
Nioh 3 (PC, PS)
Als langjährigen Fan der Nioh-Reihe, habe ich dem Release von Nioh 3 entgegengefiebert. Erst kürzlich wurden wieder 200h in den Vorgänger investiert, der es wie kein anderes Spiel aus dem Genre versteht, ein unheimlich fesselndes Gameplay zu bieten. Mit Nioh 3 bleibt Team Ninja seiner Linie treu und liefert erneut ein gnadenloses Action-RPG im Sengoku-Setting, das japanische Mythologie, brutale Kämpfe und komplexe Systeme miteinander verwebt. Gleichzeitig traut sich Nioh 3 spürbar mehr als seine Vorgänger und versucht, die Serie weiterzuentwickeln – mit gemischtem Erfolg. Inhaltlich knüpft Nioh 3 lose an die bekannten Ereignisse an, rückt aber stärker die spirituelle Welt der Yokai in den Fokus. Die Handlung ist erneut fragmentiert erzählt, über Zwischensequenzen, Nebenmissionen und Itembeschreibungen, wirkt aber insgesamt etwas kohärenter als noch zuvor.
Als erfahrener Krieger, der zunehmend zwischen Menschenwelt und Geisterreich gefangen ist, stolpert man durch politische Intrigen, dämonische Verschwörungen und persönliche Tragödien. Trotzdem bleibt die Story auch hier eher Beiwerk – interessant, aber nie der eigentliche Grund, warum man „nur noch eine Mission“ spielt. Das Kampfsystem ist erneut das große Highlight. Die bekannte Grundlage aus Nioh 2 – Ki-Management, Haltungswechsel, präzises Timing – ist vollständig erhalten geblieben und wurde sinnvoll erweitert. Neu sind hybride Kampfstile, die Waffen- und Yokai-Fähigkeiten noch enger verzahnen. Besonders Fans von Nioh 2 werden sich sofort zuhause fühlen, denn das Spielgefühl ist vertraut, aber feiner abgestimmt: Trefferfeedback, Animationen und Gegnerreaktionen wirken noch direkter und aggressiver. Gleichzeitig verlangt Nioh 3 mehr Anpassung, da Gegner deutlich variabler agieren und alte Taktiken nicht immer zuverlässig funktionieren. Selbst bekannte Gegner werden so zu einer tödlichen Falle.
Bei den Spielmechaniken zeigt sich der größte Wandel. Nioh 3 verabschiedet sich teilweise vom strikt missionsbasierten Aufbau und setzt auf größere, zusammenhängende Gebiete mit optionalen Routen, Events und dynamischen Yokai-Bedrohungen. Das sorgt für mehr Freiheit, geht aber ein Stück weit zulasten der perfekt getunten Kampfarenen, für die die Reihe bekannt war. Ebenfalls neu ist der dynamische Wechsel zwischen Samurai- und Ninjastil. Die bekannten Waffen wurden auf diese Stile aufgeteilt. Während man als Samurai die bekannten Mechaniken mit Haltungen und Ki-Pulse einsetzt, ist der Ninja-Stil eine neue Mechanik, die auf Tempo, ausweichen und schnelle hinterhältige Angriffe mit Ninjutsu setzt. Was uns hier weniger gefällt, ist, dass der Burst Counter an diese Mechanik geknüpft wurde und der Wechsel sozusagen aufgezwungen wird in einer Reihe, die für ihre Freiheiten bekannt wurde.
