Das Jahr 2026 beginnt mit einem Knall, denn am 1. Januar ist mit Stranger Things nach knapp zehn Jahren eine der erfolgreichsten Netflix-Serien zu Ende gegangen, die schnell eine Fangemeinde aufbauen und im Laufe der verhältnismäßig kurzen Zeit eine Art Kultstatus erlangen konnte. Neben beeindruckenden Rekorden, wie 1,2 Milliarden Gesamtzugriffe auf die Serie selbst oder das fast schon übliche Abstürzen der Server zum Release, endet also eine Ära, obwohl bereits zahlreiche Spin-offs mit weiteren Geschichten aus der Welt der Duffer Brüder in Aussicht stehen.
Nach unserer Review zu Volume 1 der fünften Staffel, welche ihr hier noch einmal nachlesen könnt, widmen wir uns, natürlich ohne Spoiler, der zweiten Hälfte und somit den finalen vier Folgen, die das Ende des Kampfes gegen Vecna und die Demogorgons markieren soll. Doch gelingt es den Machern, die Geschichte um Elf, Mike und Co gebührend abzuschließen, ohne dabei einen Backlash der Fans (Wir sagen nur Game of Thrones Staffel 8) loszutreten?
Die Handlung setzt nach Vecnas (Jamie Campbell Bower) verheerendem Schlag gegen Will (Noah Schnapp) und seine Freunde an, der aber Hinweise liefert, wie Henry Creel vielleicht doch noch gestoppt werden kann. Hopper (David Harbour) und Elfie (Millie Bobby Brown) versuchen in der Schattenwelt weiterhin, Dustin (Gaten Matarazzo) und die anderen zu finden, während Max (Sadie Sink) Holly (Nell Fisher) hilft, aus dem Gedankengefängnis zu entkommen. Sie erfahren die erschreckende Wahrheit über die andere Seite und enthüllen zugleich den teuflischen Plan von Vecna, welcher sich seinen ganz eigenen Dämonen stellt. Für eine gefährliche Mission müssen die Freunde dann schließlich ein allerletztes Mal zusammenhalten, da nicht nur das Schicksal von Hawkins, sondern das der gesamten Welt auf dem Spiel steht …
Die letzten Episoden von Stranger Things Staffel 5, die alle mit einer Lauflänge von über einer Stunde aufwarten, bieten inhaltlich einige Enthüllungen, die auch große, bislang ungelöste, Rätsel der Serie aufklären. So bekommen wir die langersehnte Antwort darauf, was es mit dem Upside Down denn wirklich auf sich hat, während auch Elvies und Henrys Verbindung wie bereits in Staffel 4 wieder von großer Bedeutung ist. Spannung ist damit für Volume 2 und 3 garantiert, wobei das Finale fast etwas zu sorgsam ist, was den Hauptcast der Serie angeht, dazu aber später mehr.
Schauen wir auf den filmischen Aspekt der Folgen, denn wie es Fans der Serie gewohnt sind, beeindruckt Stranger Things mit dem gefeierten Retro-80s Look, dem Blockbuster-Flair und etwaigen CGI-Schlachten, gerade wenn es um das wirklich bombastische Finale geht. Zwar gibt es durchaus kleinere Momente, in denen man bei genauerem Hinsehen den Greenscreen wegen fehlender Schattierungen erkennt, jedoch sieht man den Episoden ihr jeweiliges Budget von geschätzten 50 bis 60 Millionen US-Dollar definitiv an. Inszenatorisch nehmen neben den Duffer Brüdern auch wieder Hollywood-Größen wie Shawn Levy (Deadpool & Wolverine) oder The Green Mile-Filmemacher Frank Darabont auf dem Regiestuhl Platz, sodass man sicher sein kann, dass auch entscheidende Szenen sehr gut zur Geltung kommen.
Bei dem riesigen Darstellerensemble, was allein in Staffel 5 mit Terminator-Legende Linda Hamilton noch einmal gewachsen ist, stechen, unserer Ansicht nach, vor allem Jamie Campbell Bower und Noah Schnapp heraus. Bower gelingt es nämlich, das komplexe und zerrissene Innenleben von Henry Creel nach außen zu tragen, was besonders bei der Konfrontation mit der Vergangenheit seiner Figur ersichtlich wird. Schnapp hingegen, schafft es, die Charakterentwicklung von Will Byers im Vergleich zu Staffel 1 glaubwürdig darzustellen. Ohne hier zu spoilern, meinen wir an dieser Stelle eine bestimmte Szene aus Episode 7, die trotz großer Aufregung bei Social Media, IMDb und Co dennoch passt und überzeugend gespielt ist. Die erst vierzehnjährige Nell Fisher, die man eventuell aus Evil Dead Rise kennt und die für die Rolle der Holly Wheeler neu gecastet wurde, macht ihre Sache ebenfalls gut, wenn man überlegt, wie viel Screentime ihr im Laufe der Staffel zuteilwird.
Das Ende im Speziellen, wird den Charakteren unserer Meinung gerecht, da man bewusst einen kleinen Spielraum der Unklarheit schafft und nicht den Friede-Freude-Eierkuchen-Weg wählt, um die letzten neun Jahre ausklingen zu lassen. Viel mehr deutet man auch deren Leben nach dem Kampf gegen interdimensionale Kreaturen an und zeigt, dass das Leben weitergeht, auch wenn es womöglich nicht der Ausgang ist, den sich die Fans vielleicht ausgemalt haben.
Also hat Netflix doch eigentlich hier das ultimative Serienfinale zu Stranger Things geschaffen, da wir doch nur Positives in dieser Review zu vermelden hatten, oder? Leider nicht ganz, denn wie wir bereits oben angerissen haben, ist man gerade in der letzten Episoden etwas zu schüchtern, um zu zeigen, was alles auf dem Spiel steht. Hier hätten wir uns bei all dem Hype im Vorfeld einen kleinen Denkanstoß gewünscht, der die Figuren aus der Bahn zu werfen droht und sie daran erinnert, welch große Verantwortung aber auch Last es ist, die Welt retten zu müssen. Dazu kommt, dass uns der Tod eines gewissen Charakters emotional nicht wirklich mitgenommen hat, da jener im Gesamtblick auf die Handlung keinen allzu großen Impact beitrug und vielleicht nicht unbedingt hätte zurückkommen müssen.
Zusammenfassend können wir festhalten, dass die Macher hinter Volume 2 und 3 eine durchgängig spannende, mit Twists gespickte Handlung erzählen und jene mit gewaltigen Effekten im Finale auch abzuschließen und zu inszenieren wissen. Darsteller, wie Jamie Campbell Bower, bringen vielschichtige Charaktere auf die Bildschirme, sodass wir nur wegen fehlender Konsequenz und einem weniger ergreifenden Figuren-Tod 4 von 5 Hüte an die zweite Staffelhälfte verteilen möchten.
Insgesamt würde Stranger Things Staffel 5 damit zwischen 4 und 4,5 Hüten schwanken, was doch einen mehr als zufriedenstellender Abschluss einer Geschichte bedeutet, die nicht nur die Darsteller von der Jugend bis zum Erwachsenenalter begleitet hat.
