
Wir schreiben das Jahr 2026, das Jahr, in dem Star Trek sein 60-jähriges Jubiläum feiert. Sicherlich wird dies in den kommenden Monaten noch mehrmals zum Thema werden, doch jetzt soll es erst einmal um die brandneue Serie gehen, die in diesem Jahr veröffentlicht wird: Star Trek - Starfleet Academy. Allein durch die Tatsache, dass sie im großen Jubiläumsjahr erscheint, wird ein gewisser Druck auf ihr liegen. Doch auch aufgrund der Tatsache, dass sie demselben Kosmos wie Star Trek - Discovery angehört, denn dadurch dürfte die neue Serie es besonders bei traditionellen Fans zu Beginn schwer haben. Die ersten beiden Episoden wurden jetzt veröffentlicht, Zeit also für einen ersten Bericht.
Unser Ersteindruck zu Star Trek - Starfleet Academy
Willkommen an der Sternflottenakademie! Nahla Ake (Holly Hunter) ist dort nicht nur die Kanzlerin, sondern auch Captain der USS Athena, dem Ausbildungsschiff der Kadetten. Diese stehen im Fokus der Serie - gemeinsam erleben sie die Höhen und Tiefen des Akademiealltags: Sie schließen unzerbrechliche Freundschaften, geraten in explosive Rivalitäten, erleben ihre erste Liebe und treten ihr Schicksal als nächste Generation von Sternenflottenoffizieren an. Als ein mysteriöser neuer Feind sowohl die Akademie als auch die Föderation selbst bedroht, müssen sich diese Kadetten der Herausforderung stellen oder riskieren, alles zu verlieren, wofür sie gerade erst zu kämpfen begonnen haben.
"Star Trek - Starfleet Academy" Trailer 1 (dt.)
Zeitlich siedelt die Serie sich unmittelbar nach den Ereignissen der fünften Staffel von Star Trek - Discovery an, denn dort wurde die Wiedereröffnung der Sternenflottenakademie in die Wege geleitet. Jetzt gibt es durchaus nicht wenige Star Trek-Fans, welche nicht gut auf Star Trek - Discovery zu sprechen sind. Und offen gesagt gehört der Autor dieser Review dazu. Das Franchise hatte zu jeder Zeit Stärken und Schwächen. Doch Star Trek - Discovery... nein, wir wollen hier nicht alte Wunden aufreißen. Lassen wir es dabei, dass die Serie bei vielen Fans einen äußerst schweren Stand hat. Während Star Trek - Strange New Worlds sein eigenes Ding macht, sich vor allem inhaltlich stark von Star Trek - Discovery unterscheidet und viele auch traditionelle Fans für sich gewinnen konnte, knüpft Star Trek - Starfleet Academy jedoch direkt bei der bei vielen unbeliebten Serie an. Die Erwartungshaltung dürfte entsprechend bei so manchem Fan eher gering ausfallen. Erwartet uns hier schlicht ein zweites Discovery?
Zum Glück nicht! Ja, manche der Kritikpunkte an Star Trek - Discovery finden sich auch hier wieder, zu denen kommen wir gleich. Doch insgesamt macht Star Trek - Starfleet Academy einen richtig guten Ersteindruck. Es ist eben keine simple Fortsetzung, sondern sein eigenes Ding mit einem ganz eigenen Charme.
Tatsächlich könnte mit Star Trek - Starfleet Academy etwas gelingen, woran man zuvor gescheitert ist: Etwas Neues zu erschaffen, das komplett auf eigenen Beinen stehen kann, und gleichzeitig in der Tradition von allem steht, was zuvor kam. Ja, nach den ersten beiden Episoden fühlt es sich nach Star Trek an, aber nach einem neuen Star Trek. Etwas, was schon mehrfach genannte, unbeliebte Serie nie erreichen konnte. Wir befinden uns hier in einer spannenden Ära nach einer galaxisweiten Katastrophe, in der die Föderation immer noch zerbrochen ist und neu aufgebaut werden muss, während überall Gefahren lauern. Dass man hier nicht einzelne Personen zum galaktischen Auserwählten erklärt und ins Zentrum der Handlung stellt wie anderswo, sondern die Sternenflotte wieder im Fokus steht, hat uns sehr gefallen.