Im Vergleich zu den Vorgängern ist Nioh 3 weniger eine Revolution als eine mutige Evolution. Es ist größer, komplexer und experimentierfreudiger, verliert dabei aber ein wenig von der fokussierten Härte und Klarheit, die Nioh 2 für mich zum Serienhöhepunkt gemacht haben. Trotzdem bleibt es ein kompromissloses Action-RPG, das seine Zielgruppe genau kennt. Unterm Strich ist Nioh 3 ein starkes, wenn auch nicht perfektes Sequel. Für Fans – besonders für jene, die Nioh 2 bis ins letzte Endgame ausgereizt haben – ist es nahezu Pflichtprogramm. Wer allerdings gehofft hat, dass Team Ninja alle Ecken und Kanten abschleift, wird enttäuscht: Nioh 3 ist sperrig, fordernd und manchmal frustrierend. Aber genau das ist eben auch der Grund, warum ich trotzdem in Zukunft noch viele Stunden darin versenken werde und eher ein Nioh als Elden Ring starte.
Dragon Quest VII - Reimagined (PC, PS, NSW)
Es war einmal eine Firma namens Enix! Die Ära der 16-Bit Konsolen war bereits zu Ende und mit Neid musste man mit ansehen, wie der Konkurrent Squaresoft mit Meisterwerken auf der Playstation Erfolge feierte. Dies durfte nicht so bleiben und so erschien relativ spät im Lebenszyklus der Playstation ein Spiel namens Dragon Quest VII. Hatte die Reihe bisher vor allem auf dem Super Nintendo und in Japan Erfolge feiern können, sollte sich dies nun ändern. Ein richtiges RPG-Schwergewicht kam auf dem Markt, was seinen Wurzeln treu blieb und Spieler auf eine abenteuerliche und aus heutiger Sicht doch etwas sperrige Reise schickte. 26 Jahre später steht jetzt mit Dragon Quest VII - Reimagined die Neuauflage bereit.
Dragon Quest VII - Reimagined versucht den Klassiker behutsam zu modernisieren. Das fängt bei der Grafik an, die mit einer interessanten Dioramaoptik aus der Masse der JRPGs hervorsticht. Das Kampfsystem wurde besser ausbalanciert, da Gegner jetzt auf der Oberwelt immer zu sehen sind und zu einfache Gegner ohne Kampf ausgeschaltet werden können. Auch die Kämpfe selbst sind mit einer Reihe von Hilfsfunktionen beschleunigt worden, was teilweise so weit gehen kann, dass gar nicht mehr selbst gekämpft werden muss. Diese Entwicklung sehen wir bei Square-Enix-Spielen durchaus kritisch, da es dem Spieler zu leicht Entscheidungen abnimmt und auch wenn es Zeit spart, ein wenig der Charme der alten Spiele flöten geht, der sie teils zu dem gemacht hat, was sie waren. Da das Original ohnehin nicht sonderlich schwer war, wirken sich diese Vereinfachungen noch schwerwiegender aus, setzt man diese ein. Neben Kampf- und Grafikanpassungen wurde auch die Handlung ein wenig gestrafft, da Dragon Quest VII ein richtiger Zeitfresser war.
Stichwort Handlung, bis auf die Straffungen, bleibt man dem Original weitgehend treu. Denn auch Dragon Quest VII - Reimagined setzt eher auf fragmentierte Geschichten, als die große komplexe übergeordnete Handlung. Als Sohn eines Fischers wächst du auf der Insel Estard auf und es quält dich die Frage, gibt es da draußen noch mehr? Dieser Frage nachzugehen, ist Sinn und Zweck der Reise und bei der Erkundung der Ozeane gilt es immer wieder in der Zeit zurückzureisen und episodenhafte Abenteuer in der Vergangenheit zu erleben, und damit die Zukunft zu verändern und zu formen. Diese kleinen Episoden und Geschichten machen Dragon Quest VII - Reimagined besonders, denn erst einmal sind die Geschichten oft gut an einem Abend zu bewältigen und sie bieten ein breites Spektrum, mal lustig, mal traurig und mal nachdenklich.
Dragon Quest VII - Reimagined richtet sich an RPG-Fans alter Schule, an Neueinsteiger und alle, die ein definiertes Zeitbudget für ihr Hobby haben. Nicht besonders herausfordernd, aber mit dem Herz am rechten Fleck.
