
Bewertung: 3 / 5
Inzwischen ist es sieben Jahre her, dass Star Wars zuletzt mit einem neuen Kinofilm über die Leinwand flimmerte. Nachdem bei den vergangenen Filmen von Lucasfilm und Disney nicht alles optimal lief, verordnete man sich zunächst eine Pause und entdeckte stattdessen den Serienmarkt für sich. Nun bekommen wir mit The Mandalorian & Grogu endlich wieder einen neuen Star Wars-Film für die große Leinwand. Dabei handelt es sich um einen Ableger der erfolgreichen Serie.
The Mandalorian zündete bei den Fans auf ganzer Linie. Der Westernstil, die mandalorianische Mythologie und die Inszenierung, all das funktionierte besonders in Staffel 1 hervorragend. Mit der zweiten Staffel führte man die Geschichte des Kopfgeldjägers „Mando“ und des Findelkindes Grogu eigentlich zu einem runden Abschluss. Trotzdem ging es weiter und eine dritte Staffel erschien. Im Gegensatz zu ihren beiden Vorgängern wurde sie jedoch deutlich gemischter aufgenommen. Anschließend wurde spekuliert, ob noch eine vierte Season folgen würde, stattdessen kündigte Lucasfilm jedoch an, mit The Mandalorian & Grogu einen Spielfilm zu produzieren.
Trailer zu The Mandalorian & Grogu
Bereits zu Beginn macht der Film durch eine kurze Texteinblendung klar, dass es nicht notwendig ist, die Serie gesehen zu haben. The Mandalorian & Grogu soll ein Erlebnis für die ganze Familie und für Neueinsteiger sein. Der Kopfgeldjäger ist inzwischen sesshaft geworden und übernimmt ausgewählte Aufträge für die Republik. Diese bittet ihn darum, den Sohn von Jabba dem Hutten zu befreien. Rotta kennen wir noch aus dem Star Wars - The Clone Wars Kinofilm als Baby. Damit hat der Hutte jedoch nicht mehr viel gemeinsam. Mando macht sich gemeinsam mit Grogu auf den Weg, um den neuen Auftrag auszuführen.
Nach einem sehenswerten Intro auf einer Eiswelt macht der Film bereits etwas, das zuvor noch kein Star Wars-Kinofilm getan hat: Er startet mit Credit-Einblendungen zu Cast und Crew, begleitet von der stimmungsvollen Musik Ludwig Göranssons. Und das soll nicht die einzige Besonderheit bleiben, mit der sich der Film von seinen Vorgängern abhebt. Der Komponist arbeitete bereits an der Musik der ersten beiden Staffeln der Serie.
Für den Film greift Göranssons seine ikonischen Themen nicht nur wieder auf, sondern entwickelt sie konsequent weiter. Es gibt ein bis zwei Stücke, die problemlos auf jeder Technoparty laufen könnten und im Film sogar prägend eingesetzt werden. Überraschenderweise funktioniert diese musikalische Begleitung hervorragend, gerade weil Göranssons Musik mit den klassischen Klängen von John Williams kaum etwas gemeinsam hat. Stattdessen darf sich hier ein eigenständiger und begnadeter Komponist kreativ entfalten.
The Mandalorian & Grogu wurde von Jon Favreau inszeniert. Den Regisseur kennt man vor allem durch Iron Man, doch auch bei The Mandalorian war er maßgeblich beteiligt und inszenierte eine Episode der Serie. Die erste Hälfte des Films fühlt sich sehr vertraut an, fast so, als hätte man gerade die vierte Staffel der beliebten Serie gestartet.
Der Kopfgeldjäger erhält einen neuen Auftrag, sucht nach Hinweisen und geht strategisch vor. In einem frühen Actionhöhepunkt landet man schließlich in einem Arenakampf. Zunächst fühlt man sich an Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger erinnert, doch nur wenige Augenblicke später wirkt es beinahe so, als wolle man Ray Harryhausen Tribut zollen. Der Film ist tatsächlich voll von Monstern und Kreaturen verschiedenster Art, die allesamt fantasievoll gestaltet wurden.
Nach ungefähr der Hälfte des Films ist das erste große Abenteuer überstanden, doch langsam stellt sich die Frage: Wo will der Streifen eigentlich hin? Genau hier offenbart sich die größte Schwäche des Werks.
