
Bewertung: 4 / 5
Am 3. Juli startet auf Apple TV die dritte Staffel der dystopischen Serie Silo, welche auf der Romantrilogie von Autor Hugh Howey basiert. Die ersten beiden Staffeln waren bereits sehr gelungen und glücklicherweise kann Staffel 3 dies nahtlos fortführen. Wir können nur jedem raten, sich bei Gelegenheit diese Serie anzusehen, doch wir wissen natürlich, dass vor allem Serien von Apple TV bei uns oft immer noch etwas unter dem Radar laufen. Glaubt es uns, euch entgeht da etwas.
Unsere Review zu Silo Staffel 3
Die dritte Staffel setzt die Saga einer dystopischen Gesellschaft von 10.000 Menschen fort, die unter mysteriösen Umständen tief unter der Erde leben. Zugleich erzählt sie auch eine Ursprungsgeschichte, die Jahrhunderte zuvor spielt. In der Gegenwart überlebt Juliette Nichols (Rebecca Ferguson) ihre erzwungene „Reinigung“, kehrt jedoch mit Gedächtnisverlust zurück, während sich das Silo gerade von einer Rebellion erholt und mit einer neuen, gefährlichen Bedrohung konfrontiert wird. Jahrhunderte zuvor stoßen die Journalistin Helen Drew (Jessica Henwick) und der Kongressabgeordnete Daniel Keene (Ashley Zukerman) auf eine Verschwörung, die eine Kette von Ereignissen mit katastrophalen und unwiderruflichen Folgen auslöst.
Trailer zu Silo Staffel 3
Wir hoffen, mit dieser Review auch Leute auf die Serie aufmerksam zu machen, die sie bislang weder gesehen oder vielleicht noch gar nichts von ihr gehört haben. Wir werden daher auch erst einmal einen relativ spoilerfreien Abschnitt verfassen, bevor wir uns näher mit Staffel 3 auseinandersetzen.
Warum man Silo sehen sollte
Silo erzählt die Geschichte einer Gesellschaft, die seit Jahrhunderten völlig abgeschnitten von der Außenwelt unterirdisch in einem gigantischen Silo lebt und dort einer strikten Ordnung folgt. Oben (im Silo) leben die Herrschenden, dann folgt die normale Bevölkerung und ganz unten befindet sich die Mechanik. Und alle sind einzig durch eine zentrale Treppe verbunden, die das Silo von ganz oben bis ganz unten verbindet. Die Treppe ist ein enorm wichtiger Handlungsort und es ist tatsächlich erstaunlich, wie gut und unterhaltsam es gelingt, eine Treppe zu einem Hauptcharakter einer Geschichte werden zu lassen.
Natürlich ist sie nur Mittel zum Zweck, thematisch geht es um ganz andere Dinge. Denn niemand in dem Silo weiß, warum sie eigentlich dort sind, was in der Oberwelt passierte oder gar, wie die Welt vor der Zeit des Silos ausgesehen hat. Denn sämtliches Wissen aus der "Vorzeit" ist verboten. Es gibt einzig eine Kamera am Ausgang des Silos, wodurch eine verwüstete Oberfläche zu sehen ist. Doch zeigt die Kamera auch die Wahrheit?
Die Serie beginnt als Krimiserie, doch schnell führen die Ermittlungen zu weiteren, unangenehmen Fragen. Silo ist auch eine Mysteryserie. Die Protagonisten wie auch die Zuschauer werden mit Rätseln und immer neuen Fragen konfrontiert. Und natürlich spielen auch gesellschaftliche Konflikte eine große Rolle. Lügen, Manipulation, Propaganda, Vertuschungen und Verschwörungen.
Mystery und Fragen – doch gibt es auch Antworten? So manche Serie hat diesbezüglich in der Vergangenheit enttäuscht. Doch diese Angst können wir euch hier nehmen. Silo hat den Vorteil, auf einer bereits vollendeten Romantrilogie zu basieren. Und man wird auch nicht ständig hingehalten und schlicht mit immer neuen Fragen konfrontiert. Die Serie liefert immer wieder auch Antworten, und sie ergeben Sinn und runden die Story ab. Man merkt schnell: Dies hier ist eine durchdachte Geschichte.
Genauso wie das titelgebende Silo selbst von oben bis unten durchdacht ist. Im Laufe der Serie lernt man diese unterirdische Welt immer besser kennen und erforscht zusammen mit den Figuren zudem auch neue, bislang unbekannte oder geheime Orte. Wie ein kompliziertes Origami, welches sich immer weiter entfaltet. Und irgendwann fühlt man sich auch als Zuschauer dort fast wie zu Hause.
