
Wer ermordete Laura Palmer? Wer ist Diane? Was will uns die Frau mit dem Holzscheit sagen? Und was verbirgt sich hinter dem roten Vorhang der Black Lodge? Für das damalige Fernsehpublikum waren das keine beiläufigen Rätsel, sondern Wochen- und monatelange Obsessionen.
Als Twin Peaks 1990 startete, veränderte die Serie das Fernsehen nachhaltiger als die meisten späteren Prestigeformate. Lynch und Frost nutzten das scheinbar harmlose Korsett der Prime-Time-Serie, um es von innen heraus zu sprengen: Eine Mordermittlung diente nur als Einstieg in ein Erzählen, das mit Brüchen, Wiederholungen, Ironie und Traumlogik arbeitete – und dem Publikum erstmals zumutete, Bedeutungen selbst zu konstruieren.
Die Revolution lag weniger im „Wer war der Mörder?“ als in der Art, wie erzählt wurde. Figuren wechselten Tonlagen, Szenen kippten unvermittelt von Slapstick in Horror, das Alltägliche öffnete sich ins Metaphysische. Serien wurden damit nicht länger bloß fortgesetzte Geschichten, sondern Erfahrungsräume. Viele spätere Qualitätsserien wären ohne dieses Experiment kaum denkbar.
Mit der dritten Staffel Twin Peaks (2017), radikalisierten Lynch und Frost ihren Ansatz noch einmal. Statt Nostalgie zu bedienen, dehnten sie Zeit, Handlung und Identität bis zur Auflösung. Twin Peaks wurde endgültig zu einem Werk, das Fernsehen als Kunstform denkt – was allerdings nicht von allen gefeiert wurde.
Dass nun alle drei Staffeln geschlossen in der Arte-Mediathek verfügbar sind, ermöglicht nun eine der folgenreichsten Umwälzungen der Seriengeschichte in ihrer ganzen Konsequenz nachzuvollziehen.
Was meint ihr, wie ist die Serie gealtert? Und habt ihr die dritte Staffel gesehen?
