf dem Gebiet haben können wir ganz klar sagen: So, wie die Schauspielschule hier dargestellt wird, ist sie erstaunlich realistisch – und stellenweise sogar noch zu harmlos.

Trotz all des Chaos vergisst der Film aber nie sein Herz. Die Beziehung zu Joachims Großeltern ist das emotionale Zentrum. Es geht um das Älterwerden, ums Sterben, ums Abschiednehmen und darum, welche Kraft man aus genau diesen Momenten ziehen kann. Der Film wird dabei oft sehr emotional, lässt seinen Figuren Zeit zur Entfaltung und wirkt dadurch stimmig und ehrlich. Neben dem Drama gibt es viele komödiantische Elemente. In dem Saal, in dem wir saßen, wurde so laut gelacht, wie es nur geht. Zwar bestand das Publikum fast ausschließlich aus Menschen 40+, doch der Humor funktioniert – auch wir hatten stellenweise einen Heidenspaß. Die Szene mit dem morgendlichen Gurgeln? Zum Wegschmeißen. Der Kosename für Joachim? Absurde Herzlichkeit pur. Die Unterrichtsstunden und manche Gastauftritte sind wunderbar schrill.

Zwischen all dem Humor und den genauen Beobachtungen des Lebens – gerade im Zusammenspiel mit den Großeltern und der Schauspielschule – schafft es der Film immer wieder, greifbare, menschliche und emotionale Momente einzubauen. Genau so funktionieren die besten Tragikomödien. Denn unser eigenes Leben ist ja auch nie nur gut oder nur schlecht. Es ist immer beides – tragikomisch. Und genau das trifft der Film sehr gut.

Zum Schluss noch ein Wort zu den Darstellern. Bruno Alexander, den man aus der Serie Intimate kennt, spielt Joachim Meyerhoff glaubwürdig und erinnert in seinen besten Momenten sogar an Größen wie Albrecht Schuch, einen der besten deutschen Schauspieler der Gegenwart. Gerade das Finale oder die Aufnahmeprüfung sind so herzzerreißend, dass man unweigerlich mitfühlt. Senta Berger und Michael Wittenborn als Großeltern sind hervorragend besetzt und geben ein glaubwürdiges Ehepaar ab – auch wenn Senta Berger, sobald sie auftaucht, kurz den Eindruck erweckt, man sei in einem Rosamunde-Pilcher-Film gelandet. Ergänzt wird der Cast unter anderem von David Striesow und Laura Tonke, die hier zur Abwechslung einmal keine abscheuliche Mutter spielen muss.

FAZIT

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke ist gefühlvoll und gibt seinen Figuren genug Raum zur emotionalen Entfaltung. Dadurch wirkt alles sehr authentisch, ist stark gespielt und stellenweise richtig lustig. Beachtlich ist, wie Regisseur Simon Verhoeven den Spagat zwischen existenziellem Drama und familiärer Komödie meistert – glaubwürdig und ernst zu nehmen. Das hier ist kein Meisterwerk und hat, allein wegen der Behandlung des Bruderthemas, Momente, die emotional stärker wirken könnten. Im Großen und Ganzen ist es aber sehr gutes deutsches Kino, auf das ihr euch unbedingt einmal einlassen solltet.

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke Bewertung
Bewertung des Films
710

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