Holly Hunter übernimmt als Captain und Kanzlerin der Akademie hier die Hauptrolle und sie hat uns bereits nach der ersten Episode komplett überzeugt. Die Captains hatten im Franchise immer schon eine besondere Rolle inne. Hunter bringt definitiv ihre eigene Note mit hinein und unterscheidet sich auch durchaus von ihren Vorgängern, doch wir glauben schon jetzt, dass sie einst stolz neben ihnen wird stehen können.
Auch der Cast aus dem die Kadetten bestehen, hat uns bislang überzeugen können. Die Figuren und ihre Beziehungen zueinander bringen eine spannende Dynamik in die Serie. Paul Giamatti übernimmt die Rolle des Bösewichts, wobei nach den ersten Episoden noch unklar ist, wie genau dies aussehen wird. Dennoch hatte er bereits seinen Auftritt und wir sehen hier zumindest das Potenzial, dass er ein erinnerungswürdiger Gegner sein wird.
Es gibt auch ein paar bekannte Gesichter. Oded Fehr übernimmt nach Star Trek - Discovery auch hier wieder die Rolle von Sternenflotten-Admiral Charles Vance, was wir durchaus begrüßen, da er bereits bei Discovery einer der wenigen Lichtblicke war. Das ganz große Comeback feiert jedoch Robert Picardo als berühmtes Medzinisch Holografisches Notfallprogramm, kurz: MHN. Bekannt ist er natürlich aus Star Trek - Voyager und hat als Hologramm inzwischen bereits 800 Jahre hinter sich. Die ganz große Rolle hat er hier (noch?) nicht, aber es ist schön, dass er dabei ist, und er darf in der zweiten Episode auch direkt eine Oper singen. Von seinem Charme hat er jedenfalls nichts verloren.
An seinem Beispiel sieht man auch, wie sich diese Serie im Positiven von manch anderen unterscheidet: Der Doktor sieht jetzt natürlich älter aus, obwohl er als Hologramm nicht altern dürfte. Die simple Erklärung: Er hat vor 500 Jahren seiner Matrix ein Alterungsprogramm hinzugefügt. Ganz ehrlich: Mehr brauchen wir als Erklärung nicht. Ein kurzer, beiläufiger Nebensatz und das Thema ist durch. Aber genau dies machen leider viele andere Serien oder auch Filme nicht.
Wenn wir schreiben, dass Star Trek - Starfleet Academy in der Tradition von allem steht, was zuvor kam, so meinen wir dies auch durchaus wörtlich. Es empfiehlt sich, stets die Augen offen zu halten, denn bereits in den ersten beiden Episoden gab es so manche Hinweise oder Anspielungen auf allerhand aus dem Franchise Bekanntes. Seien es Figuren, Namen, Ereignisse. Dadurch, dass die Serie an der Sternenflottenakademie spielt, wirkt dies nicht einmal wie erzwungener Fan-Service, sondern vielmehr als Teil der Umgebung und der Welt. Wir wollen hier absichtlich nichts spoilern, aber es gibt so einiges zu entdecken.
