
Bewertung: 3 / 5
Es ist wohl eine der wichtigsten Fragen, die man sich vor einer Eheschließung stellen sollte: Wie gut kenne ich mein Gegenüber eigentlich? Genau jene wird nämlich in der Dramedy Das Drama - Noch mal auf Anfang, welche seit dem 2. April in den deutschen Kinos läuft, explizit vom norwegischen Regisseur und Drehbuchautor Kristoffer Borgli unter die Lupe genommen. Ob das prominent besetzte Hochzeitschaos von A24 beziehungsweise Leonine überzeugen kann, lest ihr in unserer Kritik.
Charlie (Robert Pattinson) lernt die halbtaube Emma (Zendaya) in einem New Yorker Cafe kennen und beide empfinden nach einigen Dates eine große Anziehung zueinander. Bald folgt die Verlobung, bis schließlich die Woche der geplanten Traumhochzeit anbricht. Beim Austesten der favorisierten Speisen und nach einigen Gläsern Wein kommt es zu einem harmlos wirkenden Spiel, in dem beide Ehepartner in spe ihren schlimmsten Taten offenbaren. Was folgt, sind von Zweifel und moralischen Fragen geprägte Tage bis Trauung, die Charlie nicht nur seine Beziehung zu Emma komplett hinterfragen lassen, sondern auch die Hochzeit zu einem Desaster eskalieren drohen …
Trailer zu Das Drama - Noch mal auf Anfang
Das Drama - Noch mal auf Anfang - Kritik
Der Film beginnt mit einem recht seltsamen Tempo und schneidet oft hektisch von der einen Zeitebene zur anderen, sodass man sich als Zuschauer erstmal in den Rhythmus des Storytellings hineinfinden muss. Mit der fortschreitenden Handlung pendelt sich die Geschwindigkeit zum Glück wieder ein, gerade wenn es zur dramatischen Enthüllung der verheißungsvollen Tat kommt. Diese hat selbstverständlich einen großen Einfluss auf den Rest von Das Drama - Noch mal auf Anfang, jedoch möchten wir hier nicht zu viel vorwegnehmen.
Daraus schließt sich unserer Auffassung nach auch die größte Stärke des Filmes an, denn Kristoffer Borgli erzählt hier eine originale, zeitgemäße teilsweise auch witzige Geschichte, die uns mit ihrem Konflikt in die dargestellte Situation Charlies hineinversetzen ließ. Gerade in Zeiten von Social Media, Dating-Apps und Co lässt sich sowieso streiten, ob man immer sein Äußerstes nach Innen kehrt oder ob dem Partner vielleicht nur die positiven Seiten zeigt, um in einem besseren Licht dazustehen. Dazu kommt eine vieldiskutierte Problematik, die vorwiegend in den USA schon lange Thema ist und die die moralische Zerissenheit mit sich bringt.
Ebenfalls positiv herausheben lässt sich die Chemie zwischen Robert Pattinson und Zendaya, da deren Beziehung im Film nicht immer eindeutig zu benennen ist, was aber auch schauspielerisch übermittelt wird. Abgesehen davon, dass wir das Duo dieses Jahr noch in Christopher Nolans Die Odyssee oder im Sci-Fi-Spektakel Dune - Teil 3 auf der Leinwand sehen können, gelingt es Patterson seine von Zweifeln und Schuldgefühlen geplagte Figur üerzeugend zu spielen. Alana Haim und Mamoudou Athie als Rachel und Mike, die Freunde der Verlobten, bekommen nach der großen Enthüllung allerdings nicht mehr viel zu tun.
Ankreiden müssen wir dem Film, dass er sich am Ende quasi selbst revidiert und ein gewisses Muster wiederholt, was uns nicht nur zu vorhersehbar vorkam, sondern auch etwas plump erschien. Zwar fällt Charlie in der letzten Szene so eine konsequente Entscheidung, dennoch macht jene nicht ungeschehen, was in den letzten 105 Minuten davor zwischen beiden vorgefallen ist.
Hier hätte man sich noch trauen müssen, einen radikaleren Schluss zu wählen, da sonst die ganze Gefühlswelt und die daraus resultierenden Entscheidungen von Charlie hinfällig werden. Auch in der Realität würden wohl die Wenigsten so handeln wie hier gezeigt, weil die Liebe zwischen zwei Menschen eben kein Reset-Knopf hat.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass euch mit Das Drama - Noch mal auf Anfang eine unkonventionelle Romanze erwartet, die ein wenig braucht, um in die Gänge zu kommen, aber mit ihrem dramaturgischen Wendepunkt zeitgemäße Themen anspricht. Die beiden Hauptdarsteller harmonieren zusammen, allerdings ist das Ende des Films unserer Meinung strittig, da man auf Nummer sich geht und eine eher unrealistische Entscheidung am Schluss für gut befindet.


