Die fünfköpfige Besatzung eines deutschen Tigerpanzers wird auf eine Geheimmission tief hinter die heftig umkämpfte Front geschickt. Angetrieben vom Methamphetamin der Wehrmacht verwandelt sich ihr Auftrag zunehmend in eine Reise ins Herz der Finsternis.
@luhp92:
Fand ich auch mal ein sehr informatives Video in Bezug auf Beratung zu Filmen.
Ich fand bei "Herz aus Stahl" auch Michael Peña, Shia LaBeouf und Jon Bernthal charakteristisch genug. Natürlich kann man nicht jede Figur superkomplex ausbauen, aber das macht "Der Tiger" ja auch nicht. Der Jungs z.B., Laurenc Rupp glaube ich, bleibt dann doch recht identitäts- und gesichtslos. Auch über den Lehrer erfahren wir kaum etwas. Man kratzt nur an der Oberfläche, verteilt ein paar passende Sätze, aber das ist nicht noch lange keine ausgebauter Charakter.
Das ist aber auch nur eine Interpretation, wenn auch sehr bildliche mit dem Fluss Styx. Insgesamt merkt man dem Berater auch durchaus zwischen den Zeilen an, dass er mit dem Ende nicht so hellauf zufrieden ist. Wie gesagt, wäre man hier nicht in dieser esoterischen Ecke unterwegs, wäre der Film für mich sicher auch in etwa eine gute 7.
"The Wheel weaves as the Wheel wills"
@DrStrange
Danke für das Teilen des Videos, sehr spannend und aufschlussreich zu erfahren, wie dort der Drehbuch- und Beratungsprozess ablief.
Ich mag das Ende von "Lost" ^^ Das Ende von "Der Tiger" habe ich wie geschrieben nicht kommen sehen und es wäre auch vermessen zu behaupten, ich hätte dieses Ende erwartet. Ein klassisches, geerdetes Ende hätte mir wahrscheinlich auch gefallen und fertig. Aber wenn sich ein Filmemacher wie Gansel hier von "Apocalypse Now" inspirieren lässt, dann ist die Überlegung nicht fern, dass es in dem Werk um mehr gehen könnte als nur die bodenständige, faktische Darstellung des Kriegsgeschehens. Der Berater vom Panzermuseum geht ja sogar auch darauf ein und deutet z.B. die Durchquerung des Flusses als Überquerung des Styx in der Unterwelt.
Das Charakterensemble in "Herz aus Stahl" fand ich bis auf Brad Pitt und Logan Lerman leider schwach und zu oberflächlich.
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."
Inzwischen ist auch das Nachfolgevideo vom Panzermuseum online. Also quasi die Nachlese darüber, wieviel im Film übernommen wurde bzw. wo man eher "beratungsresistent" war. Sehr interessante Details hier.
Aber: ACHTUNG - ENTHÄLT OFFENSICHTLICH SPOILER ZUM KOMPLETTEN FILM
"The Wheel weaves as the Wheel wills"
@luhp92:
Ich gehe soweit mit, dass ich die „Das Boot“ Serie für deutlich schwächer empfinde als den klassischen, gleichnamigen Film. „Der Tiger“ jetzt auf eine Ebene zu stellen wie diesen Filmklassiker, halte ich aber für arg weit hergeholt. Die Klasse erreicht er auf keiner Ebene.
Ayers „Herz aus Stahl“ ist ein hervorragender Kriegsaction teils auch Thriller und hat sogar eine anständige Charakterseite aufzuweisen, wenn auch dies nicht die Stärke oder Prio des Films ist. Die Schwächen liegen bei den Bildern und vor allem diesen garstigen Grau/Brau-Tönen bis zu den ekligen Blaufiltern. Ja, das kann man beanstanden. Vielleicht auch das die Tiger Panzer den M4 wahrscheinlich schlichtweg zu Klump geschossen hätten, aber das diente wohl der Dramaturgie. Trotzdem ein runder und sehenswerter Film.
Das es einige Tiger Panzer gab, die so eine Flußüberquerung durchführen konnten, war mir bekannt, aber in der Realität hat das halt niemand genutzt.
Die Besatzung und damit auch die Schauspieler fand ich bei „Der Tiger“ auch gut. Nicht Weltklasse, aber sie haben diese gelungene Charakterisierung einer Panzer-Besatzung, wie du ja auch schreibst.
