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Kritik: Es - Kapitel 2 von luhp92

luhp92 | 22.09.2019

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5 Kommentare
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MB80 : : Cheddar Goblin
08.10.2019 10:55 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.302 | Reviews: 28 | Hüte: 100

luhp92:

Also erst einmal möchte ich bekunden, dass ich mir gerne selber in den Arsch treten möchte, weil ich seit Monaten herumschlawentzel mir nicht "Barry Lyndon" vom Kubrick anzusehen, weil der halt 3 h lang ist, aber jetzt Zeit und Geld in DIESEN FILM getragen habe.

Gute Kritik, der ich zu großen Teilen zustimmen kann, vor allem im Ergebnis, aber auch so ein paar Punkte habe die mMn überhaupt nicht funktionieren. Wieder unter dem Vorbehalt, dass ich das Buch nicht gelesen habe...

"Circa die ersten 120 Minuten, in denen sich der Film dem erneuten Zusammentreffen der nun erwachsenen Verlierer und ihren Soloabenteuern in Derry widmet, haben mir wider Erwarten im Großen und Ganzen doch ganz gut gefallen."

[..]

"Die Kinder-Charaktere werden näher und tiefer beleuchtet, was nach Teil 1 dringend nötig war, und man erhält ein besseres Gefühl für die Größe und Tragweite der Handlung."

Ich fand besonders die Soloabenteuer in der Mitte furchtbar, weil sie den Kindern wenig neue Nuancen verliehen haben, quasi den ersten Film fraktionsweise NOCHMAL erzählt haben, und immer nach dem selben Schema abliefen: Erwachsene gehen an einen Platz ihrer Kindheit zurück, erinnern sich an "Spooky Clowns scare me" Moment, finden ihr Artefakt (oder noch nicht). Der Teil war so redundant und ziellos erzählt, dass ich fast wütend geworden bin. Und wie beim ersten Teil wurde immer 5 Minuten vorher telegraphiert, wann der Schock kommt. Da ist mir Insidious echt inzwischen in positiver Erinnerung...

"Das Intro mit dem Schwulenpärchen wurde 1:1 aus dem Roman übernommen (eine der besten Romanexpositionen, die ich kenne) und verliert daher nichts von seiner grauenerregenden und schockierenden Wirkung."

Das Intro ist brutal und ätzend, und in sofern effektiv. Die Frage, die ich mir bei dem Film gestellt habe, war: verdient der Film sich diese Szene, und was ist der Pay-off? Und ich denke der Film verdient sie sich nicht, dass Pennywise Richie später mit seiner scheinbar geheim gehaltenen Homosexualität konfrontiert lies mich nur denken: "Hey, wir haben 2019. Come on!" Ich will jetzt nicht das Fass aufmachen, dem Film Schwulenfeindlichkeit vorzuwerfen, aber so steht die Anfangsszene ziemlich isoliert da, ein "Hate Crime" zu unserer Unterhaltung. Frage: Ist das im Buch besser gelöst?

"Pennywise und das Mädchen während des Baseballspiels, .."

Nur ein kleinerer "Nitpick" von mir: Lebt Pennywise nicht von der Angst der Kinder? Ich hatte das Gefühl, dass er sich hier wortwörtlich sein Essen versalzt.

"...ist weniger ein Horrorfilm, er kommt mehr einer Horrorkomödie gleich, es werden viel zu viele Witze eingebaut, welche dann diverse Horror- und Dramaelemente untergraben."

Dem stimme ich zu, fand es aber nicht so schlimm. Auf der anderen Seite war ich bei 3 h Laufzeit echt froh, dass ich auch mal lachen konnte wink

"...das Finale fällt dagegen jedoch ziemlich schwach aus."

Ja, das "Finale Form" Design habe ich vorher richtig getippt ;)
Außerdem: Die Auflösung, genau wie beim ersten Film, war genauso leicht wie im ersten Film, was nach der langen Geisterbahnfahrt vorher eher enttäuschend war. Ich vermute mal, das ist im Buch, wo man die Zeit und den Raum hat, interne Konflikte besser auszuarbeiten, besser gelöst?

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
09.10.2019 22:50 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.241 | Reviews: 180 | Hüte: 415

@MB80

Danke für das Lob!

Zu 180-Minuten-Klassikern wie "Barry Lyndon":
Ja, den Hut kann ich mir ebenfalls aufsetzen^^

"Erwachsene gehen an einen Platz ihrer Kindheit zurück, erinnern sich an "Spooky Clowns scare me" Moment, finden ihr Artefakt (oder noch nicht)."