Man hatte es bereits im Vorfeld geahnt, doch The Mandalorian & Grogu fühlt sich tatsächlich so an, als hätte man eine Serienepisode auf Spielfilmlänge gestreckt. Bemerkenswert ist zudem, dass es nahezu keine Parallelhandlungen gibt, man folgt fast ausschließlich dem Mandalorianer und seinem Begleiter. Das funktioniert in der ersten Stunde noch erstaunlich gut und macht Spaß, doch spätestens danach machen sich deutliche Ermüdungserscheinungen bemerkbar.
Als The Mandalorian & Grogu zunehmend in die Länge gezogen wirkt, passiert etwas, das diesen Eindruck leider noch verstärkt: In ausufernden Sequenzen begleiten wir Grogu und einige Freunde auf einer Mission. So seltsam es auch klingen mag, dabei kommen starke Erinnerungen an Ewoks - Karawane der Tapferen auf. Zuschauer, die Grogu längst in ihr Herz geschlossen haben, werden diese Szenen vermutlich lieben. Wer jedoch darauf hofft, dass die Handlung endlich voranschreitet oder sich langsam ein größerer Konflikt entwickelt, dürfte innerlich zunehmend den Kopf schütteln.
Während die ersten drei Staffeln der Serie stets die Mythologie rund um die Mandalorianer weiterentwickelten, erfährt man in diesem Film kaum etwas Neues über diesen Kult. Lediglich ein paar bekannte Details werden für neue Zuschauer noch einmal kurz wiederholt.
Beim Cast kann man sich im Grunde auf zwei Darsteller konzentrieren: Pedro Pascal als Mandalorianer und Sigourney Weaver als republikanische Kontaktperson Colonel Ward. Die meisten anderen Figuren verstecken sich hinter Puppen, Masken oder CGI. Natürlich bekommt Pascal erneut die Gelegenheit, sein Gesicht zu zeigen und das geschieht diesmal sogar mit einer nachvollziehbaren Konsequenz. Auch Weaver absolviert nicht bloß einen kurzen Gastauftritt, sondern erhält tatsächlich etwas Raum, ihre Figur zu entfalten. Ob das jedoch von Favreau gut inszeniert wurde, darüber kann man streiten. Allgemein sind einige Momente nicht sonderlich stark vor der Kamera eingefangen worden.
Ansonsten passiert im Cast nichts verrücktes, was man nicht schon durch die Trailer erahnen konnte. Zeb aus Star Wars Rebels hat eine nicht unerhebliche Rolle, Martin Scorsese darf jemanden seine Stimme leihen und zwischendurch sitzen am Tresen oder im Cockpit bekannte Leute aus der Crew, aber die großen Überraschungsmomente bleiben in der Hinsicht aus. Zur interessantesten Figur über die man auch neues erfährt zählt in diesem Film tatsächlich Rotta der Hutte.
Nach 132 Minuten Laufzeit stellt man ernüchtert fest, dass man im Grunde wieder genau an dem Punkt angekommen ist, an dem alles begann. Dieser äußerst geradlinige Film ohne nennenswerte Nebenstränge hat es sich offensichtlich nicht zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des Mandalorianers weiterzuerzählen. Sollte irgendwann eine vierte Staffel erscheinen, könnte man sie vermutlich problemlos schauen, ohne den Film gesehen zu haben.
Grundsätzlich kann ein solcher Film funktionieren – allerdings nicht mit dieser Laufzeit. Als 60- bis 90-minütiges Weihnachtsspecial direkt auf Disney+ hätte der Streifen womöglich richtig einschlagen können. So jedoch wirkt es leider so, als hätte man auf Biegen und Brechen unbedingt wieder einen neuen Star Wars-Film ins Kino bringen wollen.
Wer vor allem Freude an Grogu hatte und Monster sowie Kreaturen liebt, könnte mit The Mandalorian & Grogu durchaus auf seine Kosten kommen, vorausgesetzt die Laufzeit schreckt nicht ab. Zudem muss erneut die fremdartige aber fantastische Musik von Ludwig Göransson gelobt werden. Wer sich jedoch nach sieben Jahren auch nur einen Hauch jener besonderen Star Wars-Magie auf der großen Leinwand erhofft hat oder weiter in the Mythologie von The Mandalorian eintauchen wollte, dürfte enttäuscht werden.


