
Bewertung: 3 / 5
Nachdem im letzten Sommer Superman den Start für das neue DCU markierte, erhält dieses Jahr seine Cousine Supergirl ihr eigenes Soloabenteuer. Schlechte Prognosen für die Ticketverkäufe und ernüchternde Kritiken lassen allerdings Zweifel aufkommen, ob das von James Gunn und Peter Safran geleitete DCU-Reboot finanziell und bei den Fans endlich richtig in Fahrt kommt. Wir haben uns Supergirl daher angesehen und verraten euch, ob sich ein Kinoticket lohnt.
Supergirl Kritik
Kara Zor-El beziehungsweise Supergirl (Milly Allcock) bereist mit ihrem Hund Krypto die Galaxie, als sie auf die junge Ruthye Marye Knoll (Eve Ridley) trifft. Das mutige Mädchen sinnt auf Rache, nachdem ihre gesamte Familie von den Briganten-Anführer Krem (Matthias Schoenaerts) ermordet wird. Supergirl, die sich lieber auf die Feier ihres 23. Geburtstags fokussieren möchte (und dem damit verbundenen Alkoholkonsum), interessiert das erstmal recht wenig. Doch vergiftet Krem wenig später Krypto, was Supergirl dazu zwingt, mehr oder weniger mit Ruthye zusammenzuarbeiten und das Gegengift zu ergattern.
Trailer zu Supergirl
Rebellische Helden, einfache Handlung
Supergirl setzt von Anfang an auf eine vollkommen andere Tonalität, als es die meisten DC-Filme tun. Denn Supergirl ist kein klassischer Held, sie trinkt Unmengen an Alkohol, flucht und macht Dinge, die der verantwortungsbewusst Superman vermeiden würde. Ihr Interesse am aktiven Retten von Welten hält sich in Grenzen. Der Ton lässt sich somit am ehesten mit Guardians of the Galaxy vergleichen. Die weiteren Figuren Ruthye, Lobo (Jason Momoa) und Krem sind ebenso unangepasst und haben Ecken und Kanten.
Daher ist es schade, dass der Film die Figuren nicht vernünftig nutzt. Lobo kommt viel zu kurz und darf bloß ein bisschen draufhauen und ein paar coole Sätze sagen, während Ruthye die meiste Zeit nicht ganz in das Geschehen reinpasst und von Supergirl buchstäblich stehen gelassen wird. Krem darf als Oberschurke zwar böse sein, viel mehr über seine Beweggründe erfahren wir jedoch nicht. Noch dazu ist der allgemeine Handlungsrahmen - die Jagd nach einem Schurken, der das Gegengift hat - recht simpel.
Milly Alcock ist das Highlight von Supergirl
Vor allem in der ersten Hälfte macht Supergirl dabei noch richtig Spaß, trotz der ziemlich simplen Geschichte. Das liegt am Humor und der Leichtigkeit, die der Film versprüht. Statt irgendwelcher schweren und komplizierten Hintergrundgeschichten bekommen wir eine mal betrunkene, mal verkaterte, aber dafür immer brillante Milly Alcock zu sehen. Die 26-jährige Australierin drückt dem Supergirl ihren ganz eigenen, rebellischen und coolen Stempel auf. Die Witze spielt sie auf den Punkt und auch in den Actionszenen kann sie problemlos mithalten. Selbst die emotionaleren Momente nehmen wir ihr ab, wenngleich das Drehbuch diese stärker hätte inszenieren können.
Die emotionalen Momente erfolgen derweil in Rückblenden, die uns zeigen, wie Kara das Ende Kryptons selbst miterlebte. Wobei die Vergangenheit nur in zwei großen Blöcken abgehandelt wird. Das reißt uns teilweise stark aus dem eigentlichen Geschehen heraus, auch wenn es wichtige Hintergründe liefert.
Jason Momoa macht in Supergirl das, was er immer macht. Eine lustige, actionreiche Figur könnte er wahrscheinlich im Schlaf spielen, daher gibt es hier nichts zu beanstanden. Dennoch wirkt es mehr wie Routine als wie eine richtig gute und motivierte Leistung. Mit Eve Ridley werden wir dagegen erst am Ende wirklich warm. Ob es nun an ihrer Rolle liegt oder nicht, so richtig hinein passt sie in den Film nicht.
Der Film zeigt, dass er besser sein könnte
Je länger Supergirl geht, desto mehr verliert der Film an Leichtigkeit und dem, was ihn richtig gut machen könnte. Mit einer einfallsreichen Handlung wäre das nicht weiter schlimm, nur wirkt die Geschichte hier eher wie Standard-Ware, die ein wenig rebellischer daher kommt. Dabei gibt es verdammt viele gute Ansätze, die allerdings unbenutzt bleiben.
So können die Actionszenen durchaus überzeugen und die Kamerafahrt beim ersten gemeinsamen Kampf von Supergirl und Lobo macht richtig Spaß. Wir sehen zudem etliche Alien-Rassen und Planeten, die das DCU erstmals wie ein richtiges Universum voller faszinierender Geschichten wirken lassen. Das Drehbuch ist auch nicht ganz blöd, denn ein Großteil der Exposition wird eher schleichend erzählt. Nicht selten erzählen uns Figuren in heutigen Blockbustern alles Wichtige mindestens drei Mal, damit es auch wirklich jeder versteht. Das alles macht den Film sehenswert, doch stellt er sich mit seiner simplen Erzählweise und den platten Themen wie der nicht nachvollziehbaren Traumverarbeitung selbst ein Bein.
Fazit
Supergirl ist der zweite Film im neuen DCU und macht durchaus Spaß. Der Humor, das Tempo und die vielen guten Ansätze haben uns immer wieder Hoffnung auf einen richtig guten Film gemacht. Doch erlischt diese Hoffnung mit jeder weiteren Minute, in der der Film seine Stärken gegen Schwächen eintauscht. Das größte Problem ist hierbei die sehr simple Geschichte, deren Themen nie wirklich überzeugen. Trotz aller Kritik, wurden wir dennoch überraschend gut unterhalten, was nicht zuletzt an einer überragenden Performance von Milly Alcock liegt.


