
Bewertung: 4.5 / 5
Tatsächlich hatte ich schon im Sommer überlegt, diesem Film eine kleine Kritik zu widmen. Aber es hat nicht gepasst. Aus aktuellem Anlass mag ich den Gedanken erneut aufgreifen und nicht nur eine kleine Kritik zu Die Verachtung schreiben, sondern eine Verbeugung vor Brigitte Bardot leisten, die heute im Alter von 91 Jahren verstorben ist.
Nach Marilyn Monroe galt die Französin Brigitte Bardot vermutlich als eines der größten Sexsymbole der Vergangenheit. Geboren 1934 in Paris, wurde sie in ihrer Jugend schnell entdeckt und startete eine Karriere als Fotomodell.
Ähnlich wie Marilyn Monroe wollte auch Bardot als Schauspielerin Fuß fassen. Mit Anfang 20 spielte sie die Hauptrolle in Und immer lockt das Weib, der damals in der Medienlandschaft für Aufruhr sorgte. Im großen Finale tanzt Juliette (Bardot) minutenlang in einer Bar ausgelassen mit einem Mann und zieht dabei Entsetzen, aber auch zeitgleich die Faszination der Zuschauerschaft auf sich. Aus heutiger Sicht harmlos, damals ein kleiner Skandal. 1958 reichte es für eine Bambi-Nominierung in der Kategorie Beste Schauspielerin International.
Aber Brigitte Bardot gelang es, auch in sehr anerkannten Filmen Fuß zu fassen. So übernahm sie Rollen in Die Wahrheit und Die Verachtung, jeweils unter der Regie von Jean-Luc Godard. Ebenso hatte sie eine Rolle in Louis Malles Viva Maria!.
Die Verachtung war es, den ich mir in diesem Sommer anschaute und der mich teilweise faszinierte und noch lange nachhallte. Nicht allein wegen Brigitte Bardot, sondern wegen dieses äußerst modern wirkenden Werks aus dem Jahr 1963 mit einem Thema, das heute in doppelter Hinsicht durchaus relevant ist. Es geht um die Entfremdung eines Ehepaares. Der Mann ist ein Drehbuchautor und ist während eines Filmdrehs am Set gemeinsam mit seiner Frau. Man merkt, wie sich das Paar auseinandergelebt hat und kaum noch Verbindungen zueinander aufbauen kann, auch wenn sie es teilweise versuchen. Ein Sinnbild für die heutige Zeit, in der viele Beziehungen und Ehen nicht mehr für die Ewigkeit gemacht sind. Brigitte Bardot spielt die weibliche Hauptrolle, ihr gegenüber steht Michel Piccoli. Die beiden sind nicht an irgendeinem Set, sondern am Set von Die Odyssee, das von der deutschen Regielegende Fritz Lang (M, Metropolis) verfilmt werden soll. Fritz Lang wird dabei von niemand Geringerem als Fritz Lang selbst gespielt.
Ebenfalls eine nette Randnotiz: In einer Nebenrolle ist Jack Palance zu sehen, ein US-Amerikanerischer Schauspieler der damals für Schurkenrollen bekannt war und in seinem Spätherbst für City Slickers den Oscar als bester Nebendarsteller erhielt.
Der Film Die Verachtung beeindruckt mit eindrucksvollem Schauspiel von Bardot und Piccoli und einer starken Inszenierung von Godard, der vieles ungesagt erzählen lässt. Zudem gibt es fantastische Schauplätze, und man kann hier und da den Geist von Homer spüren. Die Musik tut ihr Übriges und legt sich wie ein sanfter und teilweise aufwühlender Schleier um die 102 Minuten Laufzeit.
So hallte Die Verachtung noch Monate später nach und war rückblickend für mich der beste Film, den ich im Jahr 2025 erstmalig geschaut habe.
Brigitte Bardot selbst war bis in die frühen 1970er Jahre als Schauspielerin aktiv und beendete ihre Filmkarriere 1973, um sich fortan dem Tierschutz zu widmen. Später war Bardot immer wieder für kontroverse Aussagen in den Medien bekannt; sie äußerte sich kritisch zu gesellschaftlichen Debatten, darunter auch zur #MeToo-Bewegung.
Bardot war eine streitbare Persönlichkeit, aber eine faszinierende Frau mit einem bewegten Leben. Die europäische Marilyn Monroe? Vermutlich etwas mehr. Möge sie in Frieden ruhen.
Die Verachtung bleibt für mich ihre bedeutendste Filmbeteiligung und ist einer der stärksten Beiträge der 1960er Jahre.