Im Buch ist es ähnlich. Da hat jeder der Erwachsenen seine eigenen Rückblick- und Solokapitel, in denen sie Es in irgendeiner Form begegnen. Das mit den Artekfakten ist jedoch eine Erfindung des Films, als Folge dessen, dass man die sperrigen Romanelemente bezüglich der Bekämpfung von Es nicht adaptiert hat.

"Und wie beim ersten Teil wurde immer 5 Minuten vorher telegraphiert, wann der Schock kommt. Da ist mir Insidious echt inzwischen in positiver Erinnerung..."

Bei "Insidious" wusste ich das auch immer, bevor dann die Jumpscares einsetzen^^

""Hey, wir haben 2019. Come on!" Ich will jetzt nicht das Fass aufmachen, dem Film Schwulenfeindlichkeit vorzuwerfen, aber so steht die Anfangsszene ziemlich isoliert da, ein "Hate Crime" zu unserer Unterhaltung. Frage: Ist das im Buch besser gelöst?"

Nun, Schwulenfeindlichkeit und schwulenfeindlich motivierte Morde und Gewaltverbrechen gibt es ja leider auch in den 2010er Jahren noch zur Genüge, daher halte ich diese Szene schon für angebracht und angemessen. Das Problem ist allerdings, wie du schon angedeutet hast, dass die Kinofilme sich insgesamt sehr unpolitisch geben, daher sticht eine solche Szene wie ein Einzelfall natürlich krass heraus. Der Roman dagegen setzt sich intensiv mit dem in der US-Gesellschaft verwurzelten Rassismus, Antisemitismus und Homophobie auseinander.
Des Weiteren wurde das zeitliche Setting im Film um 30 Jahre verschoben, der Erwachsenenplot inklusive des Intros ist im Roman in den 80er Jahren angesiedelt (der Kinderplot dementsprechend in den 50ern) und da sah es in Sachen Homophobie in den USA noch ganz anders aus. Der Roman selbst stammt ebenfalls aus den 80ern, King beobachtete da also die damalige Gegenwart.

"Lebt Pennywise nicht von der Angst der Kinder?"

Ja. Im Film wird das finde ich aber nie so ganz klar.

"Die Auflösung, genau wie beim ersten Film, war genauso leicht wie im ersten Film. Ich vermute mal, das ist im Buch, wo man die Zeit und den Raum hat, interne Konflikte besser auszuarbeiten, besser gelöst?"

Ja, definitiv. Wie schon erwähnt, die sperrigen Romanelemente bezüglich des Wesens und der Bekämpfung von Es wurden - auch schon im 90er-Zweiteiler - nicht adaptiert, dadurch wirken die Geschichte und der Kampf in den Filmen immer kleiner und oberflächlicher als im Roman. In Teil 2 werden drei wichtige Buch-Charaktere auch auf ein Minimum reduziert. Zum Einen Bills Ehefrau und zum Anderen der erwachsene Henry Bowers und Beverlys Ehemann Tom, die als zwei relevante Nebenantagonisten im Roman fungieren.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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MB80 : : Cheddar Goblin
10.10.2019 09:00 Uhr
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Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.302 | Reviews: 28 | Hüte: 100

luhp92:

"Im Buch ist es ähnlich. Da hat jeder der Erwachsenen seine eigenen Rückblick- und Solokapitel, in denen sie Es in irgendeiner Form begegnen."

Ok, dann vermute ich mal, dass funktioniert im Buch besser (?), denn im Film fand ich es unheimlich zäh und repetitiv... Ich denke, der Film will hier die Thematik des Erwachsenwerden-Horrors ausbauen, aber da das im ersten Film eigentlich abgehandelt war führt das hier zu nichts.

"Bei "Insidious" wusste ich das auch immer, bevor dann die Jumpscares einsetzen^^"

Also Insidious hat mich manchmal echt kalt erwischt, vor allem weil die Kamera da effektiver eingesetzt wird. Da hast du z.B. diese Szene, wo die Ma ins Babyzimmer kommt, die Kamera fokussiert auf das Bett, man wiegt sich kurz in Sicherheit... Und DANN sieht man die Fratze im Fenster. Hier wurde der Schock ja sogar mit Fusstritten und ähnlichem auf die Sekunde genau angekündigt (der "old hag" Moment), und der Muschietti hält mit der Kamera immer genau drauf.

"Nun, Schwulenfeindlichkeit und schwulenfeindlich motivierte Morde und Gewaltverbrechen gibt es ja leider auch in den 2010er Jahren noch zur Genüge, daher halte ich diese Szene schon für angebracht und angemessen."