Menace (PC)
Menace ist der frisch erschienene Sci-Fi-Taktik-Titel der Battle-Brothers-Entwickler und richtet sich klar an Spieler, die anspruchsvolle, rundenbasierte Gefechte schätzen. Als Kommandant einer mobilen Einsatztruppe operiert man in einem zerrütteten Sternensystem, übernimmt Missionen für verschiedene Fraktionen und versucht, mit begrenzten Ressourcen zu überleben. Die Handlung bleibt dabei bewusst im Hintergrund und wird eher über Einsatztexte und Ereignisse angedeutet als wirklich erzählt. Der Fokus liegt klar auf den Spielmechaniken.
Die Kämpfe sind langsam, tödlich und stark positionsabhängig. Deckung, Sichtlinien und Einheitenplatzierung entscheiden über Sieg oder Totalverlust, was Menace angenehm taktisch, aber auch gnadenlos macht. Das Squad- und Ausrüstungsmanagement bietet bereits jetzt viel Tiefe, ist allerdings noch sperrig und wenig einsteigerfreundlich. Als Early-Access-Titel zeigt Menace deutliche Kanten: die Präsentation ist nüchtern, die Balance schwankt und der Umfang wirkt stellenweise unfertig. Trotzdem überzeugt das Spiel durch seine taktische Konsequenz und den spürbaren Anspruch. Wer XCOM-artige Spiele liebt und mit Ecken und Kanten leben kann, findet hier bereits jetzt eine spannende, wenn auch noch unfertige Strategie-Erfahrung. Spieler sollten sich aber im Klaren sein, dass Fehlentscheidungen in Menace knallhart bestraft werden und Verluste hochgelevelter Soldaten zum Tagesprogramm gehören.
Task Force Admiral (PC)
Seitdem es Microprose als kleinen Publisher wieder gibt, hat es eine richtige Wiederauferstehung von ausgewählten Strategiespielen auf dem PC gegeben, die sich besonders an Spieler aus ausgewählten Nischen richten. Task Force Admiral ist der neueste Beitrag in dieser Reihe von ungewöhnlichen Spielern und setzt den strategischen Fokus auf die Seeschlachten im Pazifikkrieg. Ihr übernehmt das Kommando über ein Trägerschiff und müsst in unterschiedlichen Missionen dafür sorgen, dass die Missionsziele erfüllt und eure Mannschaft wohlbehalten die Gefechte übersteht. Visuell ansprechend in Szene gesetzt, bekommt der interessierte Feldherr hübsche Seeschlachten zu Wasser und in der Luft geboten, wenn die Action dann irgendwann auch stattfindet.
Task Force Admiral richtet sich primär an geduldige Strategen. Wer ständig gefordert sein will mit Entscheidungen, die innerhalb von Millisekunden getroffen werden müssen, ist hier falsch. Hier gibt es keine ständigen Explosionen und Dinge brauchen Zeit. Seinen Träger von einem Punkt zum nächsten zu schicken, braucht Zeit. Die Flugzeuge zu betanken und mit Munition zu bestücken, braucht Zeit. Aufklärung zu betreiben, braucht Zeit und wenn der Gegner endlich entdeckt wurde, braucht auch die Planung und das Abfangen Zeit. Gerade durch diese Zeitkomponente wirken sich die wenigen Entscheidungen so verheerend aus, wenn sie zu schnell und ohne ausreichend Planung getroffen werden. Korrekturen sind kurzfristig nahezu unmöglich. Damit reiht sich Task Force Admiral in die Reihe der Strategiespiele ein, die sich schon lange mal wieder ein Setting im Pazifikkrieg gewünscht haben und Realismus über ständige Adrenalinspritzen stellen. Ein interessanter Titel, dem es leider momentan noch im Early Access an Umfang mangelt, aber die Bausteine sind sehr interessant.