Die Serie Silo überzeugt zudem mit einem hohen Produktionsaufwand und einem erstklassigen Cast. Rebecca Ferguson, Tim Robbins, Common, Iain Glen oder Will Patton, um nur einige aus der ersten Staffel zu nennen. Diese Liste kann sich wirklich sehen lassen.
Ebenfalls gut ist, dass Apple nach der zweiten Staffel nicht nur die dritte ankündigte, sondern sogleich bekannt gab, dass es auch eine abschließende vierte geben wird, und so bereits frühzeitig Sicherheit schuf, dass die vollständige Geschichte erzählt wird. Und schnell ist man bei der Produktion auch noch. Die erste Staffel wurde im Mai 2023 veröffentlicht, also vor gerade einmal drei Jahren. Und jetzt sind wir schon bei Staffel 3. Für eine so aufwendige Serie ist dies heutzutage eher ungewöhnlich.
Die ersten zwei Staffeln sahen bereits toll aus, erzählten eine packende Geschichte, welche zudem von einem erstklassigen Cast getragen wurde. Wer auf dystopische Science-Fiction mit Mysteryelementen steht, wird viel Spaß mit Silo haben.
Was erwartet uns in Staffel 3?
Vorsicht, ab jetzt folgen Spoiler für die Staffeln 1&2.
Silo als Serie läuft wie eine gut geölte Maschine. Staffel 3 setzt gekonnt und nahtlos das fort, was die ersten beiden Staffeln schon geschaffen haben. Im Grunde können wir es sehr kurz halten: Wer die ersten beiden Staffeln mochte, wird auch diese mögen. Qualitativ gibt es keine Unterschiede. Und die Geschichte wird erneut gekonnt fortgesetzt.
Oberflächlich wirkt es dabei zunächst wie eine Rückbesinnung auf die erste Staffel. Nichols ist nach ihrer Rückkehr jetzt Bürgermeisterin und steht wie in Staffel 1 durch ihre neue Machtposition im Zentrum von Machtkämpfen und Verschwörungen. Mit dem Nachteil, dass sie sich an fast nichts mehr erinnern kann. Doch natürlich bleibt es nicht dabei und die Serie macht es sich nicht so einfach, die erste Staffel schlicht zu kopieren. Schnell wird klar, dass der oberflächliche Eindruck täuscht. Was die Geschichte im Silo betrifft, fängt die neue Staffel zwar etwas langsam an, nimmt dann aber schnell Fahrt auf und man darf sich auf einige Überraschungen freuen. Wenngleich manche leider etwas zu offensichtlich waren und die Serie sich besonders bei einer selbst ein Bein gestellt hat.
Doch es gibt in Staffel 3 nicht nur die Geschichte im Silo. Parallel wird erzählt, wie in der Gegenwart eine Journalistin mithilfe eines Kongressabgeordneten versucht, eine Verschwörung aufzudecken. Beide Handlungsstränge wechseln sich regelmäßig ab, wodurch ein guter Fluss in der neuen Staffel vorherrscht und so mögliche Längen verhindert werden. Hinzu kommt ein starker optischer Kontrast, der für eine angenehme Abwechslung sorgt. Wir hatten diese zwar nicht zwingend nötig, wollen uns darüber aber auch nicht beschweren.
Jessica Henwick, Ashley Zukerman und auch Colin Hanks erweisen sich dabei als tolle Neuzugänge für die Serie. Durch sie erhalten wir interessante Antworten auf so manche Fragen, es werden aber auch spannende Verknüpfungen zu den Geschehnissen im Silo aufgebaut.
Silo schafft mit der dritten Staffel, woran andere Serien oft scheitern: Bekannte Elemente werden beibehalten, gleichzeitig hat man sie aber wie schon in Staffel 2 gekonnt erweitert und dann es noch geschafft, schlüssig ganz neue Elemente in Staffel 3 mit neuen Hauptfiguren einzubauen. Und es harmoniert alles wunderbar miteinander.
Fazit
Die Serie schafft es, das gute Niveau der ersten beiden Staffeln auch in den neuen Folgen beizubehalten. Zu meckern gibt es hier fast nichts. Silo war, ist und bleibt eine der Top-Serien der letzten Jahre. Die Produktion, das Casting, die Story - alles befindet sich auf einem hohen Niveau. Staffel 3 bildet da keine Ausnahme, im Gegenteil: Sie bestätigt den bisherigen tollen Eindruck.
Wer die Serie bisher noch nicht auf dem Schirm hatte, sollte mal einen Blick riskieren. Alle anderen können sich beruhigt mit dem Wissen zurücklehnen, dass auch die dritte Staffel wahrlich keine Enttäuschung ist, sondern das bisher gute Niveau nahtlos fortführt.
Noch gibt es kein Release-Datum für die vierte und dann auch letzte Staffel. Wir bedauern aber schon jetzt, dass unsere Zeit im Silo damit ihr Ende finden wird.