Das ist mir klar, und ich meine halt gerade, ob die Szene angemessen ist im Sinne von "wird damit dann weiter gearbeitet". Denn...

"Der Roman dagegen setzt sich intensiv mit dem in der US-Gesellschaft verwurzelten Rassismus, Antisemitismus und Homophobie auseinander."

..genau das dachte ich mir. Im Film fällt das leider unter den Teppich, bzw. die Verknüpfung zu "Es" als Metapher kommt nicht durch.

"Ja, definitiv. Wie schon erwähnt, die sperrigen Romanelemente bezüglich des Wesens und der Bekämpfung von Es wurden - auch schon im 90er-Zweiteiler - nicht adaptiert, dadurch wirken die Geschichte und der Kampf in den Filmen immer kleiner und oberflächlicher als im Roman."

Ich hatte bei der Länge des Filmes das Gefühl, dass er zwar VERSUCHT den Kern des Buches einzufangen, aber das nicht ganz hin bekommt, sodass wir einen Film haben, der für seine Länge zu wenig Inhalt hat, und gleichzeitig zu kurz ist, um dem Buch gerecht zu werden.

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
10.10.2019 23:18 Uhr | Editiert am 10.10.2019 - 23:19 Uhr
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Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.241 | Reviews: 180 | Hüte: 415

@MB80

"Ok, dann vermute ich mal, dass funktioniert im Buch besser (?), denn im Film fand ich es unheimlich zäh und repetitiv..."

Für mich funktionierte das ja auch im Film gut, im Roman aber noch besser und mehr im Detail, das vermutest du richtig.

"Ich denke, der Film will hier die Thematik des Erwachsenwerden-Horrors ausbauen, aber da das im ersten Film eigentlich abgehandelt war führt das hier zu nichts."

Was meinst du damit? In Teil 1 ging es ja nur um die Kinder.

"sodass wir einen Film haben, der für seine Länge zu wenig Inhalt hat, und gleichzeitig zu kurz ist, um dem Buch gerecht zu werden."

Joa, dem würde ich im Großen und Ganzen zustimmen. "Es" wäre meiner Meinung nach perfekt für eine Miniserie geeignet, wie es aktuell auch bei Stephen Kings "The Stand" geschieht. Und Muschiettis Super Extended Cut (Teil 1 & 2) soll eine Laufzeit von 6,5 Stunden haben, das könnte man theoretisch also schon als Miniserie veröffentlichen. Das wirklich Enttäiuschende an den Kinofilmen ist für mich, dass es trotz der Laufzeit nicht gelang, den Roman vernünftig und inhaltlich tiefgehend zu adaptieren.


"Und DANN sieht man die Fratze im Fenster. Hier wurde der Schock ja sogar mit Fusstritten und ähnlichem auf die Sekunde genau angekündigt"

Ja, der Dämon taucht in "Insidious" ja immer überall urplötzlich irgendwo auf. Wobei man das, wie du schon schriebst, eben genau vorhersehen kann.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
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MB80 : : Cheddar Goblin
11.10.2019 07:11 Uhr
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Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.302 | Reviews: 28 | Hüte: 100

luhp92:

"Was meinst du damit? In Teil 1 ging es ja nur um die Kinder."

Damit meinte ich, dass wir durch die Flashbacks nichts neues mehr erfahren...

"Und Muschiettis Super Extended Cut (Teil 1 & 2) soll eine Laufzeit von 6,5 Stunden haben, das könnte man theoretisch also schon als Miniserie veröffentlichen. Das wirklich Enttäiuschende an den Kinofilmen ist für mich, dass es trotz der Laufzeit nicht gelang, den Roman vernünftig und inhaltlich tiefgehend zu adaptieren."

Ich glaube da sind wir prinzipiell auf einem Nenner. Es ist schon ein bisschen dreist, einen so langen Film abzuliefern und noch vorher anzukündigen, dass nach dem Kino eh ein Cut von ca. 4 h rauskommt. Das ist ja als würde man eingestehen, dass der Film so nur ein Kompromiss ist. Da wundert es mich auch nicht dass die Zuschauerzahlen doch klar hinterher hinken, wäre mir das so wichtig würde ich auch einfach 4 Monate auf die BluRay warten ;)

"Ja, der Dämon taucht in "Insidious" ja immer überall urplötzlich irgendwo auf. Wobei man das, wie du schon schriebst, eben genau vorhersehen kann."

Aber der Punkt, den ich machen wollte, war in der Inszenierung. Der Teufel (hö hö) steckt im Detail.

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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