
Bewertung: 3 / 5
Oi, der Tag des Serienfinals von The Boys – der Superheldensatire, die nicht nur Marvel oder DC durch den Kakao zog, sondern auch politisch und popkulturell den Finger in die Wunde legte – gekommen, denn die achte Episode von Staffel 5 ist ab heute auf Prime Video verfügbar.
Wir haben die letzten Folgen um Billy Butchers und Hughies Kampf gegen das brutale Regime von Homelander und seinen Supes gesehen und verraten euch in dieser Review, ob dem Serienschöpfer Eric Kripke hier ein zufriedenstellendes Finale gelungen ist.
Trailer zu The Boys
Nach den Ereignissen von Staffel 4 ist die revolutionierende Gruppe der Boys in alle Himmelsrichtungen verstreut und es besteht nur noch wenig Hoffnung, die Welt vor dem narzisstischen und immer labiler werdenden Homelander (Antony Starr) zu retten. Hughie (Jack Quaid), Frenchie (Tomer Capone) und MM (Laz Alonso) werden in einem Straflager gefangen gehalten, Kimiko (Karen Fukuhara) wurde nach Manila verfrachtet und Annie (Erin Moriarty) hält den Widerstand mit ihren Starlightern landesweit aufrecht. Billy Butcher (Karl Urban) hingegen, arbeitet im Untergrund weiterhin an dem aggressiven Killervirus, welches wohl die einzige verbleibende Möglichkeit ist, um den selbstverliebten Tyrannen doch noch gefährlich zu werden. Jener verfolgt währenddessen den Plan, sich selbst unsterblich zu machen, was das Ende der Welt bedeuten würde …
The Boys Staffel 5 - Review
Nach zwei langen Jahren hat das Warten auf den groß gehypten Serienabschluss des versauten und ultrabrutalen Superhelden-Franchise ein Ende. Gerade der Cliffhanger, mit welchem Staffel 4 abgeschlossen wurde, hatte es in sich und auch wir waren gespannt, wie man die Storylines zu einem plausiblen Ende bringen wird. Wie ihr der Wertung bereits entnehmen könnt, ist genau dies den verbleibenden Episoden nicht wirklich gelungen, was aus mehreren Gründen der Fall ist.
Kommen wir aber zunächst zu den positiven Aspekten. So behält The Boys Staffel 5 nämlich den altbekannten schwarzen Humor bei und bringt uns, oder besser gesagt, die Protagonisten weiterhin in die irrwitzigsten und perversesten Situationen, die natürlich unabdingbar für den gewollten Satire-Charakter der Serie sind. Von einer verkorksten Parodie-Version von dem Ding von den Fantastic Four bis hin zu sich leckenden Katzen-Supes hält die Finalstaffel genug verstörende und einprägsame Momente dabei, obwohl man nach vier Staffeln schon einiges gesehen hat.
Erschreckend sind übrigens auch die politischen Parallelen der Serie zu unserer Realität, was Eric Kripke laut eigenen Angaben schon selbst verblüffend fand. Franchises, Kinoketten und Reboots bekommen hier natürlich ordentlich eins auf den Deckel, was Zuschauer aber nicht überraschen dürfte.
Ebenfalls ist das Level der Brutalität zur Beruhigung vieler gewohnt so, wie man es von The Boys kennt und liebt. Alle acht, ungefähr einstündigen, Episode sind dementsprechend ab 18 Jahren freigegeben und das ist auch angebracht. Egal, ob zerrissene Körperhälften, gesprengte Köpfe oder andere Verstümmelungen – Fans des Gores kommen hier definitiv auf ihre Kosten, gerade wenn man die letzte Folge im Speziellen betrachtet.
Jene ist nämlich nicht nur eine der besten der ganzen Staffel, weil sie konsequent das abliefert, was Fans sich seit 2019 eigentlich erhofft haben, sie bringt auch eine erfrischende Prise Drama in den Plot, was gerade die Dynamik zweier Hauptcharaktere betrifft. So könnte man hier sicherlich den Begriff "Full-Circle-Moment" anführen, der ebenfalls zur Handlung der vorherigen vier Staffeln passt und uns zugesagt hat.
Antony Starr ist bezüglich der Darstellerleistung hervorzuheben, der das narzisstische und nach Aufmerksamkeit bettelnde, armselige Wesen von Homelander wie schon in den Staffeln zuvor glaubwürdig transportiert, auch wenn dessen Figur eigentlich bereits seit Staffel 3 in dieser Verfassung verweilt. Karl Urban liefert als brummiger Butcher ebenfalls ab, wohingegen Karen Fukuhara eher emotionale Passagen spielen darf.
Leider war es das dann auch mit den Lobgesängen, schließlich reichen die drei angeführten Punkte eben noch nicht, um vollends überzeugen zu können. Einer unserer größten Kritikpunkte ist nämlich die Handlung von Staffel 5 selbst, die die Hauptfiguren recht stupide von Punkt A zu Punkt B rennen lassen, nur um ein MacGuffin zu beschaffen, was sie für den zentralen Konflikt im Finale überhaupt nicht mehr brauchen.
Ebenso verläuft das in im Ableger Gen V und in The Boys Staffel 4 groß aufgebaute Killervirus dann im Sande und allen fällt plötzlich auf, dass Homelander jenes ohnehin überleben würde. Einzig in der Finalepisode kommt das Virus nochmal kurz zum Einsatz, allerdings hätte man die Vorarbeit dafür auch deutlich minimieren können.
Unser zweiter Kritikpunkt hängt mit der Vielzahl von Figuren zusammen, deren Potenzial nur mäßig bis gar nicht ausgeschöpft wird. Bestes Beispiel sind hier Sister Sage (Susan Heyward) und der von Jensen Ackles verkörperte Soldier Boy, deren Präsenz nur kleine Nadelstiche setzten, anstatt die Handlung aktiv voranzutreiben, wenn man deren Kräfte bedenkt. So enthüllt Sage als schlauster Mensch der Welt gegen Mitte der Staffel ihren recht stupiden Plan, während Soldier Boy zwar ganz unterhaltsame Sprüche drückt, dann aber wieder in der Versenkung verschwindet. Dessen Vorgeschichte werden wir dann im kommenden Spin-off Vought Rising zu Gesicht bekommen.
Hier hätten wir uns einen cleveren Masterplan gewünscht, der so gut wie allen Figuren ein verdientes Ende beschert – im Positiven wie im Negativen. Von dem ziemlich raschen und unwichtigen Auftritt zweier Gen V-Charaktere wollen wir gar nicht erst anfangen, da diese nach der kürzlich bekanntgewordenen Absetzung des Spin-offs wohl auch nicht nochmal zu sehen sein werden.
Fazit
Mit The Boys Staffel 5 bekommen Fans sieben Jahre nach dem Start der ersten Folgen acht durchwachsene Episoden spendiert, wobei der wirklich letzte Tanz hier nochmal nach oben ausbricht. Darstellerisch zeigt Antony Starr sein bekanntes Repertoire des Schauspielerns und auch an derben Witzen und abartig brutalen Szenen mangelt es den letzten Folgen nicht.
Die restlichen können wegen der teils zu einfachen Storylines und teils unlogischen Wendungen weniger überzeugen und lassen sorgsam aufgebaute Handlungskonstrukte in Kürze zusammenfallen. Viele Figuren bleiben ihrem wahren Potenzial zurück oder kommen sogar gar nicht groß zur Geltung. Somit ist Staffel 5 definitiv ab und zu unterhaltsam, für einen fantastischen Abschluss fehlt es dann doch an der nötigen Raffinesse.