Kommen wir zu einigen negativen Aspekten. Schon bei Star Trek - Discovery mochten wir diesen modernen Stil nicht, der auch hier jetzt fortgeführt wird. Alles ist so glatt, spiegelnd und steril. Auch Star Trek - Strange New Worlds leidet darunter. Dort musste man sich jedoch noch aufgrund des Canons an Bestehendem orientieren und halten, wohingegen in der Zeit von Star Trek - Starfleet Academy die Macher komplett freie Hand haben. Star Trek hatte früher immer einen ganz bestimmten Stil, wodurch das Franchise sich auch von anderen Produkten unterschieden hat. Das moderne Star Trek sieht leider aus wie jede beliebige, generische Sci-Fi-Produktion, nur dass man noch überall das Emblem der Sternenflotte draufgeklebt hat, damit es noch als Star Trek zu erkennen ist. Tatsächlich fliegen jetzt in der Akademie Roboter umher, die 1:1 aus Star Wars hätten stammen können. Dieser teils wirklich hässliche und einfallslose Stil des heutigen, modernen Star Trek ist eine seiner größten Schwächen.
Auch verstehen wir nicht so ganz, warum ständig das Aussehen mancher außerirdischer Völker angepasst werden muss. Was die Macher vermutlich als "Moderniesierung" verstehen, bezeichnen andere umgangssprachlich als Verschlimmbesserung. Ja, die Ferengi als Beispiel sind noch deutlich als solche zu erkennen, aber das Design wurde angepasst und man fragt sich einfach nur, warum? Bei den Klingonen ging das in Discovery bekanntlich so nach hinten los, dass sie diesen Fehler inzwischen wieder korrigiert haben (wenngleich sie dadurch den Canon missachtet haben, aber lasst uns nicht damit anfangen...).
Es gibt noch ein paar weitere Kleinigkeiten, die uns etwas stören, und auch dass hier offensichtlich keine Kanon-Experten hinter der Kamera stehen, ist wieder erkennbar gewesen. Dennoch fällt unser Ersteindruck überwiegend positiv aus.
Kritikpunkte kann es immer geben und wird es immer geben. Auch das Star Trek von früher war wahrlich nicht frei davon. Entscheidend ist, wie der Rest gelungen ist. Ist es eine Serie, bei der man die Kritikpunkte akzeptieren kann, ohne, dass sie einem den Spaß verderben, bei der das Positive überwiegt, oder ist es eine Serie, bei der die Kritikpunkte so überwiegen, dass einfach nichts mehr zu retten ist? Discovery würden wir als Letzteres bezeichnen, doch Star Trek - Starfleet Academy fällt glücklicherweise in die erste Kategorie.
Die Geschichte ist interessant, die Charaktere bringen Charme mit, die Sternenflotte und die Föderation stehen wieder im Fokus. Star Trek - Starfleet Academy liefert genug, um so manchen Kritikpunkt zu verzeihen. Zudem unterscheidet man sich mit dem Setting an der Akademie von früheren Serien genug, um eine eigene Identität zu kreieren und so auch etwas Frische ins Franchise zu bringen.
Fazit
Dies ist nur ein Ersteindruck nach zwei Episoden, doch er fällt sehr positiv aus. Wir hatten offen gesagt keine hohen Erwartungen, wurden aber positiv überrascht und blicken jetzt mit großen Hoffnungen auf die kommenden Wochen. Star Trek - Starfleet Academy hat das Herz am richtigen Fleck und stellt sich in die Tradition seiner vielen Vorgänger. Hier steht nicht nur Star Trek drauf, es steckt auch Star Trek drin. Ja, es ist anders, neu und mag sich sogar etwas fremd anfühlen. Doch dies war auch nie das Problem bei Star Trek - Discovery, sondern vielmehr, dass das dort Gezeigte schlichtweg nichts mit Star Trek zu tun hatte. Weder optisch, noch inhaltlich oder sonst wie. Dies ist bei Star Trek - Starfleet Academy schon jetzt anders.
Ein sympathischer Cast, eine spannende Ausgangslage, ein hoffnungsvoller Beginn - Star Trek - Starfleet Academy hat nach zwei Episoden auch einen alten und traditionellen Star Trek-Fan für sich gewinnen können. Der Anfang ist gemacht, nun bleibt nur zu hoffen, dass die Reise erfolgreich fortgeführt wird.

