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Am Scheideweg

Deutschland und die Regulierung der Glücksspiele: Die Evaluierung 2026

Deutschland und die Regulierung der Glücksspiele: Die Evaluierung 2026
0 Kommentare - Mo, 06.04.2026 von Moviejones
Bis Ende 2026 müssen die Bundesländer entscheiden, wie es mit der Regulierung von Glücksspielen in Deutschland weitergeht.

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat im Rahmen der Gaming in Germany Konferenz erklärt, dass die vollständige Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 bis dahin vorliegen und abgeschlossen sein soll. Der Prozess beinhaltet drei getrennte Studien, die sich mit dem Glücksspiel-Schwarzmarkt, der Werbestrategie für Glücksspiel, sowie dem Schutz der Spieler befassen. Es ist die bedeutendste Überprüfung der Regulierungen, seit der Vertrag im Juli 2021 in Kraft getreten ist.

Evaluierung am Scheideweg: Fünf Jahre GlüStV 2021

Der Glücksspielstaatsvertrag sollte klare Regeln für Glücksspiel im Internet, für Sportwetten, und für virtuelle Automatenspiele bieten. Seit der Vertrag zum 1. Juli 2021 in Kraft ist, gilt für Online-Casinos und andere Anbieter die zentrale Vorschrift: pro Kunde darf nur ein Einsatz von 1.000 Euro im Monat getätigt werden.

Der Wert ist in der täglichen Routine kaum fassbar, und für viele Freizeitspieler auch gar nicht erst zu knacken. Doch Anbieter von Online-Casinos, die eine deutsche Lizenz besitzen, müssen sich an diese Regelung halten und diese über das zentrale LUGAS-System umsetzen, welches über die unterschiedlichsten Anbieterverträge gesetzt ist.

Bei Spielautomaten gilt seit dem neuen Vertrag ein Höchsteinsatz von einem Euro. Gleiches gilt aber auch für die Gewinnsteuer für Casino-Betreiber, die mit 5,3 Prozent auf einen Spieleinsatz anstatt auf die Bruttoerträge von Automaten gezahlt werden muss. Online-Casinos mit deutscher Lizenz führen darüber Buch, wie viel Geld sie für umsatzsteuerliche Zwecke an das Finanzamt abführen. Deutschlands Online-Casino-Markt steht damit in ganz Europa ziemlich allein da.

Bild 1:Deutschland und die Regulierung der Glücksspiele: Die Evaluierung 2026
© TheAndrasBarta auf Pixabay

Für Spieler, die sich über aktuelle Online Casino Bonus Angebote bei lizenzierten Plattformen informieren, ergibt sich hieraus ein von der Politik vorgegebenes Regulierungsumfeld, das zum einen für Transparenz und Sicherheit sorgt, zum anderen aber die Attraktivität der legalen Angebote für Nutzer gegenüber jenen Angeboten hinfällig macht, die in den Tiefen des nur teilweise regulierten Marktes agieren. Genau dieser Widerspruch soll mit der anstehenden Evaluierung aufgelöst werden.

Schwarzmarkt außer Kontrolle? Alles eine Frage der Zahlen

Im März 2026 veröffentlichte die GGL eine vom Blockchain Research Lab durchgeführte Studie, die den Schwarzmarkt-Anteil am Online-Glücksspiel auf 23 Prozent beziffert. Die geschätzten Bruttospielerträge nicht lizenzierter Anbieter lagen demnach bei 547 Millionen Euro im Jahr 2024, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. GGL-Chef Ronald Benter sprach von einer Bestätigung des faktenbasierten Regulierungsansatzes.

Die Branchenverbände sehen das anders. Simon Priglinger-Simader, Vizepräsident des Deutschen Online Casinoverbands (DOCV), bezeichnete die Methodik der Studie als fehlerhaft. Die Befragung von 2.000 Teilnehmern leide unter nicht-repräsentativer Stichprobenauswahl und Erinnerungsverzerrungen, wenn Personen nach illegalem Spielverhalten gefragt würden. Der DOCV schätzt die reale Kanalisierungsrate bei Online-Slots auf lediglich 20 bis 40 Prozent. Regulus Partners kam in einer Analyse vom September 2024 sogar auf einen Schwarzmarktanteil von 60 Prozent im Online-Segment.

