
Bewertung: 3 / 5
In den letzten Jahren ist insbesondere bei einem Filmschauspieler in Hollywood ein deutlicher Wandel zu beobachten. Bradley Cooper, der im Jahr 2009 mit seiner Darstellung des Phil Wenneck im Film Hangover seinen internationalen Durchbruch feierte, hat sich erfolgreich von seinem Image als Komödien- und Action-Schauspieler gelöst und konzentriert sich seit seiner Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller für den Film Silver Linings hauptsächlich auf ernste Rollen.
Im Jahr 2018 erschien der Film A Star Is Born, in dem er erstmals bei einem Spielfilm Regie führte und zugleich die Hauptrolle übernahm. Fünf Jahre später wagte er sich mit Maestro erneut an ein ambitioniertes Projekt, indem er sowohl die Verfilmung des Lebens von Leonard Bernstein (1918–1990) inszenierte als auch selbst die Hauptrolle spielte. Ursprünglich war für das bereits 2018 geplante Projekt Martin Scorsese als Regisseur vorgesehen. Nachdem Netflix den Film jedoch übernahm, fungierte Scorsese nur noch als Produzent, während Cooper die Regie übernahm.
Trailer zu Maestro
Inhalt
Maestro erzählt die komplexe Liebesgeschichte von Leonard und Felicia – eine Geschichte, die sich über mehr als 30 Jahre erstreckt: vom Zeitpunkt ihres Kennenlernens auf einer Party im Jahr 1946 über zwei Verlobungen, eine 25-jährige Ehe bis hin zu ihren drei Kindern Jamie Bernstein, Alexander Bernstein und Nina Bernstein Simmons.
Dreh- und Angelpunkt der Geschichte sind die Figuren Leonard Bernstein (Bradley Cooper) und Felicia Montealegre (Carey Mulligan). Beide werden über Jahre hinweg auf ihrem gemeinsamen Weg begleitet. Die Chemie zwischen den beiden ist in jeder Szene spürbar, insbesondere im starken ersten Drittel des Films, wenn sich ihre Blicke zum ersten Mal auf einer Party kreuzen. Hervorzuheben ist vor allem das überragende Schauspiel von Carey Mulligan, die es in jedem Moment schafft, den Zuschauer an ihrer Gefühlswelt teilhaben zu lassen.
Bradley Cooper gelingt es ebenfalls, seine Figur überzeugend darzustellen, wird jedoch von Mulligan klar in den Schatten gestellt – obwohl er in den aufwendig inszenierten Orchesterszenen seine schauspielerische Qualität eindrucksvoll unter Beweis stellt. Positiv zu erwähnen ist zudem eine Musicalszene, die großartig inszeniert ist und die kreativen Gedankengänge Bernsteins sehr gut veranschaulicht.
Neben diesen Aspekten ist auch die meisterhafte Arbeit der Maskenbildner hervorzuheben, die die Alterung der Hauptdarsteller auf beeindruckend realistische Weise darstellen. Ebenso verdienen die sorgfältig inszenierten Szenenübergänge im ersten Drittel des Films, insbesondere die Kamerafahrt zu Beginn, besondere Anerkennung.
So überzeugend das erste Drittel als Biografie des bekannten Dirigenten und Komponisten funktioniert, wird dieser Ansatz im zweiten und letzten Drittel zunehmend von einem Beziehungsdrama mit Höhen und Tiefen zwischen Bernstein und Montealegre überlagert. Der Film erwähnt Bernsteins kreative Schaffensleistung bewusst nur noch am Rande und konzentriert sich stattdessen auf seine inneren Krisen sowie die Beziehung zu seinen Kindern. Dies führt in vielen Momenten dazu, dass das Erzähltempo deutlich nachlässt und kaum Raum für die Entfaltung und Entwicklung von Nebenfiguren bleibt. Sowohl Bernsteins Freunde als auch seine Kinder bleiben dadurch blass.
Fazit
Maestro ist ein Film geworden, der nicht genau weiß, was er eigentlich sein möchte. Zu Beginn präsentiert er sich als überzeugendes Biopic über Leonard Bernstein, entwickelt sich dann jedoch zunehmend zu einem tragischen Beziehungsdrama zwischen Bernstein und seiner Ehefrau. Wer mehr über diesen bekannten Dirigenten und Komponisten erfahren möchte und nicht abgeneigt ist, zum Ende hin einige Abstriche in der Handlung zu machen, sollte sich diesen Film dennoch ansehen.