Das Ende hat mir aber den Film versaut. Hier wäre es sinnvoller gewesen, grundsätzlich ein Ende zu wählen das geerdet und bodenständig bleibt, als die esoterische Fantasiereise um Schuld und Sühne. Wie gesagt war das bei Lost und Jacobs Ladder schon schwach und hier jetzt noch alles mögliche reinzuinterpretieren, was der Regisseur selbst nicht halten kann, wäre ich vorsichtig. Das ist eher so plakativ wie gezeigt und mehr ist es dann am Ende nicht. Besser nicht dem Interpretationswahn verfallen für den die Deutschen so berühmt sind.
Wie gesagt. Schade, denn hier wäre deutlich mehr drin gewesen.
"The Wheel weaves as the Wheel wills"
@DrStrange
Da würde ich entgegnen, zum Glück ist "Der Tiger" kein neuer "Herz aus Stahl". Letzterer scheitert für mich schlussendlich daran, dass David Ayer zu sehr an cooler Kriegsaction und seinen Experimenten mit Farben und Filtern interessiert ist, anstatt den Schrecken der Gewalt darzustellen.
"Der Tiger" verzichtet darauf, hat natürlich auch seine Actionspitzen, diese legt Dennis Gansel jedoch als reinen, klaustrophobischen Thriller an, oft mit grausamen Ausgang, eben "Das Boot" im Panzer (nur ohne die Musik). Gansel liebt das Petersen-Werk so sehr, er fährt mit dem Panzer sogar selbst unter Wasser^^ Dass bestimmte Panzer-Modelle damals schon darauf ausgelegt waren, wusste ich noch gar nicht.
Die Darsteller sowie die Charakterisierung und Dymanik der Panzer-Besatzung hat mir ebenfalls gefallen.
Das Ende habe ich persönlich tatsächlich so nicht kommen sehen. Ich finde es im Allgemein aber auch stark, weil es den kritischen Blick auf Befehlsgehorsam, wie man diesen in der Tat schon öfter in Filmen gesehen hat (z.B. erneut in "Das Boot"), aufbricht und erweitert. Der Befehlsgehorsam wird vom Physischen ins Psychische bzw. Unbewusste und metaphorisch Überhöhte transzendiert. Aus einer Mischung aus Stress, Trauer, Zorn, Schock und Pervitin-Hoch heraus verfällt Kommandant Philip Gerkens dem Wahnsinn und stürzt von der Brücke ins Fegefeuer oder die Hölle hinab. Die ewige Verdammnis als Folge der eigenen Taten, die auch nach dem Krieg bestehen bleibt und die man weder psychisch noch physisch (wie z.B. eine NS-Uniform) ablegen kann.
Dass "Das Boot" und "Apocalypse Now" auf einem deutlich höheren Niveau agieren, steht außer Frage, "Der Tiger" macht meiner Meinung nach aber viel richtig. (Und ist quasi eine bessere Neuauflage als diese "Das Boot"-Serie, an der sich Sky vor ein paar Jahren versucht hat.)
7,5 - 8 von 10 Punkten
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."
Ansich ein gut gemachter Film, aber wohin diese Mission führt und wie es am Ende aufgelöst wird war mir nicht überzeugend genug umgesetzt. Als einfacher Kriegs- bzw. Abenteuerfilm hätte er für meinen Geschmack besser funktioniert, weil die Truppe im Panzer ne ganz gute Chemie hatte.
Meine Bewertung
Bei deutschen Produktionen zum Thema „Weltkrieg“, egal welcher von den beiden, ist es meistens eher schwierig. Als ob deutsche Produktionen nicht schon grundsätzlich ein großes Problem hätten. Insofern war der Trailer zu „Der Tiger“ durchaus als erfrischend anzusehen. Was am Ende rausgekommen ist, entpuppte sich aber als die übliche Mogelpackung.
„Der Tiger“ ist kein neues „Das Boot“, kein „Apocalypse Now“, noch nicht mal ein „Herz aus Stahl“. Davon kann der Film leider nur träumen, soweit ist man davon entfernt.
Die Zusammenarbeit mit dem deutschen Panzermuseum hat soweit zumindest was gebracht, dass man den Tiger Panzer zumindest authentisch… so halbwegs… im Film präsentiert.
Selbst die Darsteller der Tiger-Besatzung nehme ich sogar ihre Rollen ab. Auch gab es einige Dialoge, die ziemlich dicht geschrieben sind. Ein seltener Moment. In der Regel kann ich mit dem typisch hölzernen deutschen Schauspielern nix anfangen, ohne es allzu sehr zu pauschalisieren.