Noch im Juni 2024 hatte die GGL den Schwarzmarktanteil auf gerade einmal vier Prozent geschätzt. Dass die Behörde ihre eigenen Zahlen innerhalb von weniger als zwei Jahren derart korrigiert, gibt der Kritik der Branche zusätzliches Gewicht.

OASIS, LUGAS und die Grenzen des Spielerschutzes

Das Sperrsystem OASIS hat 2025 nach Angaben des Regierungspräsidiums Darmstadt 5,2 Milliarden Abfragen verarbeitet. Rund 367.000 aktive Spielersperren waren zu diesem Zeitpunkt registriert, etwa 60.000 Sperranträge wurden im selben Jahr formal bearbeitet. Die Zahlen klingen beeindruckend, doch sie erzählen nur die halbe Geschichte.

Der Bundesdrogenbeauftragte Prof. Dr. Hendrik Streeck beziffert die Zahl glücksspielabhängiger Erwachsener in Deutschland auf 1,3 bis 1,4 Millionen, weitere 3,5 Millionen gelten als gefährdet. Bei einem Treffen mit GGL-Chef Benter im Dezember 2025 vereinbarten beide Seiten eine engere Zusammenarbeit zwischen Regulierung, Forschung und Prävention. Ob OASIS tatsächlich verhindert, dass gefährdete Spieler in die Anonymität des Schwarzmarkts abwandern, gehört zu den offenen Fragen der Evaluierung.

Warum lizenzierte Anbieter zunehmend unter Druck geraten

Die Umsatzsteuer von 5,3 Prozent auf Einsätze zwingt lizenzierte Betreiber zu Kompromissen bei den Auszahlungsquoten. Branchenbeobachter berichten von Return-to-Player-Werten zwischen 92 und 93 Prozent bei lizenzierten Plattformen, während der internationale Branchenschnitt bei rund 95 Prozent liegt. Kombiniert mit dem Ein-Euro-Einsatzlimit und der Fünf-Sekunden-Pause zwischen Spielrunden entsteht ein Produkt, das für viele Spieler schlicht weniger attraktiv ist als das Angebot nicht lizenzierter Konkurrenten.

Erschwerend kommt hinzu, dass das Bundesverwaltungsgericht im März 2025 die rechtliche Grundlage für IP-Blockaden gegen illegale Anbieter kassiert hat. Die GGL drängt seitdem auf eine Gesetzesänderung, die dem Vernehmen nach mit höchster Priorität in die laufende Evaluierung einfließen soll. Auf der Gaming in Germany Konferenz 2025 wurde kolportiert, dass entsprechende Befugnisse möglicherweise noch im ersten Halbjahr 2026 kommen könnten. Bestätigt ist das bislang nicht.

Wie legale Plattformen Spieler zurückgewinnen wollen

Schleswig-Holstein hat im September 2024 als erstes Bundesland vier private Lizenzen für derartige Spiele vergeben, an Unternehmen wie Tipico und Skill On Net. Nordrhein-Westfalen plant nachzuziehen. Für den regulierten Markt sind das wichtige Signale, weil sie das legale Produktangebot schrittweise erweitern.

Gleichzeitig diskutiert die Branche über flexiblere Einzahlungslimits und verhaltensbasierte Obergrenzen, die individuelle Spielmuster berücksichtigen statt pauschale Deckel zu setzen. DSWV-Präsident Mathias Dahms fordert zudem den Wechsel auf eine Bruttospielertragsbesteuerung. Die Frage, ob Werbung und Promotions als kontrollierte Brücke in den legalen Markt funktionieren können, wird ebenfalls Teil der Evaluierung sein.

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