
Bewertung: 2 / 5
Wenn eine Gruppe junger Menschen mit Behinderungen, drei Betreuerinnen und Betreuer und zwei Kriminelle gemeinsam in den Urlaub fahren, ist Chaos vorprogrammiert. Dieses Chaos präsentiert uns Regisseur Marc Rothemund mit Das gewisse Etwas, seiner Neuverfilmung des französischen Originals Was ist schon normal?, das 2024 der erfolgreichste Film in den Kinos im Nachbarland war. Dass ein ähnlicher Erfolg in Deutschland möglich ist, bezweifeln wir nach unserer Sichtung der Komödie aber.
Das gewisse Etwas Kritik
Die Sozialarbeiter Polly (Mala Emde), Marko (Lorenzo Gemeno) und Mona (Jasmin Schwiers) betreuen eine Gruppe junger Menschen mit verschiedenen Beeinträchtigungen. Gemeinsam fahren sie jedes Jahr in ein Ferienlager, so auch dieses Mal. Der Neuzugang Otto (Paul Kögler) verspätet sich allerdings und so hält Polly fälschlicherweise Alex (Max von der Groeben) und seinen Vater Karlo (Florian Lukas), die eben noch einen Juwelier ausgeraubt haben und nun auf der Flucht sind, für Otto und seinen Betreuer. Die beiden Kleinkriminellen nehmen ihre neue Rolle an und reisen gemeinsam mit der Gruppe in den Urlaub.
Trailer zu Das gewisse Etwas
Beeinträchtigte als Gimmick
Der wichtigste Bestandteil einer guten Komödie ist Humor, der funktioniert. Tatsächlich gibt es einige Szenen, die ziemlich absurd sind und für Lacher sorgen, etwa wenn zwei der jungen Erwachsenen gemeinsam mit Alex duschen und ihn dazu zwingen, dass er ihre Rücken schrubbt. Doch bleiben die wirklich lustigen Momente eher die Ausnahme. Nichtsdestotrotz werden hier keine Witze auf Kosten von Menschen mit Behinderungen gemacht. Es werden zwar Klischees aufgegriffen, diese aber stets selbstbestimmt behandelt.
Zwar ist Das gewisse Etwas dadurch kein peinliches Witzefeuerwerk auf Kosten anderer, das macht die 100 Minuten aber leider nicht unterhaltsamer. Klar, hier und da wird gelacht, die Ausgangslage ist nach spätestens 20 Minuten aber schon auserzählt. Die Figuren entwickeln sich kaum, denn Alex ist schon von Beginn an eigentlich ein netter Mensch, während sein Vater offensichtliche Probleme hat. Nebenher darf sich Polly noch über eine Nebengeschichte mit ihrem Freund Matthias (Tobias van Dieken) freuen. Der ist jedoch genauso schnell und plötzlich weg, wie er gekommen ist.
Die Gruppe darf sich derweil quasi gar nicht entwickeln und spielt auch sonst keine große Rolle in der Geschichte der Hauptfiguren. Das macht die Menschen mit Behinderung trotz der aufgeschlossenen und offenen Herangehensweise schließlich mehr zu einem lustigen Gimmick, als zu einem echten und wichtigen Bestandteil des Films. Das ist schade, wenn auch erwartbar. Aber vor allem ist das keine echte Integration von Schauspielerinnen und Schauspielern mit Behinderungen.
Mala Emde trägt den Film
Das schwache Drehbuch macht sich allerdings nicht nur bei der Charakterentwicklung bemerkbar. Es braucht keine fünf Minuten, um die Handlung des gesamten Films vorauszusagen. Denn der Konflikt zwischen Vater und Sohn ist offensichtlich, dennoch nutzt Das gewisse Etwas diesen erst fürs Finale. Das verläuft übrigens unrealistisch und ist ein klassisches Happy End, in dem alle Charaktere auf einmal ihre Fehler anerkennen und etwas Gutes tun. Wieso sie plötzlich so anders handeln und niemand jemanden böse ist, müssen wir uns selbst erklären.
Zwischen vorhersehbaren Handlungssträngen, unnötiger Nebengeschichten und einigen gar nicht mal so unterhaltsamen Szenen geben immerhin einige der Darsteller ihr Bestes, wenn es schon nicht die Drehbuchautoren tun. Vor allem Mala Emde als Polly überzeugt uns mit ihrer starken Präsenz und dem motivierten Spiel. Glänzen kann auch Florian Lukas als Vater Karlo, der die wahrscheinlich vielschichstigste Rolle spielen darf. Er überzeugt sowohl mit seiner gefährlichen als auch mit seiner zärtlichen Seite.
Jasmin Schwiers als Mona und Lorenzo Gemeno als Marko sind auch sichtbar bemüht, das Drehbuch gibt (wie bei allen) aber einfach zu wenig her, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Einzig Max von der Groeben kann uns nicht überzeugen, zu sehr sind wir das typische Schauspiel von ihm gewohnt, während wir ihm seine ernsteren Momente nicht wirklich abnehmen können.
Fazit
Dass uns bei einer deutschen Komödie ein schlechtes Drehbuch erwartet, haben wir schon geahnt, dennoch überzeugt es uns noch wneiger als gedacht. Dazu funktioniert der Humor nur stellenweise, während die Gruppe Beeinträchtigter mehr wie ein lustiges Gimmick als ein relevanter Teil des Films wirkt. Mala Emde kann mit ihrem Schauspiel zwar etwas rausholen, aber auch den Darstellern sind durch die schwachen Figuren Grenzen gesetzt. So bleibt Das gewisse Etwas schließlich nur eine weitere deutsche Adaption einer erfolgreichen französischen Komödie, die einfach nicht mit dem Original mithalten kann.