Die Action im Film fällt gelinde gesagt so schmal aus wie wohl das Budget des Films. Man sollte wohl ein Faible für Filme haben, in denen einsame Panzer durch verschiedene Landstriche fahren. Wald, Wiesen, mal ein Fluss…
Das der Film einem mit dem ganz großen Vorschlaghammer einhämmert, wie das so ist mit dem blinden Befolgen von Befehlen und von Sinn und Sinnlichkeit dahinter, ist so platt und dreist dumm inszeniert, dass selbst der letzte Bauer die Botschaft des Films verstanden hat. Damit hat der Film dann immerhin schon das Niveau der Teletubbies erreicht.
Wer nicht gerade von Anfang an mit Second Screening beschäftigt ist, sollte auch nach etwa 20 Minuten das erste Verdachtsmoment mitbekommen haben, wohin die Reise führt, und kann sich dies dann erneut die ca. nächsten 90 Minuten immer und immer wieder bestätigen lassen. Der Film ist auch nicht gerade gut darin, seinen offensichtlichen Twist, oder die große Wendung zu vertuschen oder zu verbergen.
Als sie dann gegen Ende dann auch endlich eintritt, auch genau so wie bereits erwartet und man das letzte „Lost“ Déjà-vu von sich geschüttelt hat, kann man sich noch ein wenig ärgern über das Ende des Films, oder sich freuen das er endlich vorbei ist. Das bleibt zum Glück jedem ganz unbenommen.
Am Ende eigentlich sehr schade. Der Tiger war halt doch nur Kulisse und man sollte in deutsche Filme besser keine zu großen Erwartungen stecken. Fazit beendet.
Meine Bewertung
"The Wheel weaves as the Wheel wills"
Unverhofft kommt oft... Eine deutsche Produktion über den zweiten Weltkrieg mit einem Tiger in der Hauptrolle? Sounds cringe und nach Futter für Wehraboos (bitte googlen, lohnt sich), ist aber zum Glück eine geschickte falsche Fährte.
"Das Boot" durch die Linse von "Fury" stampft im Stil von "Apocalypse Now" durch den Urschlamm diverser Kriegsfilme. Hört sich schräg an, geht aber unter die Haut.
Die unten von luhp92 angeführte Kritik von W. Schmidt Jr. kann ich nur empfehlen, und in seinem ersten Punkt gehe ich auch direkt mit. Das Schauspiel ist sehr gelungen, die Charaktere sehen die meiste Zeit weniger wie Menschen aus als wie eine Maske, die gerade noch von der Hölle ausgespuckt wurde. In einigen Momenten, besonders den starken Dialogszenen, sieht man noch Menschen, ansonsten nur Stumpfheit oder Panik. Es ist außerdem einer der wenigen Filme mit CGI Einsatz, bei dem man dennoch das Motoröl fast riechen und den Dreck fast spüren kann.
Wer hier heiße "Tank on Tank" Action erwartet, wird enttäuscht: Im Kern werden hier Schuld, Verantwortung und Sinn und Unsinn von Befehlen thematisiert, und dabei kommen einige treffende Dialogsequenzen zustande. Einige Austäusche, auch wenn es nur einige Sätze sind, bieten hier mehr Stoff zum Debattieren als andere Filme.
Das was im Netz scheinbar gerade als Schwachpunkt diskutiert wird, ist übrigens eine große Stärke des Filmes. Ja, es gibt zwei Szenen, die zweite ziemlich genau in der Mitte des Filmes, durch die sehr offen angekündigt wird, wohin die Reise geht. Das arbeitet aber durchweg für den Film, so ist es z.b. kein Zufall, wenn die Mission "Labyrinth" heißt, es aber am Ende einen langen Korridor ohne Ausweichmöglichkeiten entlang und hinab geht. Hat man einen bestimmten Weg erst einmal beschritten, ist das Finale unausweichlich. So sind die letzten Bilder vielleicht etwas abgeschmackt, lassen aber dennoch Unbehagen aufkommen.
Meine Bewertung
"Fanatical legions worshipping at the shrine of my father’s skull."
@MB80
So ging es mir ebenso, keinerlei Erwartungen und ich hätte mir den nie angesehen, aber ich hatte mich auch nicht in den Inhalt eingelesen und wusste nicht, dass der von Dennis Gansel ist. Jetzt habe ich mir den Film vorgemerkt, vielleicht schaffe ich es noch ins Kino.
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."
Luhp92:
Überraschend positive Kritik, ich hatte beim Trailer die Sorge, dass der Film billiges Futter für Wehraboos und Konsorten wird. Nachdem ich den Regisseur nochmal nachgeschlagen hatte war ich beruhigt, jetzt bin ich tatsächlich interessiert...
"Fanatical legions worshipping at the shrine of my father’s skull."
Im "Das Boot"-artigen Panzer hinter die Frontlinie ins Herz der Finsternis zum nationalsozialistischen Colonel Kurtz.
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."